DIALEKTAUSDRÜCKE FÜR ALKOHOLISIERTE MENSCHEN

Es gab einmal im Inneren Salzkammergut eine Menge Wirtshäuser, die alle gut besucht wurden. Man traf sich am Stammtisch, ließ sich von der einheimischen Kellnerin eine Halbe einschenken oder ein Glas Wein kredenzen. Man unterhielt sich über die Arbeit, der örtlichen Politik, Sport oder anderen Begebenheiten. Nicht selten wurde ein Lied angestimmt und mehrstimmig laut und nicht immer ganz richtig gesungen. Öfters griff auch einer der Gäste nach der Steirischen und es gab einen Landler oder Steirer, wo natürlich dazu gepascht wurde. Im Nebenraum saßen die Bergmeister oder die höheren Beamten und spielten Karten. Zur späten Stunde ging oder wankte dann so mancher Gast mit mehr oder weniger Alkohol im Blut nach Hause. Gegen 1 Uhr kam dann ein Gendarm vorbei, um Sperrstunde zu machen. Dann schloss der Wirt die Haustüre und man feierte in der Gaststube oder in der Küche weiter.

 

 

So war es noch in meiner Jugendzeit. Mittlerweile hat sich viel verändert. Bleiben wir beim vorerst beim Alkohol. In unserer Gegend wird hauptsächlich Bier getrunken. Weniger Rolle spielt hier der Wein oder die sogenannten scharfen Getränke. Es ist nun ein großer Unterschied, ob der Mann oder manchmal auch die Frau, „leicht angeheitert“ oder „besoffen“ nach Hause geht. Für diese verschiedenen alkoholischen Zustände gibt es eine ganze Reihe von Dialektausdrücken, welche im Volksmund verwendet werden.

Ich mache nun den Versuch, zwischen den leichten, mittleren und schweren alkoholbedingten Formen zu unterscheiden.

Die leichten Formen: In diesem Zustand ist man meist lustig, gesellig, lacht viel, erzählt Witze und singt gerne. Diese Form wird gesellschaftlich voll toleriert und kommt am häufigsten vor. Man sagt dann, man hat ein „Zickerl“, „an griawigen“, a „Räuscherl“, a „Dampferl“, einen „Spitz“ , einen "Schwips", "Damenspitz" oder man ist „leicht o(h)“.

 

Die mittleren Formen: Der Übergang in diesem Zustand ist für Außenstehende schwer festzustellen. Jeder reagiert etwas anders. Äußeres Kennzeichen ist meist eine sehr laute Unterhaltung, Rechthaberei, langsames und undeutliches Sprechen. Andere wieder werden auffällig ruhig und fangen an, durcheinander zu trinken. Beim Singen hört man vermehrt auch militärische Lieder. Hier sind die verwendeten Dialekte schon recht vielfältig. Der Stammtischbruder hat schon einen „ordentlichen Affen“, einen „Zylinder“, eine „Kraxn“, eine „Kro(h)“, einen „Dulie“, einen „Rausch“, einen "Siader", eine "Tschinelln"  oder „Dampf“. Dazu gehören auch ein „Wickser“, „Festrausch“, einen „Teifi“ oder „man ist zua.“ Manche werden auch „einwendig“ (sentimental). Auch dieser Zustand wird noch toleriert, sofern er bei einem besonderen Anlass auftritt und nicht zu oft passiert.

 

Die schweren Formen :Dieser Zustand kommt Gottseidank nicht allzu oft vor und dann meistens bei Gewohnheitstrinkern. Diese Rauschform wird nicht gerne gesehen, vor allem, wenn der Betrunkene zur Gewalttätigkeit neigt. Für diesen unguten Zustand werden folgende Worte gebraucht. Er hat „einen Fetzen“, „einen Botzn“, eine „Granate“, einen „Kapitalen“, einen „mit Kreberln“, eine „Haubitzn“ , einen "wildn Hodn" oder einen „delirum tremens.“

Zur Rettung der Ehre sei aber auch gesagt, dass manche Zecher einfach am Wirtshaustisch den Rausch ausschlafen.

 

Dann gibt es noch drei Sonderformen. Der sogenannte „Aufgewärmte“ ist schwer definierbar. Da wird zusammen der Restalkoholspiegel vom Vortag im Blut schlagartig in die Höhe getrieben und man spricht dann von einem „billigen Rausch“. Bekannt ist auch „a Radl haben“. Der Betroffene kommt manchmal drei Tage nicht nach Hause. Das kommt manchmal während den "die heiligen Faschingstagen" vor.  Dann gibt es noch den´"Moralischen". Der Betroffene sieht nur mehr "schwarz" für sich, seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

 

Die heutige Realität: Die meisten der alten Traditionsgasthäuser zwischen Obertraun und Bad Ischl haben in den letzten Jahren zugemacht. Gemütliche Stammtische kann man auf einer Hand abzählen. Stattdessen Imbissbuden, Bars und ausländische Schnellrestaurant. Die Ursachen sind vielfältig: Fast unerfüllbare Auflagen und Hygienevorschriften für die Gasthäuser, hohe Steuern für Wirte und Gäste, Registrierkassen, Nichtraucherzimmer, Promillegrenzen für Kraftfahrer und massenweise Vorschriften. Aber auch das Heimkino und Vereine, welche die Bierkisten im Supermarkt zum Sonderpreis kaufen, tragen zum Wirtshaussterben bei. Weil es sich finanziell viele Bewohner nicht mehr leisten können. Auch auf den Berggasthäusern bzw. Berghütten ist dieser negative Trend zu spüren. Hoffentlich erfolgt wieder einmal ein Umdenken.

 

Die sogenannte Wirtshauskultur darf nicht unterschätzt werden. Es wäre auch im Sinne unserer Gäste. Gerade im Wirtshaus entstehen oft zwischenmenschliche Kontakte und lange Freundschaften. So manche guten Einfälle und Ideen sind in der Gaststube geboren!

 

 

 

Schwer feststellbar ist der "Zustand", in welchen sich diese Männer unmittelbar nach dem berühmten "Ebenseer Fetznzug" am Faschingswochenende befinden.

 

Angeblich dauert es bei manchen drei Tage und Nächte, bis sie wieder nach Hause finden.

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