"KESSEL" UND "ALTER KESSEL" BEI HALLSTATT

Der ganze Bereich am Südende vom Hallstättersee wird hydrografisch als Hirschbrunn-Quellbezirk definiert. Zur Zeit der Schneeschmelze oder bei langandauernden Regenfällen bis hinauf zur Gletscherregion kommt es zum Austritt zahlreicher Quellen.

Die größten davon sind der HIRSCHBRUNN und der KESSEL. Während der HIRSCHBRUNN im Frühsommer sehr häufig aktiv ist, tritt der Kesselbach nur selten aus seinem stets mit Wasser gefüllten Schlund.

Der innere Zusammenhang beider Riesenquellen ist noch nicht bewiesen, aber sehr wahrscheinlich. Der KESSEL ist ein Teil der HIRLATZHÖHLE.


 

Diese episodisch aktive Riesenkarstquelle KESSEL hat schon immer die Aufmerksamkeit der Menschen erregt und war in der Vergangenheit ein oft besuchter Ort. Es ist auch heute noch eindrucksvoll, wenn man zusieht, wenn die Wassermassen mit Urgewalt aus dem Schlund strömen und zuletzt im Hallstättersee münden. Dieses Schauspiel kann man durchscnittlich einmal im Jahr beobachten.

Die naheliegende Riesenkarstquelle HIRSCHBRUNN hängt nicht unmittelbar mit dem KESSEL zusammen.

 

 

Nach dem heutigen Forschungsstand weiß man, dass der KESSEL den tiefsten Entwässerungshorizont der über 104 km langen HIRLATZHÖHLE bildet. Die abenteuerliche Erforschung vom KESSEL hat leider auch Todesopfer gefordert.

                                                                        

 

Lage und Zugang: Selten ist eine Höhle so leicht erreichbar wie diese Riesenkarstquelle.  Der KESSEL  befindet sich in der Mitte zwischen den Ortschaften Hallstatt und Obertraun. Von Hallstatt aus erreicht man nach 1.5 km Straßenlänge ein halbgebogenes Brückengeländer.  Direkt am Ende des Geländers hat man auf der Bergseite eine beschränkte Parkmöglichkeit auf der ehemaligen Landesstraße. Von hier ist sind es nur wenige Meter bis zum Quelltopf. Die Überlaufkante tendiert bei 513 m Höhe, fünf Meter höher als der Seespiegel.

Bessere Parkmöglichkeiten gibt es in unmittelbarer Nähe am seeseitigen Erholungsgelände.

Kurz vor dem direkten Zugangsweg zum KESSEL  beginnt auch der Steig zur Hirschaualm und in der Folge zu dem berühmten Klettersteig durch die Seewand.

Der KESSEL wird gerne von Höhlentauchern aufgesucht. Es soll hier aber nicht verschwiegen werden, das Höhlentaucher sehr viel Erfahrung brauchen und es deswegen nur ganz wenige Spezialisten gibt. Auch der KESSEL hat trotz meist klaren und ruhigen Wasser seine Tücken und ist schon einmal zwei Tauchern zum Verhängnis geworden.

 

Die Erforschung:  Ähnlich wie bei HIRSCHBRUNN wird auch der  KESSEL  in der alten Literatur öfters erwähnt. Vermutlich die älteste Aufzeichnung stammt von Johann Baptist Bohadsch, welcher im Auftrag von Franz von Lothringen, dem Gemahl von Maria Theresia, um 1762 das Salzkammergut bereiste. Er fand beim KESSEL fremdartiges Material, welches wie wir heute wissen, ursprünglich von den Tauern stammte.

„ … einige Stücke von Eisenstein, der gemeiniglich Bohnerz genannt wird.“ (Literatur: Lobitzer).

Bohadsch erwähnt auch schon die „Äugeln“. (Augensteine, Quarz).

Johann Steiner schreibt bereits im Jahre 1820 in einem Reiseführer:

„Der KESSEL bildet eine Höhle oder einen Schacht, aus dessen Tiefe zur Zeit eines sehr heftigen, anhaltenden, warmen Regens eine bedeutende Wasserfluth, mit gräßlichem Brausen, und Toben strömt, und in den See sich ergißt.“

Der Erforschung vom KESSEL  wurden durch das Wasser natürliche Grenzen gesetzt. Erst im Februar 1951 wurde von der Höhlensektion Hallstatt-Obertraun unter Leitung von Karl Pilz und Othmar Schauberger der erste ernsthafte Erforschungsversuch gestartet. Zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr von Hallstatt wurde der Versuch unternommen, den KESSEL auszupumpen. Der Wasserstand sank zwar sofort um 2.5 cm, blieb aber dann trotz hoher Pumpleistung konstant. Zu mindestens wusste man nun, dass ein größerer Wasserzufluss vorhanden sein musste.

Am 31. Juli 1960 wurde unter der organisatorischen Leitung von Gustave Abel aus Salzburg der erste Tauchvorstoß unternommen. W. Tisch gelang es, in 3 m Tiefe entlang einer Kluft etwa 20 m weit vorzudringen.

Am 26. Februar 1961 wurde der nächste Vorstoß unternommen, wobei außer Tisch auch Strasser und Paplacec dabei waren. Dabei wurde es notwendig, nach 33 m Tauchlänge eine Unterwassersprengung zwecks Beseitigung einer Engstelle durchzuführen. Am nächsten Tag gelang es dann den drei Tauchern bis auf 42 m Gesamtlänge vorzudringen. An dieser Stelle befindet sich eine 15 m lange luftgefüllte Kuppel, welche eine Auftauchstelle bot. Zur gleichen Zeit stieg Winkelbauer in den Schacht ALTER KESSEL ein, um eine eventuelle Kontaktaufnahme herzustellen.

In den folgenden Jahren von 1962 bis 1976 wurden vereinzelte Tauchgänge unternommen, u.a. von Jochen Haselmayr und den Hallstätter „Tauchpapst“ Gerhard Zauner.

 

Ein neuer Start: Ab dem Jahre 1976 übernahm der Verfasser als damaliger Obmann des Hallstätter Höhlenvereines die Initiative. Vorerst wurde der Zugangsweg zum KESSEL hergerichtet und teilweise betoniert. Die Umgebung wurde gereinigt, eine Tafel montiert und zusammen mit der Gemeinde Hallstatt verschiedene Arbeiten durchgeführt.

Zur gleichen Zeit habe ich die Naturschutzstellung beantragt, welche im Jahre 1977 erfolgte.

„… Am 25. März 1978 wurde in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Wasserrettung Hallstatt eine große Tauchaktion gestartet. Unter Tauchleitung von Hans Wallner erreichten Rutzenholzer, Hartl, Muglbauer, Schneebauer und Vogl erneut die Luftkuppel, während Leutner und Mayr in den ALTER KESSEL abstiegen.  Das Unternehmen scheiterte vorerst an technischen Schwierigkeiten, doch gab es erstmals genaue Vermessungsergebnisse …“ (Leutner, HÖHLE).

Zum Bodenpersonal und Sicherheitsdienst gehörten weiter noch Gerhard Zauner, Fred Kain, Peter Kitzmüller, Ferdinand Winterauer, Rudolf Bengesser, Christian Pfandl, Yvonne und Harald Pohl, Michael Weber und Siglinde von Rückert.

„Bei dieser Aktion gab es eine nette Begebenheit. Zufällig kam gerade der damalige Bischof Zauner aus Linz mit dem Mercedes vorbei. Als es von der Straße aus die Menschenansammlung beim KESSEL sah, ließ er anhalten und rief zu uns herüber, ob etwas passiert sei. Da rief unser Tauchexperte Gerhard Zauner zurück. „Danke, Eminenz, noch nicht, aber wenn Sie am Rückweg noch einmal vorbei schauen könnten …“ (Leutner, Privatarchiv)

Am 26./27. Dezember 1980 wurde die nächste Forschungsphase eingeleitet. Dieses Mal war es Joachim Schwarz, welcher die Initiative übernahm. Mit den Hallstätter Tauchern R. Zauner, K. Brader und W. Viertbauer wurde der nach der 46 m entfernten Luftkuppel folgende 12 m lange Canyon durchtaucht bzw. durchklettert. Dieser Canyon ist an einer Kluft angelegt, welcher sich von NW nach SO in den Berg zieht. Die Taucher erreichten nach einem Abtauchen durch Versturzblöcke nach weiteren 12 m erstmals einen großen wassergefüllten Raum.

„Das Joachim Schwarz alias Hatzi ein „wilder Hund“ war, wusste man. Aber das er dann gleich im Alleingang in diesem kluftartige Riesenraum bis in eine Tiefe von 65 m abtauchte, dieses war schon an der absoluten Leistungsgrenze. Joachim Schwarz hat diesen vollkommen mit Wasser gefüllten Hohlraum nach dem damaligen Leiter der ersten alpinen Tauchschule „Gerhard Zauner Halle“ benannt.“ (Leutner, Privatarchiv).

Joachim Schwarz startete am 30. August 1981 erneut einen Versuch, um endlich die Verbindung zum ALTEN KESSEL herzustellen. Die beim letzten Tauchgang gefundenen Baumstämme in der „Gerhard Zauner Halle“, verstärkten die Vermutung von einem Zusammenhang beider Objekte. Der  Taucher musste dann wegen aufgewirbeltem Wasser in 2 m Wassertiefe wieder umkehren. Er ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass die Luftblasen im ALTEN KESSEL aufstiegen und von den in den Schacht abgeseilten Höhlenforschern und Peter Seethaler und Kameraden gesehen wurden. Der Nachweis der Verbindung KESSEL zum ALTEN KESSEL  war damit Gewissheit! (Literatur: „TAUCHEN“, 9/1988, Kefnig)

Im Herbst 1991 wurde der KESSEL  in umgekehrter Reihenfolge von M. Meyberg und A. Bayer durchtaucht. Der Tauchgang erfolgte vom Grunde des 34 m tiefen ALTEN KESSEL.

In den folgenden sehr aufwändigen Tauchgängen gelang es nun wiederum Meyberg und Bayer, von der Sohle  der „Gerhard Zauner Halle“ weiter in das Berginnere vorzudringen. Hier beginnt ein aufsteigender, schichtgebundener  Gang, welcher sich in 45 m Wassertiefe teilt. Die Taucher wussten, dass man sich schon im Bereich von der HIRLATZHÖHLE befand.

  

Die Tauchertragödie:  Am 16. Mai 1993 wollten der 23-Jährige Igor Kreinig und der 25-jährige Christian Richter im KESSEL tauchen. Obwohl beide jungen Männer noch relativ wenig Erfahrung im Höhlentauchen hatten, gelang es ihnen, bis zur „Gerhard Zauner Halle“ vorzudringen. Beide Taucher sind dann in diesem 65 m tiefen vollkommen mit Wasser gefüllten Raum ertrunken.

Die Leiche des Jüngeren trieb in einer Wassertiefe von 46 m. Sein Kollege schwebte 8 m unterhalb der Höhlendecke. Was war geschehen? Am Luftvorrat kann es nicht gelegen haben, wie spätere Rekonstruktionen ergaben. Panik, technisches Problem oder Tiefenrausch? Grundsätzlich wird es ab 40 m Wassertiefe für Amateurtaucher gefährlich. Eine Gedenktafel am Rande vom KESSEL erinnert heute an die Verunglückten.

  

Verbindung zur HIRLATZHÖHLE: Im Jahre 2001 interessierten sich Höhlentaucher aus Tschechien vermehrt für den KESSEL:  Pavel Riha und Jan Encev versuchten  mehrmal über die „Gerhard Zauner Halle“ (heute „Zaunerhalle“) weiter in den Berg vorzudringen. Der südöstliche Gang steigt unregelmäßig bis zu einer Tiefe von 21 m an. Der durchschnittlich 1.5 m hohe und 4 bis 7 m breite Tunnel führt dann 180 m weiter in südliche Richtung.

„Am Sonntag, den 14. 2. 2003 fand ich den Weg Richtung Süden. Ich durchschwamm den Gang und sicherte das Führungsseil. Die Tiefe war 16 m und er führte überwiegend Richtung Süden. Dann stieg die Höhle aufwärts und bei 3 m Tiefe war die Tauchleine zu Ende. Ich sah bereits den Wasserspiegel und bei guter Sicht entschloss ich mich aufzutauchen. Vorerst befürchtete ich in einem fremden, unerforschten Teil der Hirlatzhöhle zu sein, aber dann war ich mir sicher, ich befand mich in der Hirlatzhöhle  – ich sah eine Seilschlinge an der eine Cola-Dose taumelte, welche der Höhlenforscher Peter Seethaler,  für mich als Wahrheitsbeweis des Durchtauchens, hinterlassen hatte.“ (Literatur: HV Jahrgang 26/2006 Pavel Riha).

Somit ist seit dem 14. 2. 2003 der KESSEL offiziell der dritte Ausgang der HIRLATZHÖHLE!

  

Wasserbeobachtungen: „Der KESSEL geht“, heißt es in der umliegenden Bevölkerung, wenn sich die braunen Wassermassen über den Kesselrand wälzen und in kürzester Zeit den zweihundert Meter entfernten Hallstättersee erreichen. Dieses eindrucksvolle Naturschauspiel ist durchschnittlich zweimal im Jahr zu sehen. Bis zum Jahre 1960 wurde dabei öfters die ehemalige Landesstraße überschwemmt. Durch den Wasseraustritt beim KESSEL wird die meist aktuelle Hochwassersituation noch weiter verschärft.

Die erste amtliche Untersuchung stammt aus dem Jahre 1928. Die Wasseranalyse ergab: organische Substanz mit 48.7 mg/l und anorganische Substanz mit 94.7 mg/l. Der Anteil an Calzium betrug 41.5 mg/l, Magnesium 3.7 mg/l  und Natrium 5.7 mg/l. Am 1. März 1961 ließ Gustave Abel eine Analyse durchführen. Das Ergebnis weist ein klares, farbloses Wasser mit angenehmem Geschmack aus. Die Gesamthärte wird mit 6.17, die gebundene Kohlensäure mit 44.0 mg/l angegeben. Weitere Bestandteile sind Kalzium 40.08 mg/l, Kieselsäure 0.2 mg/l, Magnesium 2.4 mg/l und ph-Wert 7.5. Die Jahrestemperatur schwankt an der Oberfläche zwischen +4.6 und +5.6 ° C. Am 5.9.1990 betrug die Wassertemperatur +6.6 ° C, der ph-wert 8.4, der Leitwert 190 und der Sauerstoffgehalt 10.1 mg/l.

 Erwähnenswert ist auch die Beobachtung, dass sich im hinteren Teil vom KESSEL selbst im aktiven Zustand nur eine schwache Strömung einstellt. Zwei ausgesetzte Fische (Rutten) schwammen nach sieben Monat noch in der Dunkelheit herum.

Ein anscheinender Widerspruch ist auch die Tatsache, dass die Temperatur im Winter geringfügig höher ist als im Sommer. Dieses erklärt sich mit dem stagnierenden Zufluss aus der Gletscherregion in der kalten Jahreszeit.

  

Hochwassersituationen vom 30.6. bis 4.7.1975: „Am 30. Juni ist der KESSEL zwischen 12 und 14 Uhr aktiv. Regenfälle bis 2.500 m Höhe. Am 1. Juli wieder starke Regenfälle. Der Seespiegel steigt andauernd. Der Pegel beim KESSEL bleibt bei konstant 4.8 m. Die Schneefallgrenze sinkt auf 2200 m.

 Am 2. Juli gibt es weiterhin starke Regenfälle. Der See tritt über das Ufer und überschwemmt teilweise die Straße. Die Schneefallgrenze sinkt auf 1700 m. Der Pegelstand beim KESSEL liegt bei 3.5 m.

 In der Nacht zum 3. Juli wird der Höchststand des Hochwassers erreicht. Die Straße ist in Hallstatt an drei Stellen überschwemmt. Aufhören der Niederschläge um die Mittagszeit. Der Pegelstand beim KESSEL tendiert gegen 12 Uhr konstant bei 3.5 m.

 Am 4. Juli hat sich die Hochwassersituation entschärft. Die Schneeschmelzgrenze liegt bei 2300 m. Der Pegelstand ist um 18 Uhr auf 3.2 m gesunken“. ( Leutner, HV)

 

Hochwassersituationen vom 31.7. bis 1.8.1977: „Durch die große Aktivität der Karstquellen am Nordrand des Dachsteinplateaus, bedingt durch die Regenfälle bis in die Gletscherregion, trat der Hallstättersee in der Nacht vom 31. Juli aus den Ufern. Der See erreichte am 1. August um 16 Uhr seinen höchsten Stand. …. Der KESSEL war um 12 Uhr schon leicht rückläufig, zeigte aber noch sehr hohen Wasserstand.  …. Der KESSEL ging bis um ca. 17 Uhr um ca. 90 cm bis zur 6 m Marke zurück. …Bei den Beobachtungen um 19 Uhr sank der KESSEL auf die 5.3 m Marke ab.“ (Mayr, HV)

  

Hochwassersituationen vom 23.12.1991: „... In der Nacht vom 21. zum 22. Dezember ging der starke Schneefall in Dauerregen über. Am 22. Dezember reichen die starken Regenfälle bis in 2000 m Höhe. …. Der Kesselpegel liegt bei 3.7 m. Das Bachbett ist aktiv, gespeist vom Wasser, welches von oben her entlang der Forststraße herunter prasselt. Dadurch ist auch die Landesstrasse teilweise überspült. Es kommt zu etlichen kleineren Abrutschungen…“ (Privatarchiv, Leutner)

  

Hochwassersituationen vom 05.07.2010: „... Starke Regenfälle schon am 4. Juli führten zu einer angespannten Situation im ganzen Salzkammergut. Am 5. 7. trat der Hallstättersee über die Ufer und überschwemmte stellenweise die Straßen.  So waren beispielweise die B145 zwischen Langwies und Ebensee  unpassierbar. Die Bahnstrecke war ebenfalls unterbrochen.

 Der KESSEL trat in den früher Morgenstunden über die Schwelle, erreichte um Mittag den Höchststand und flaute erst am Abend ab. Dabei war teilweise auch die Straße zwischen Busparkplatz und Kesselbrücke überschwemmt. Von der Südseite stürzte noch ein weiterer Bach in den Kesselauslauf. Der „ALTER KESSEL“ (Schacht) dagegen blieb inaktiv.“ (Leutner, Privatarchiv)

 

Bild links: Von der Landesstraße Hallstatt nach Obertraun  oder vom Freizeitgelände sind es nur wenig Meter zum  KESSEL, welcher hier gerade "aktiv" ist.

Bild Mitte: Der Zustand des KESSEL, wie er sich normalerweise dem Besucher präsentiert. Ein Steig führt bis zum Rand des Schlundes.

Bild rechts: Von oben sieht man auf ein etwa 9 m langes und 4 m breites ovales Becken, welches das ganze Jahr über mit Wasser gefüllt ist.


Der Weg für die Höhlentaucher führt entlang einer bergwärts führenden Kluft bis zu einer Engstelle, wo man anschließend bei der "Kuppel" auftauchen kann. Der folgende , wieder wassergefüllte Gang führt in die  "Gerhard Zauner Halle." In diesem Bereich mündet  der Oberflächenschacht "Alter Kessel." Es folgt der senkrechte  Abstieg in die 65 m tiefe "Zaunerhalle",  welcher von Joachim Schwarz erstmals im Alleingang durchgeführt wurde. Anschließend geht es wieder schräg aufwärts und man kommt in die teilweise trockene Teile der HIRLATZHÖHLE.

Anmerkung: Diese Fotos stammen vom Tauchsportklub Salzkammergut.


Bild links: "Der Kessel geht", sagt man in der umliegenden Bevölkerung. Meist besteht mit dem Ausbruch  eine akute Hochwassergefahr rund um den Hallstätteresee.

Bildmitte: Direkt beim Kessel befindet sich diese Erinnerungstafel an die zwei am 16. Mai 1993 tödlich verunglückten  Tauchern.

Bild rechts: Im Winter bilden sich zwischen Fels und Wasserspiegel schöne Eisvorhänge. Das Wasser selber friert niemals zu und ist im Winter sogar etwas wärmer als im Sommer.

 

KESSEL und HIRSCHBRUNN – ein gemeinsamer Ursprung? Schon seit langer Zeit diskutiert man, ob diese beiden Riesenkarstquellen unterirdisch zusammen hängen. Einiges spricht dafür, anderes wieder dagegen.

Auch Dr. Rudolf Pavuza hat sich darüber Gedanken gemacht und einige Versuche angestellt. (Literatur:  HV 22/2000)

Nachfolgend die wichtigsten Fakten:

Dafür spricht 

1.                 Die räumliche Entfernung der beiden Quellen von nur 400 m.

2.                 Beide Objekte erreichen eine Tiefe  von 65 bis zu 80 m.

3.                 Nachdem der HIRSCHBRUNN in der Regel als erster aktiv wird, könnte der

            KESSEL als Überlauf funktionieren.  Die Wasserstände im Normalzustand

            sind gleich hoch (Stummer, 1996)

Dagegen spricht 

1.                 HIRSCHBRUNN und KESSEL haben unterschiedliche Temperaturen.

2.                 Im KESSEL wurde ein höherer gelöster Karbonatgehalt festgestellt.

3.                 Die Anzahl der Keime ist im HIRSCHBRUNN um etwas  höher.

 

Zusammenfassend kann man festhalten, dass beide Quellen vermutlich einen gemeinsamen Ursprung haben und sich dann irgendwo im Berginneren teilen. Dadurch ist nicht auszuschließen, dass bei einer gewissen Wassermenge auch ein Teil des HIRSCHBRUNN - Wassers zum KESSEL abfließt. Nach neueren Forschungen durch Taucher dürfte sich diese Wasserteilung  (Wassersäule) etwa 120 m oberhalb der beiden Riesenkarstquellen befinden.

  

Entstehungstheorie:  Es ist auffällig, dass beide Karstobjekte etwa die gleiche Tiefe erreichen, welche mit rund 65 m beachtlich ist. Nur 1.5 km entfernt in der Nähe des Ufers vom Hallstatt-Markt befindet sich in annähernd gleicher Seetiefe eine senkrechte Felswand, auf welcher große Tropfsteine vorhanden sind.

Vor der Entstehung vom Hallstättersee muss es bereits ein tiefes Tal gegeben haben. Zusätzlich muss es wärmer gewesen sein als gegenwärtig. Hier gibt es noch ein reiches Betätigungsfeld auch für Wissenschaftler!

  

Naturschutz: Der KESSEL ist einer der wasserführenden Eingänge der über 104 km langen Hirlatzhöhle und steht zugleich unter Naturschutz und weiteren Schutzarten. Es ist deshalb eine Tauchbewilligung von der BH Gmunden einzuholen.

  

Basisdaten: Kat. Nr. 1546/002 bzw. 1546/007 c,  Seehöhe 513 m, max. Länge ca. 400 m (bis zum Beginn  der trockenen Teile von der HIRLATZHÖHLE), Tiefe ca. 75 m, Plan: Leutner.

 


                                                      ALTER KESSEL

 

An der Ostseite vom KESSEL beginnt der Weg zur Hirschaualm. Diesen Steig verfolgt man etwa 120 m weit. Unterhalb des Weges sieht man ein trockenes Bachbett, welches zur Felswand führt. Direkt bei der Wand und etwa 30 m vom Weg entfernt  öffnet sich der Schachtmund.

 

Der Schachtmund vom ALTER KESSEL

 

Schon vor langer Zeit haben die Menschen erkannt, dass der KESSEL und der ALTER KESSEL irgenwie zusammenhängen. Diese Vermutung hat sich dann später bestätigt. Nur bei extremen Hochwasser-situationen wie im Jahre 2002 strömt auch aus diesem Schachtmund ein Bach heraus und fließt zum Hallstättersee.

Dieser anfangs enge Schacht fällt senkrecht 32 m tief ab bis knapp in die Höhe vom Spiegel des Hallstättersee. Der teilweise scharfkantige Schacht wird in der Tiefe etwas breiter und die Tropfwassertätigkeit nimmt dabei ständig zu.

Der ALTER KESSEL ist mit dem KESSEL verbunden und damit ebenfalls ein Teil der  HIRLATZHÖHLE.


Der meist senkrechte Schacht ist an einer Störungslinie NW – SO angelegt und anfangs etwa 1.5 m lang und 80 cm breit. Der Schacht wird in 15 m Tiefe nach einem Absatz etwas breiter und erreicht einen Querschnitt von 3 x 2 m. In 32 m Tiefe wird der Karstwasserspiegel erreicht, welcher im Normalfall bei etwa 510 m Seehöhe tendiert, also etwa 2 m höher als der Seespiegel. ALTER KESSEL, KESSEL und  HIRLATZHÖHLE  sind miteinander verbunden. (Siehe Beschreibung vom KESSEL ). Der ALTER KESSEL  fungiert in seltenen Fällen als Überlauf vom KESSEL. In den Jahren von 1950 bis 2002 sind nur drei solcher Extremsituationen dokumentiert. Noch deutlich ist derzeit der ausgewaschene Graben vom letzten Überlauf im Jahre 2002 sichtbar. Wenn man der Überlieferung glauben darf, so wurde dieser Abgrund bereits vor zweihundert Jahren erforscht.

„Von dieser Zeit an ist aus jenen Gegrüste von jetziger Alpen Hirschau Rabenkeller kein Wasser mehr hervorgekommen, sondern in jener Tiefe aus einen gegen drei Fuß weiten Felsenloch, das über dreißig Klafter tief ist, hat man einstens zu untersuchen auf einem Seil einen Menschen hinabgelassen, der mit einem Hagen und Fackeln versehen den Ort visitiert und gesehen hat, das in selbern Gesteinen mehrere Gegrüste in den Gebirge eingehen, und je  mehr in die Tiefe, je mehr sich selbe erweitern, es zeiget an, das jenes Gewässer, welches sich in diesen Gründen sammeln könnte, nicht  Ausfluß an das Tageslicht finden möge, daraus auch zweifelsohne in nachgehender Zeit in der sogenannten Keßl und HIRSCHBRUNN entstanden ist.“ (Engleitnerchronik, 1813).

Schon in der Josefinischen Landaufnahme, welche zwischen den Jahren 1764 bis 1787 erfolgte, war der Schacht bekannt und wurde als „Alt-Cössel“ bezeichnet.

Einer der  dokumentierten  Abstiege erfolgte im  Jahre 1931 durch Karl Pilz und Roman Pilz.

Im Jahre 1973 stiegen Gaisberger Karl,  Ruppert Unterberger und der Verfasser  zwecks Vermessung bis zum Karstwasserspiegel. Weiter waren Ferdinand Winterauer, Karl Pilz, Ruppert Unterberger, Yvonne und Harald Pohl beteiligt.

Im Jahre 1978 wurde vom „Verein für Höhlenkunde Hallstatt-Obertraun“  erneut versucht,  eventuell eine Verbindung mit den Tauchern im KESSEL herzustellen.

„Abwechselnd stieg ich mit Gerhard Mayr zum Karstwasserspiegel hinunter, um eventuelle Luftblasen der Taucher zu sehen. Das Tropfwasser im Schacht rann beim Hals rein und füllte langsam die Gummistiefel. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass rund 30 m von mir entfernt die Taucher im KESSEL  in der Luftkuppel saßen.  Wie mir Hans Wallner später erzählte, sangen und klatschten (Pascher) die Kameraden zu einen Steirer (beliebtes Volkslied) …..“ (Leutner, Privatarchiv)

  

Basisdaten: Kat. Nr. 1546/003 bzw. 1546/007 d, Seehöhe 543 m, Tiefe bis zum Karstwasserspiegel meist 34 m, mit Fortsetzung in die Sohle der „Zaunerhalle“ ca. 100  m. Von dort beträgt  die wassergefüllte Gangstrecke bis zu den trockenen Teilen der HIRLATZHÖHLE rund 300  m.

 


WEITERE HÖHLEN IN DER UMGEBUNG

 

Das BIERLOCH (Kat. Nr. 1546733) ist eine kleine, aber interessante Höhle und befindet sich etwas östlich und  80 Höhenmeter oberhalb der Riesenkarstquelle KESSEL in 685 m Seehöhe. Der Zustieg ist steil und zuletzt über Felsbänder etwas ausgesetzt. Fallweise rinnt über die Felsstufen beim Eingang ein kleiner Bach herunter. In den kleinen Tümpeln und Siphonen im relativ warmen Höhleninneren hat sich eine bemerkenswerte Fauna entwickelt. Der Name ist durch eine private Wette entstanden.

Der 5 m breite und 1 m hohe Eingang geht in einen niederen Gang über, welcher sich leicht aufwärts in südöstliche Richtung zieht. Nach 20 m Länge kommt es zu einer Gangteilung. Der rechte Gang führt zu einem Siphon, dessen Wasserüberlauf gelegentlich über eine kleine Stufe zum Eingang fließt. Dahinter kann man noch rund 10 m dem  Gang bis zu einer Engstelle verfolgen. Der linke Höhlenast führt ebenfalls sehr eng zu einem Wassertümpel ohne Fortsetzung.

Besonders interessant sind die selten vorkommenden Excentriques (Sonderformen von Tropfsteinen) in dieser Höhle. Die Gesamtlänge beträgt rund 45 m.

 


Hinweis: Im Internet (Youtube) ist ein Video vorhanden: Aufruf mit HIRSCHRUNN UND KESSEL. Dauer  6 Minuten.

+  +  +    www.norbertleutner.at    +  +  +