DER HIRSCHBRUNN - QUELLBEZIRK

Etwa in der Mitte, zwischen Hallstatt und Obertraun im Inneren Salzkammergut, befindet sich der HIRSCHBRUNN-Quellbezirk. Dieses Areal wird seit dem Jahre 1901 durch die Landesstrasse geteilt. Die Riesenkarstquelle HIRSCHBRUNN liegt an der Seeseite,  der quelltopfförmige  KESSEL  und ALTE KESSEL befindet sich 400 m entfernt auf der Bergseite.

 In der Umgebung dieser zwei episodischen Riesenkarstquellen gibt es zahlreiche Spalten, aus denen bei gewissen Wettersituationen fallweise Bächlein herausrinnen. Diese Wasseraustritte tendieren zwischen dem Seespiegel bei 508 m und etwa 100 m höher. Zahlreiche Quellen treten ganzjährig direkt im See aus. Bei strengen Wintern gefriert manchmal der an dieser Stelle recht flache Hallstättersee zu, das sogenannte „Träunl.“. Dann bleiben diese Örtlichkeiten im Eis offen und werden als Köhbrunnen oder als Kehrbrunnen bezeichnet.

 

Der ganze HIRSCHBRUNN-Quellbezirk umfasst eine Fläche von rund ½ Quadratkilometer und gehört zum KG Hallstatt, Parzellen-Nr. 373/20 und 378. Eigentümer und Besitzer sind bis auf zwei Ausnahmen die österr. Bundesforste.

 Genau in der Mitte zwischen HIRSCHBRUNN und KESSEL befindet sich seeseitig ein eingezäuntes Privatgrundstück, welche ursprünglich als Branchvilla bezeichnet wurde. Dieser interessante Bau aus dem Jahre 1895 mit Nebengebäude diente in der späten Monarchie als adeliger Sommersitz und ist jetzt ganzjährig bewohnt.

Der HIRSCHBRUNN-Quellbezirk wird von der Taucherlegende Gerhard Zauner aus Hallstatt in einer Fachzeitschrift als „Heilige Quellen“ (Quellheiligtümer) bezeichnet. Er könnte durchaus recht haben, denn seit Urzeiten führt auch ein Weg durch diesen Bezirk. Der schon in der Urnenfelderzeit viel begangene Steig, welcher von der Steiermark über den Koppenpass zum Hallstätter Salzberg führte, geht zwangsläufig beim KESSEL und am HIRSCHBRUNN vorbei.

Erhärtet wird die Theorie noch mit einem Bronzedepotfund, welcher direkt gegenüber der Villa HIRSCHBRUNN neben der Straße gemacht wurde. Die bronzenen Geräte stammen aus der Zeit um rund 1200 v. Chr.

Die verschiedenen Karstquellen hatten früher im Dialekt noch andere Namen. So wurde im Jahre 1743 statt „KESSEL“ noch „Kössl“ geschrieben und statt „HIRSCHBRUNN“ der Name „Hierschbrun“. 

Friedrich Simony hat sich bereits im 19. Jhd. ausführlich mit den Riesenkarstquellen beschäftigt. Andere namhafte Forscher wie Franz Kraus, Johann Steiner, Friedrich Morton, Gustave Abel und Mathias Kirchschlager haben sich ebenfalls mit dem Karstphänomen beschäftigt und ihre Beobachtungen für die Nachwelt schriftlich festgehalten. Vor allem Morton hat sehr intensive Forschungen beim HIRSCHBRUNN betrieben. Im Jahre 1927 hat in seinem Auftrag ein Major Heinrich eine genaue Quellenkarte angefertigt.

Aber erst einige mutige Höhlentaucher gelang es ab dem Jahre 1960 etappenweise tiefer in die Unterwelt vorzudringen. Seit dem Jahre 2003 weiß man auch, dass der KESSEL mit der über 100 km langen Hirlatzhöhle  zusammenhängt!

HIRSCHBRUNN und KESSEL wurden auf Grund meiner Initiative in den Jahren 1978 zum Naturdenkmal erklärt. Beide Riesenkarstquellen stehen seit dieser Zeit unter Naturschutz. Um eventuellen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen, sollten Taucher bei der Naturschutzbehörde des Landes OÖ. um Erlaubnis ansuchen.

In unmittelbarer Umgebung gibt es noch zwei geheimnisvolle Stollen, welche als "Hirschbrunn-Quellstollen" und "Goldloch" bekannt sind. Ersterer ist 5.5 m lang befindet sich direkt beim Seespiegel und am Ende einer kleinen Naturhöhle angelegt. In dieser Anlage wurden mehrmals prähistorische und römerzeitliche Funde getätigt. Das "Goldloch" ist ein 56 m langer Stollen oberhalb der Straße und derzeit schwer zugänglich. Zweck und Alter beider künstlichen Objekte ist noch unbekannt. Beide Objekte werden später im Laufe dieser Serie noch genau beschrieben.

In diesem Zusammenhang muss auch noch die Villa "Hirschbrunn" mit Nebengebäude beschrieben werden. Diese interessante Jugendstilvilla befindet sich zwischen Straße und See und ist derzeit wieder von einem Künstler und ehemaligen Opernsängerin bewohnt. Ursprünglich wurde die Anlage von einen K&K Anwalt Alfred Brants im Jahre 1894 erbaut und 1908 vom ungarischen Grafen Tassilio Almasy erworben. 1921 erbte die Tochter, Gräfin Wilczec das Anwesen und diese Dame spielte schon im ungarischen Flüchtlingsdilemma nach dem Zusammenbruch der Monarchie eine bedeutende Rolle.

Ich habe "die Gräfin", welche 96 Jahre alt wurde, noch persönlich gekannt. Im Jahre 1956 kam eine gewaltige Lawine in der Nähe der Villa herunter und das ausgegrabene Schneetunnel war bis Juni vorhanden. Die freundliche Dame ging mit einen kleinen Hund täglich einkaufen, traute sich aber alleine nicht durch das Tunnel. So begleitete ich sie und bekam jedes Mal ein schönes Trinkgeld.

 

 

Bild links: Der Hirschbrunn-Quellbezirk befindet sich am Südende vom Hallstättersee zwischen Hallstatt und Obertraun.

Bildmitte: Der Zugang erfolgt direkt neben der Landestraße am südlichen Ende der Lawinenverbauung.

Bild rechts: Das Bachbett unterhalb der Straße ist im Großteil des Jahres trocken. Im Hintergrund sieht man den See. 


HISTORISCHES BILD UM DAS JAHR 1800

 

In der Bildmitte erkennt man den aktiven Hirschbrunn.

Oberhalb ist der Wanderweg zu sehen, welcher damals Hallstatt und Obertraun verband.

 

Am linken Rand sichtbar ist auch  die periodisch aktive Riesenkartsquelle "Kessel" zu erkennen.

 

Am rechen Bildrand zieht der Wasserdampf der Saline Hallstatt gegen den Himmel.


Bild links: Das Bachbett vom Hirschbrunn hat sich mittlerweile durch mittransportierte Steine etwas verändert.

Bildmitte: Wenn das kalte Quellwasser auf den wärmeren See trifft, kommt es manchmal zu Dampfbildung.

Bild rechts: Oft bis zu 100 m weit sieht man die Spuren vom Hirschbrunn, wenn dieser in den See mündet.


 

HIRSCHBRUNN

 

Der HIRSCHBRUNN ist die wasserreichste, periodische Riesenkarstquelle innerhalb des Quellbezirkes. Auf der Straße von Hallstatt nach Obertraun kommt man nach einem Kilometer zu einer Lawinenüberdachung. An ihrem Ende existiert    an der linken Seite eine kleine Parkmöglichkeit. Neben der Hinweistafel „HIRSCHBRUNN“ erreicht man seeseitig nach wenigen Metern eine mit Geländer abgesicherte Aussichtsplattform.

Im größten Teil des Jahres erblickt man etwas unterhalb ein trockenes Bachbett, welches sich bis zum nahen Seespiegel fortsetzt. Man sieht hier auch den Hauptaustritt der Quelle in Form eine Kluft.

Ganz anders ist es aber bei langandauernden starken Regenfällen oder bei der frühsommerlichen Schneeschmelze am Dachsteinplateau. Dann treten aus dem Quelltopf und aus vielen benachbarten Spalten die Wasseradern hervor. Diese vereinen sich zu einem schönen Wasserfall und stürzen auf 33 m Länge und 8 m Höhenunterschied über Kaskaden und Erosionskolke in den See.

Das Schmelzwasser aus der Gletscherregion benötigt dabei rund 5 Stunden, so dass der Wasseraustritt jahreszeitlich bedingt um die gleiche Zeit erfolgt. Dies geschieht zumeist in den frühen Nachmittagsstunden.

Dieses Naturschauspiel war schon in früheren Jahrhunderten ein Anziehungspunkt. Die Adeligen und die noch seltenen Touristen wurden entweder mit Plätten (Fuhren) hin gerudert oder  mit Sänften hingetragen.

So schreibt der berühmte Reiseschriftsteller Schultes bereits um das Jahr 1800 folgenden Bericht.

„Um dieses Phänomen sich zu erklären, müssen Sie sich mit mir 1400 Klafter über diese Löcher erheben. Dort werden Sie am Dachsteine, über dem Hierlats, und weit über dem Krippenstein und dem Küfel, weil über dem Rauhenkogel und Zwölferkogel, zwischen deren Fuß diese Löcher am See liegen, das Reservoir dieser Springbrunnen an einem großen Gletscher und eine Menge von Schneefeldern finden.“

Friedrich Simony beschäftigt sich schon ab dem Jahre 1846 mit dem HIRSCHBRUNN und macht über zwanzig Jahre lang Aufzeichnungen. Sehr schön schildert der Alpenforscher, wie das Wasser immer höher steigt.

„Im Hirschbrunnen wachsen zuerst die unteren Ausflüsse mehr und mehr, es quillt das Wasser durch immer höhere Spalten der Stufe, bis es den oberen Rand derselben erreicht hat. Endlich wächst die Wassermasse derart, daß dieselbe mit hoch aufwallenden Wogen auch die obersten Felsgetrümmer bedeckt und nun als großartiger Katarakt mitten aus dem Wiesenhang in den See stürzt.“

Simony macht auch mehrfach Temperaturmessungen. Er stellt dabei nur minimale Unterschiede zwischen von +5.3 bis + 7.5 °C  fest.

Bis zum Jahre 1970 konnte man im obersten Teil des Bachbette zwischen Felsblöcken 5 m tief in die Spalte absteigen und diese ein Stück verfolgen. Dann wurde die Öffnung im Zuge der Straßenerweiterung teilweise verschüttet. Im Jahre 1973 versuchte ich  mit einigen Mitgliedern des örtlichen Höhlenvereines, die Spalte freizulegen. Dieses gelang uns leider nicht. Dafür haben wir drei Jahre später den Krummholzbestand gelichtet, um den freien Blick von Hallstatt her zu ermöglichen.

In den Jahren 1979 bis 1982 wurde die derzeitige Lawinenverbauung durchgeführt und dabei die Quelle teilweise verschüttet. Interessanterweise trat nun das Wasser gelegentlich oberhalb der Straße aus. Im Frühjahr 1983 wurde das Schuttmaterial durch eine Baufirma ausgeräumt und der Urzustand wieder hergestellt.

Im Jahre 1978 wurde auf Antrag des Verfassers der HIRSCHBRUNN wegen seiner naturwissenschaftlichen Bedeutung zum Naturdenkmal erklärt

 

Die Erforschung durch Höhlentaucher. Ab dem Jahre 1989 gerät der HIRSCHBRUNN zunehmend in das Blickfeld der Höhlentaucher.

Ziemlich zur selben Zeit versuchten drei Gruppen aus England, Schweiz und aus Tschechien, in die Tiefen dieser Karstquelle  vorzudringen.

Vorerst inspizierten die extremen Höhlentaucher Dr. M. Meyberg und Betinna  Rinne aus Zürich die Eingangsregion. M. Meyberg und A. Bayer waren die ersten Froschmänner, welches es gelang, bis zu einer Engstelle in 44 m Tiefe vorzudringen. Es folgten noch weitere Tauchgänge und Vermessungsarbeiten.

Am 22. August 1989 wird der erste Tauchvorstoß von drei Höhlentauchern aus Cambridge gemeldet. Diese erreichen die maximale Tiefe von beeindruckenden 65 m.

Am 5. September 1995 tauchen erneut drei Experten aus Prag bis zur Maximaltiefe in die Höhle und fertigen einen endgültigen Höhlenplan an.

Im Jahre 2001 erreichte der tschechische Höhlentaucher Pavel Riha eine Tiefe von 75 m und im Jahre 2005 sogar 80 m! Angeblich soll in dieser unglaublichen Tiefe noch eine Fortsetzung sichtbar sein.

 

Beschreibung der wassergefüllten Höhlenteile: Von der Einstiegskluft („Quellspalte“) erfolgt ein 9 m senkrechter Abstieg mit engem Kluftcharakter in die „Quellhalle“. In diesem Abschnitt kommt es zu Schwankungen des Wasserstandes, teilweise auch abhängig von der Höhe des Seespiegels. Normal tendiert der Wasserspiegel bei 515 m Höhe. Es folgt eine nach Südwesten gerichtete, leicht abfallende Spalte. Diese 16 m lange „Kluftbrücke“ führt zu einem weiteren „Parallelschacht“, angelegt ähnlich wie die  „Quellspalte“. Nach 12 m senkrechten Abstieg wird eine schichtgebundene Spalte erreicht. Diese leicht abfallende „Plattform“ liegt bereits in 25 m Wassertiefe und ist 3 m lang.

Nun folgt die mindestens 40 m tiefe „Schwarze Kluft“, eine enge, senkrechte Spalte im festen Fels. In dieser Tiefe von insgesamt 65 m unter dem Wasserspiegel wird der HIRSCHBRUNN wieder größer. Dieser Raum wurde als „Thomas Behrend Halle“ in den Höhlenplan eingetragen. Die Höhle setzt sich kluftartig in noch größere Tiefen fort.

 

Wasserbeobachtungen: Während der frühsommerlichen Schneeschmelze ist die periodische Quelle fast täglich ab etwa 13 Uhr bis in den Abendstunden aktiv.

In seltenen Fällen passiert dieses auch mitten im Winter, wie beispielweise am 23. Dezember 1991.

Mitte Dezember herrschte starker Frost. Nach zehn Tagen erfolgte starker Schneefall. In der Nacht vom 21./22. Dezember ging der Schneefall in Regen über. Am 22. Dezember herrschte ganztägig starker Dauerregen bis auf 2000 m Höhe. Im Laufe dieses Tages wird der HIRSCHBRUNN aktiv.

Am 23. Dezember geht der HIRSCHBRUNN zurück, nur die Quellen nahe beim See bleiben aktiv. Der Seespiegel ist angestiegen. Die Temperatur im HIRSCHBRUNN beträgt 5.4 ° C, der See hat 4.6 ° C.“ (Privatarchiv, Leutner).

 

Temperaturbeobachtungen: Am 1.11.1989 wurde bei Normalstand eine Temperatur von +6.5 Grad C gemessen. Der ph-Wert lag bei 8.3, die Gesamthärte betrug 4, der Leitwert 165, die Gesamtmineralisation 120 mg/l, die Redoxspannung 478 mV und der Sauerstoffgehalt 14.0 mg/l.

Am 15.02.1990 lag die Temperatur bei +5.8 °C, am 27.08.1990 bei +5.6 °C und der Sauerstoffgehalt war auf 10.4 mg/l gesunken. 

Am 27.8.1990 betrug die Wassertemperatur +5.6 ° C, der ph-wert 8.3, der Leitwert 165 und der Sauerstoffgehalt 10.4 mg/l.

 

Besondere Eigenschaften des Wassers: Der bekannte Homöopath Dr .Horodynski aus Wels findet das Wasser beim Hirschbrunn besonders gut. Aus der esoterischen Sicht heraus hilft das Wasser „…. Den eigenen Weg zu erkennen, die eigene Bedeutung zu erkennen…“.

 

Basisdaten: Alte Kat. Nr. 1546/001,  Seehöhe 510 m, max. Länge ca. 100 m, Tiefe ca. 85 m. Mit dem Zusammenschluss mit der Hirlatzhöhle wurde diese zur Katasternummer 1546/7 und Buchstaben umgeändert.

 

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