DAS "RÖMISCHE" GOISERN

Das Salzkammergut ist ein altes Kulturland und die ältesten Funde in der Salzbergregion um Hallstatt sind auf ein Alter von 7.000 Jahre datiert. Bergbau wurde bereits in der wärmeren Bronzezeit 13. – 11. Jhd. v. Chr (Urnenfelderzeit) und dann nochmals in der Hallstattzeit (Ältere Eisenzeit, 800 – 450 v. Chr.) betrieben. Das jeweilige Ende des Bergbaues in der Bronzezeit und  Hallstattzeit (Ältere Eisenzeit) wurde durch Muren ausgelöst. Im 2. Jahrhundert v. Chr.  wurde der spätkeltische Bergbau (Latenezeit) vermutlich aus Sicherheitsgründen auf die hochgelegene Dammwiese in 1.300 m Höhe am Fuße des Plassen verlegt. Die Kelten blieben dort oben bis zum 2. Jhd. n. Chr.

 

Spätestens Ende vom 1. Jhd. n. Chr. kamen die Römer auch in unsere Gegend. Die neuen Herren kontrollierten den Bergbau und beschränkten sich vor allem auf den Handel. Die Römer bauten ihre Häuser in Hallstatt an den wärmeren Hängen des Hallberges und blieben hier bis zum Zusammenbruch des Weltreiches im 5. Jahrhundert. Zu diesem Zeitpunkt war die einheimische keltische Bevölkerung schon weitgehend romantisiert.

Etwa in der Mitte des 2. Jahrhunderts wurden auch in den südlichen Ortsteilen vom Gemeindegebiet Bad Goisern römische Bauten errichtet. Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man in der Ortschaft St. Agatha die Fundamente von zwei Häusern. Dabei wurde festgestellt, dass diese Bauten über eine moderne Fußbodenheizung (hypokaustum) und Glasfenster verfügten. Es kamen auch Teile der rötlich gebrannten Luxuskeramik (terra sigillata) und interessante Gebrauchsgegenstände zum Vorschein. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass es sich bei einem der  Gebäude höchstwahrscheinlich um ein römisches Bad handelt. In der Nähe wurde außerdem ein Grabmonument ausgegraben.

Verschiedene Einzelfunde in der weiteren Umgebung deuteten schon immer darauf hin, dass hier eine kleine Siedlung (röm: vicus) stand. Dazu gehört auch das mit kostbarem Schmuck versehene spätrömische Frauengrab am Fuße des naheliegenden Arikogel, welches 1876 beim Bahnbau zum Vorschein kam. Im Arikogel selbst befinden sich mehrere, mittlerweile verschüttete, Stollenanlagen. Hier wurde ab 1733 nach Erzen (Blei, Kupfer, Eisen, Zinkblende) geschürft, möglicherweise aber auch schon in der Römerzeit. Auf diesem sagenumwobenen Arikogel wurde 2011 auch der berühmte Goldschmuck aus der Zeit um 1.200 v. Chr. gefunden.

 

Aktuelle Forschungsmethoden

Die moderne Archäologie verwendet heute immer mehr Suchmethoden, welches ein Zerstören des Bodens durch Graben verhindert und trotzdem einen aufschlussreichen Befund ermöglicht. Dazu wird  ein schlittenartiges Gerät auf Rädern benützt, welches auf geophysikalischer Grundlage arbeitet.  Dabei werden über Magnetresonanz erzeugte Wellen in den Boden gesendet. Damit kann man bis etwa 3 m Tiefe den Untergrund abtasten. Schon an Ort und Stelle kann man über ein Display etwaige Veränderungen im Boden wie Mauern, Feuerstellen, Straßenverlauf etc. erkennen. Mit dieser Methode und in Zusammenarbeit mit der Luftbildarchäologie wurden beispielweise zuletzt von österreichischen Wissenschaftlern das berühmte Stonehenge in England erforscht und dokumentiert. Mit einer entsprechenden Software kann man dann im Labor über GPS-Fixpunkte genaue Pläne erstellen.

Am 13. / 14. November 2016 wurde in St. Agatha in der Nähe der bekannten Altfundamente erstmals eine Prospektion durchgeführt. Aufgrund des Entgegenkommens der Grundstückbesitzer konnten die Archäologen Dr. Gerald Grabherr und Dr. Babara Kainrath von der Innsbrucker Universität mit einigen Studenten die Wiese in zwei Tagen zentimeterweise abscannen. Die Organisation ging über Dr. Stefan Traxler, Landesarchäologe von  OÖ.

 

Neue Entdeckungen                                                                       

Bei dieser Prospektion (siehe Foto)  stellte sich schon nach kurzer Zeit heraus, dass sich im untersuchten Wiesenareal noch mehrere römische Gebäude befinden. Zwei der relativ großen Häuser zeigen Brandspuren, wobei es sich um eine Fußbodenheizung handeln könnte. Man sieht am Display auch den Altweg, welcher sich in Richtung zwischen Arikogel und Manegg zieht. Natürlich hat sich die Landschaftssituation seit der Römerzeit verändert. So rann der Zlam- oder Zlanbach nicht wie heute an der Nordseite vom Arikogel vorbei in den Hallstättersee, sondern im Bereich der erwähnten Häuser in Richtung der Traun.

 

Der derzeitige Wissenstand

Die Wissenschaftler sind sich ziemlich einig, dass es sich bei dieser Siedlung in St. Agatha um den Umschlagplatz des Hallstätter Salzes handelt. Das „weiße Gold“ wurde mit Schiffen an das Nordende des damals noch etwas tiefer liegenden Hallstättersee geliefert. Am Rückweg wurden lebensnotwendige Waren transportiert. Der weitere römerzeitliche Weg führte  über Bad Ischl (kaiserliche Zollstation), Ebensee, Traunkirchen und Gmunden nach Wels (röm: ovilava). Auch Bad Ischl spielte in der Römerzeit sicherlich eine wichtige Rolle. Außer drei Grabsteinen, ein paar Münzen und eine Raststation nördlich der Stadt gibt es aber bisher wenig Funde aus Bad Ischl. Die Echtheit der römischen Münzfunde im Bereich der Römerstrasse in der Nähe der Ruine Wildenstein darf angezweifelt werden.

Im Jahre 1993 war ich Mitentdecker des fundreichen, römerzeitlichen Bergbaues und der dazugehörigen Siedlung am Westfuß vom Sandling. (Leislingwald, Michlhallbach). Ich vermute, dass der Salzbergbau in Hallstatt und im Michlhallbach verwaltungsmäßig zusammengehörten. Der gewerbsmäßige und gesellschaftliche Mittelpunkt für den Transport war in St. Agatha. Die Forschungen werden im nächsten Jahr fortgesetzt und es ist mit weiteren Überraschungen zu rechnen.

 

Zukunftsperspektiven

Mit den neuen Forschungsmethoden ist es nun möglich, komplett zerstörungsfrei die Welt unter unseren Boden zu dokumentieren. Auch die vielfache Angst von „Häuslbauern“, man müsste den Bau einstellen, wenn Funde auftauchen, ist in den allermeisten Fällen unbegründet. Aus diesem Grunde sind viele archäologische Gegenstände früher nicht gemeldet worden. Die Verhandlungen mit dem Bundesdenkmalamt in der Vergangenheit verliefen nicht immer ganz konfliktfrei. Auch das BDA in Wien hat dazugelernt und es wird nur in seltenen Fällen zu einer (Not)grabung kommen. Die Zusammenarbeit mit dem Grundbesitzer steht dabei im Vordergrund. Bewegliche Altertümer müssen dem Gesetz nach gemeldet werden. (BDA, Landesmuseum bzw. Bürgermeister oder Polizei). Ebenfalls per Gesetz ist geregelt, dass Finder und Grundstückseigentümer  einen je 50-prozentigen  Besitzanspruch haben. Der Finder braucht keine Bedenken zu haben, dass ihm der Gegenstand weggenommen wird. Außerdem hat er den Vorteil, dass er eine wissenschaftliche Bestimmung seines Fundes erhält und eventuell damit auch den finanziellen Wert kennt.

 Wir sollten uns bewusst sein, dass wir nicht nur in einer außergewöhnlich schönen Landschaft leben, sondern auch in einer Gegend mit einer hochkulturellen Vergangenheit. Dieses Wertegefühl sollte schon in den Schulen vermittelt werden.

 Im Jahre 2018 findet die OÖ. Landesausstellung im Linzer Schlossmuseum unter dem Motto: „Die Römer in Oberösterreich“ statt. Die Vorbereitungen sind bereits im Gange und diese wird auch die etwas unterschätzte Römerzeit im inneren Salzkammergut mehr in den Mittelpunkt stellen.

Wer sich näher über die Geschichte von St. Agatha und Umgebung informieren möchte, der kann sich im Internet (youtube) bei Eingabe von „ARIKOGEL AM HALLSTÄTTERSEE“ ein Video ansehen.            

 

+  +  +    www.norbertleutner.at    +  +  +

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