DER RABENKELLER BEI HALLSTATT

Allgemeines: Der Eingang vom RABENKELLER gehört mit zu den größten Höhlenportalen im gesamten Dachsteingebirge. Man kann dieses Riesenportal von Hallstatt-Markt bzw. vom Ortsteil „Im Römischen“ (Tremischen) und der Gemeinde Obertraun gut mit freiem Auge erkennen. Um das Jahr 1900 herum wurde diese auffällige Höhle auch als „Rabenloch“ bezeichnet. Johann Baptist Bohadsch, welcher im Jahre 1762 das Gebiet bereiste, schrieb darüber. „Mitten auf dem Hirschauerberg ist in einem Felsen eine tiefe Höhle, Rabenkeller genannt."

Noch älter ist die Bezeichnung „Rabenbrunn“ und dieser Name deutet auf eine ehemalige Wasserführung hin. Damit gewinnt auch eine uralte Sage einen gewissen Wahrheitsgehalt. So soll einst ein Fluss aus dem Portal herausgeronnen sein. Diese Wassermassen haben dann auch dazu beigetragen, dass ein ebenso legendäres Schloss mit den Namen „Burgau“ auf der gegenüber liegende Seeseite weggeschwemmt wurde. Das Höhlenportal befindet sich direkt am Wandfuss im westlichen Abschnitt der Seewand bzw. oberhalb des Hirschaukessels. Wegen des Klettersteiges durch die Seewand wird am häufigsten der Weg bei der periodischen Riesenkarstquelle „KESSEL“ zwischen Hallstatt und Obertraun benutzt. Der Steig (Hinweistafel beim KESSEL) führt relativ steil durch Wald und Schottertrassen zur Hirschaualm. Den Almboden in rund 800 m Seehöhe erreicht man in einer dreiviertel Stunde Gehzeit. Von den einst drei Hütten dieser Niederalm steht nur noch ein Gebäude, die beiden anderen sind abgebrannt. Von Hallstatt kann man ebenfalls auf wesentlich bequemeren Weg zur Hirschaualm wandern. Der beschilderte Weg beginnt hinter der sehenswerten Barockkirche Kalvarienberg im Ortsteil Lahn und führt über die „Schöne Aussicht“ in einer Stunde zur Alm. Von der Hirschaualm geht man meist weglos in südwestliche Richtung durch den ansteigenden Almboden und zuletzt über Geröll direkt zum sichtbaren Portal.

 

Beschreibung: Die Entstehung vom RABENKELLER erfolgte an einer südwärts gerichteten Kluft. Hauptsächlich durch Frostsprengung hat sich dann der ursprüngliche Eingang auf 21 m Höhe erweitert. Das etwas trapezförmige Portal hat im Eingangsbereich eine Sohlenbreite von 17 m. Der Boden ist im Bereich der Trauflinie mit kleineren Felsbrocken und Bruchschutt bedeckt. Höhleneinwärts überwiegt dann mehr die Lehmablagerung. Dieser gesamte riesige Vorhof ist ansteigend und rund 35 m lang. Dann senkt sich die Decke abrupt bis auf 2 m Seehöhe herab. Hier beginnt nun der eigentlich, zunehmend lichtlose Teil der Höhle. Ein anfangs 3 m hoher und 4 m breiter Gang führt in das Berginnere. Nach 10 m kommt es zu einer Gangteilung. Der untere Hauptgang führt fast waagrecht in eine abgeschlossene Lehmkammer. Der südliche Höhlenast endet nach einer Aufwärtsstufe in einem unzugänglichen Schluf.

 

Besonderheiten: Beim RABENKELLER handelt es sich um einen Backofentypus. Die physikalisch wärmere Luft streicht nach oben und wird gespeichert. Dieses hat zur Folge, dass selbst im strengsten Winter im hinteren Höhlenteil nie Minusgrade vorkommen. In diesem natürlichen Treibhausklima haben zahlreiche Pflanzen ihre Lebensgrundlage gefunden. Der Botaniker Friedrich Morton hat sich sehr ausgiebig mit dem Pflanzenwachstum beschäftigt und im Rabenkeller 56 Arten festgestellt. Häufig findet man Geranium, Camium, Adoxa und Cystooperius frailis. Es ist immer wieder eindrucksvoll, wenn man im Winter die Höhle betritt und durch verschiedene Klimazonen durchgeht. So kommt es manchmal vor, dass man einem Meter nach einer Eisplatte schon aufkeimende Pflanzen sieht. In der hintersten und stets trockenen Lehmkammer überwintern Fledermäuse und massenhaft Weberknechte. Besonders interessant sind die versinterten Hauspuren in der Lehmkammer. Angeblich wurden aus dem rötlichen Lehm einst Krippenfiguren geschnitzt. Aus diesem Grunde habe ich einmal eine Lehmprobe mit nach Hause genommen und diese später im Garten ausgestreut. Einige Tage später wuchsen aus diesem Sediment drei etwa 20 cm hohe Blumen mit einer violetten Blüte. Einen Tag später waren sie wieder verschwunden.

 

Basisdaten: Kat. Nr. 1546/9, Seehöhe 960 m, Länge 45 m, Höhenunterschied + 27 m, Plan: Morton, Fritsch

 

HALLSTATT- RABENKELLER

 

Von Hallstatt aus (im Bild rechts unten) oder etwa 1 km weiter entlang vom Hallstättersee in Richtung Obertraun (Bild links) führt ein Weg zur Hirschaualm.

Die Alm wird mit der mächtigen Sewand begrenzt. Durch diese Wand führt ein berühmter Klettersteig.

 

Der gelbe Pfeil markiert die Höhle mit den Namen RABENKELLER.

 


HIRSCHAUALM

 

Diese Alm zwischen Hallstatt und Obertraun in rund 850 m Seehöhe gehört zu den Niederalmen. Bevor die Kühe auf die Obere Sarsteinalm aufgetrieben wurden, grasten diese ein paar Wochen auf der Hirschaualm.

Früher standen hier drei Hütten, zwei davon sind abgebrannt.

Im Hintergrund sieht man das mächtige Portal vom sagenumwobenen RABENKELLER. Der Zustieg erfolgt weglos über den Almboden und zuletzt über eine Geröllhalde.

Seit einigen Jahren erfolgt kein Viehauftrieb mehr.

 

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Bild links: Der Sage nach brachen aus dem RABENKELLER einmal  gewaltige Wassermassen hervor und zerstörten  die Siedlung "Cervusau" und auf der gegenüberliegenden Seeseite die "Burgau".

Bild Mitte: In diesem Höhlenteil herrschen trotz der Nähe zur Außenwelt nie Minustemperaturen. Die Höhle gehört zum "Backofentypus", d.h. die aufwärtssteigende wärmere Luft bleibt gespeichert.

Bild rechts: Der Blick von der Höhle über den ganzen fjordartigen Hallstättersee ist beeindruckend.

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