DER HIRLATZ BEI HALLSTATT

                                                                   

Der Hirlatz besteht aus drei Gipfeln, nämlich dem Vorderer Hirlatz (1.934 m), dem Mittlerer Hirlatz (1.985 m) und dem Hinterer Hirlatz (1.972 m). Nur der Gipfel vom Vorderer Hirlatz ist von Hallstatt aus zu sehen. Mit hohen Steilwänden fällt dieser Berg nach Norden ab und bildet zugleich das nördlichste Bollwerk vom Dachsteinmassiv.

Bergsteigerisch betrachtet führt der Hirlatz zu Unrecht ein Schattendasein. Trotz der überwältigenden Aussicht zu den Dachsteingletschern und den eindrucksvollen Tiefblicken verirrt sich selten ein Bergsteiger dorthin. Es ist ein Berg für Invidualisten, welche über Kondition, Trittsicherheit und Orientierungssinn verfügen müssen. Einer der klassischen und langen Anstiege beginnt direkt in Hallstatt-Lahn beim Kalvarienberg bzw. beim Aussichtspunkt "Schöne Aussicht".  Es gibt  kein Gipfelkreuz und nur die ehemalige Hirlatzalm in 1.800 m Höhe erinnert an längst vergangene Zeiten.

Die Hochkarstlandschaft um die Hirlatzberge ist überzogen von geologischen Verwerfungen, scharfkantigen Dolinen und tiefen Schächten. Etliche dieser tiefen Abgründe wurden mittlerweile erforscht, doch bisher ist es nicht gelungen, eine Verbindung zur momentan 103 km langen Hirlatzhöhle zu finden. Dieses ist sicherlich nur mehr eine Frage der Zeit.

Schwer durchdringbare Latschengürtel mit etlichen Wandstufen befinden sich vor allem im Bereich der Hohen Eisgrube. In diesem Areal ist es schwer, sich  zurecht zu finden. Botaniker erfreuen sich am dunklen Grün der Legföhren. Im Sommer leuchtet zwischen Fels und Latschen  der  dunkelrote Almrausch und andere, teilweise seltene Pflanzen.

Südwestlich der Hirlatzgipfel gibt es eine Anhöhe mit den Namen "Feuerkogel". Auf der Südseite dieses Berges gibt es eine berühmte Fossilienfundstelle aus der Jurazeit. Man fand dort  versteinerte Seelilien und seltene Ammonitenarten. Ansonsten besteht der gesamte Hirlatzstock aus hellen, gebankten Dachsteinkalk, entstanden als Sedimentablagerung in der Triaszeit. Östlich vom Hinterer Hirlatz und getrennt durch einen tiefen Graben erhebt sich der mit einem Gipfelkreuz  versehenen Zwölferkogel.

 

 

VORDERER HIRLATZ AUS DER SICHT VON OBERTRAUN

 

Von Obertraun aus präsentiert sich die Ostseite vom Vorderer Hirlatz . Der linke breite Graben  welcher zum Hallstätter See abfällt, wird als "Schoß" bezeichnet. Hier donnerten in früheren strengen Wintern manchmal gewaltige Schneelawinen herunter und verschütteten die Landesstraße.  Heute schützt eine aufwändige Lawinengalerie die Menschen.

Links von der "Schoß" und am Bild nicht sichtbar befindet sich der fast gleichhohe Zwölferkogel.

Im rechten Bildteil erkennt man die Häuser von Hallstatt, Ortsteil Lahn. Dahinter liegt das abgeschlossene Echerntal. Darüber erhebt sich die Mitterwand und ganz im Hintergrund die Gipfel von Grünberg (links) und Grünbergkogel.

Im Vordergrund sichtbar sind die Ferienhäuser von Obertraun und der Badestrand.  Der Hallstättersee, ein Relikt aus der letzten Eiszeit, ist maximal 125 m tief.

 

 


HIRLATZ - DER "HEILIGE STEIN"

 

Der Name "Hirlatz" ist ungewöhnlich und kommt im ganzen deutschsprachigen Raum nur einmal vor. Ältere Namen sind auch Hierlitz, Hirrlitzs und Hiellätz.

Woher kommt dieser seltsame Name? Am meisten verbreitet ist die Annahme, dass sich der Wortstamm aus dem griechischen "Hieros lithos", also "heiliger (Priester)Stein" zusammen setzt.

 Um diese Deutung zu verstehen, sollte man sich um die Wintersonnenwende auf den Hallstätter Salzberg begeben und den Lauf des Sonnenrades verfolgen.

 

SONNENSTANDSBEOBACHTUNGEN

Es ist ein eindrucksvolles Naturschauspiel, wenn man am kürzesten Tag des Jahres vom Rudolfturm den Lauf der Sonne verfolgt. Ein Protokoll, entnommen aus meinen Buch "Höhlen, Natur und Kultur im Inneren Salzkammergut" soll dieses verdeutlichen.

22. Dezember, 11 Uhr 10: Sonnenaufgang in Hallstatt-Markt. 42 Minuten lang werden zuerst die evangelische Kirche und dann das Zentrum beschienen. Die Sonne steht dabei östlich vom Zwölferkogel.

11 Uhr 45: Die Sonne verschwindet hinter dem Zwölferkogel, der Rudolfturm (Burgkogel) liegt 11 Minuten lang im Bergschatten.

11 Uhr 52: Der Feuerball verschwindet endgültig von Hallstatt.

11 Uhr 56: Die Sonne kommt westlich vom Zwölferkogel wieder zum Vorschein und scheint für 21 Minuten nur auf den Rudolfturm. Der Lebensspender bewegt sich dabei zwischen Zwölferkogel und Vorderer Hirlatz.

12 Uhr 17: Endgültiger Sonnenuntergang auf der Ostseite vom Vorderer Hirlatz (siehe Foto).

Der Rudolfturm steht mit Sicherheit auf einen Platz, welcher schon in der vorchristlichen Zeit eine große, kulturelle Bedeutung hatte.

 

DIE SAGE VOM HIRLATZ

Ein Jäger mit den Namen Corvinian war auf der Ostseite vom "Vorderer Hirlatz" auf der Pirsch. Da bemerkte er plötzlich einen Zwerg, welcher vor dem Eingang einer Höhle stand. Der Wichtel wies auf ein Höhlenportal hin und sprach: "Hier schau - hier lag`s" (Das Gold). Der Jäger nahm darauf hin den glitzernden Sand aus der Höhle mit.  Zuhause aber bemerkte er, dass das Gestein wertlos war. Dadurch sollen die Namen "Hirschaualm" , "Hirlatz" sowie das "Goldloch" entstanden sein. Das "Goldloch" ist ein 56 m langer Stollen unbekannten Alters in der Nähe der Villa Hirschbrunn.

 

WEÍTERE NAMENSDEUTUNG

Es gibt aber neben den Sagen auch noch andere Hinweise auf die Namensentstehung. So könnte der Name aus dem Slawischen kommen und soviel wie Tannenberg bedeuten. Ein bekannter Sprachforscher meinte zu mir, dass Wort komme aus dem Etruskischen und soll soviel wie Horn bedeuten.

 

BILDERGALERIE 

Linkes Bild unten: Nur in wenigen Wochen liegt die Nordseite vom "Vorderer Hirlatz" komplett im Sonnenlicht. Am Tag der Sommersonnenwende leuchtet selbst die sonst abweisende Nordwestwand im warmen Abendschein .

Mittleres Bild: Ende Januar  werden erstmals die äußersten Felskanten kurz vor Sonnenuntergang beschienen.

Rechtes Bild: Im Angesicht vom Hirlatz sieht man die Fahnen von der Fronleichnamprozession.

 


AUSSICHTPLATZ AM "HINTERER HIRLATZ"

 

Vom unauffälligen Gipfelaufbau in 1.972 m Höhe hat man einen herrlichen Ausblick in das zentrale Dachsteingebirge.

Am linken Rand sieht man die Dirndln und schräg darunter den Eisstein. Gegen die Bildmitte zu erkannt man die "Schulter", welche auf den "Hohen Dachstein" (2.995 m) führt. Die Sicht auf den Gipfel wird durch den vorgelagerten "Niederen Dachstein" etwas eingeschränkt.

Unterhalb vom Hallstätter Gletscher fällt das "Schöberl" auf. In der Nähe liegt die Simonyhütte und die Dachsteinkapelle.

 

 

 

Bild unten links:

Übersicht über das Hirlatzplateau. Aufnahme vom Krippenstein in westliche Richtung.

Links hinten der "Feuerkogel" und der "Vorderer Hirlatz", am rechten Rand der "Zwölferkogel".

Bild  unten rechts:

Der direkte Aufstieg von Hallstatt-Lahn ist steil und verlangt Trittsicherheit, gute Kondition und Orientierungsfähigkeit. Dem Bergsteiger bietet sich vor allem im oberen Teil ein eindrucksvoller Blick nach Hallstatt.

Bild oben links: In der Senke zwischen Voderer Hirlatz (rechts) und Mittlerere Hirlatz befand sich einst die Hirlatzalm. Zwei Hüttenfragmente aus Stein erinnern an eine längst vergangene Zeit.

Bild oben rechts: Ein beliebter Aussichtsberg ist der Zwölferkogel, welcher relativ leicht in etwa zwei Stunden von der Gjaidalm (Seilbahn) erreichbar ist.

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