DIE KARLGRABENHÖHLE

 

Allgemeines: Die Karlgrabenhöhle sollte einmal die Schauhöhle für die Hallstätter Bevölkerung werden. Nach dem Motto, was die Obertrauner können, können wir schon lange. Nur so kann man sich rückblickend den ganzen Rummel erklären, welcher um das Jahr 1928 herum entstanden ist. Nach der anfänglichen Begeisterung ist es dann bald wieder still geworden. Die gut 350 Meter  lange, sicherlich interessante Höhle, wurde als erstes Objekt in Oberösterreich unter Denkmalschutz gestellt.

Nur wenige Einheimische kennen überhaupt noch die Karlgrabenhöhle. Der Zugang ist steil, mühsam und lawinengefährlich. Die Steiganlagen in der Höhle sind mittlerweile verfallen.

Lage und Zugang: Der ursprüngliche Jägersteig ist mittlerweile verfallen. Der heutige Weg führt von Hallstatt aus knapp 1 km weit entlang am Soleleitungsweg entlang. Kurz nach Beginn des Hausgrabens bei der Rastbank steigt man an die 100 Höhenmeter empor. Nun quert man direkt in den Hausgraben und steigt auf dessen rechten Seite weglos hoch. Kurz darauf gabelt sich der Graben, wobei der südliche (linke) Ast als Karlgraben bezeichnet wird. Zwischen beiden Lawinengräben steigt man durch Wald- und Felsen durchsetztes Gelände ziemlich steil bis knapp zur sperrenden Felswand. Nun nach links queren bis zum äußersten Felswinkel, wo sich das Höhlenportal befindet. Der Höhenunterschied vom Hallstättersee zur Höhle beträgt 460 m. Man muss mit einer Gehzeit von rund 1.5 Stunden rechnen.


Bild links: Auf diesem Bild, aufgenommen vom Krippenstein, erkennt man den steilen Zustieg zur Karlgrabenhöhle.

Bildmitte: Karl Pilz, der Entdecker der Hirlatzhöhle und der Verfasser vor dem linksseitigen Eingang. Aufnahme 1967.

Bild rechts: Historische Aufnahme aus dem Jahre 1929. Damals träumte man noch von einer "Schauhöhle."


Entdeckung und Erforschung: Jäger und Wilderer dürften die Höhle schon lange gekannt haben. Offiziell wird der Gemeinde Hallstatt im Jahre 1919 von der Höhle berichtet.  In Hallstatt gab es damals eine Bergführergilde, wobei die vier Seethaler-Brüder am bekanntesten waren. Der Bergführer Josef Seethaler hatte sich schon öfters auch für die Höhlenwelt interessiert. So stieg er zusammen mit Christian Lackner im Herbst 1928  ein Stück in die Karlgrabenhöhle ein. Noch im gleichen Jahr wurde die Höhle von den beiden und auch anderen Einheimischen mehrfach aufgesucht.

 

Fast zum Schmunzeln ist ein Schreiben der Gendarmerie Hallstatt an das Bundesdenkmalamt, ausgestellt am 5. Dezember 1928.

„….. In letzter Zeit wurde durch den in Hallstatt Nr. 60 wohnhaften Bergführer Josef Seethaler und dem im gleichen Ort Nr. 150 wohnhaften pensionierten Holzarbeiter Christian Lackner im östlichen Abhange des Schneidkogelgebietes im Gemeindegebiet Hallstatt (Forstbezirk des Bundesforstverwaltung Goisern) eine bisher unbekannte Tropfsteinhöhle entdeckt. Die Höhle ist nach Angabe des Bergführers Josef Seethaler der im Dachsteingebiete bereits erschlossenen Mammuthöhle in der Größe ziemlich gleich – ca. 15 bis 20 m hoch, enthält große Tropfsteingebilde – Art Säulen ….“

In einem Erhebungsbericht vom 13. Dezember 1928 für die Generaldirektion der Österr. Bundesforste kann man auszugweise lesen:

„…..Die zwei Führer erzählten, daß mehrere Gemeindevertreter nach der Besichtung der Höhle den Wunsch ausgesprochen hätten, die Höhle für den sommerlichen Fremdenverkehr von Hallstatt ausnutzen zu wollen; wohl die meisten Bürger aber verdanken ihre diesbezügliche Begeisterung den phantastischen Berichten der zwei Erschließer, die immer von ungeheuren, noch unbekannten Hohlräumen sprachen, für deren Erschließung allerdings Geld notwendig sei. Diesem Gerede liegt wohl der Wunsch zu Grunde für die bisherigen Verluste an Zeit, Kleidern und dgl. durch Verdienst beim Bau des Zugangweges, als Höhlenführer, Pächter eines beim Höhlenportal zu errichtenden Hütte und sich etwas herauszuschlagen…..“.

Die Bundesforste als Eigentümer der Höhle standen der Angelegenheit von Anfang misstrauisch gegenüber. Sahen sie eine „eigene“ Konkurrenz für die gerade aufstrebenden Schauhöhlen in Obertraun? Es gab einige Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung, weil die Bundesforste einige Meter beim oberen Eingang eine Absperrung anbringen ließen, um „unsachgemäßen Forschungen Einhalt zu bieten.“

Am 8. Jänner 1929 befuhr Ing. Leo Handl im Auftrag des Bundesdenkmalamtes mit den zwei Entdeckern die Höhle. In seiner schriftlichen Stellungnahme äußert er sich sehr skeptisch, was den Ausbau und die Wirtschaftlichkeit betraf.

Im Sommer des gleichen Jahres besuchte auch der Höhlenbotaniker und damalige Wahlhallstätter Dr. Friedrich Morton zwei Mal die Höhle und fotografierte alle bis dahin bekannten Teile.

Am 18. März 1929 wurde die Höhle „wegen seiner Eigenart, seines besonderen Gepräges und wegen seiner naturwissenschaftlichen Bedeutung“ zum Naturdenkmal erklärt. Es war dies die erste Höhle in OÖ, welche diesen besonderen Schutz erfuhr. Das entsprechende Gesetz war erst im Jahre 1928 erlassen worden. Rückwirkend betrachtet ist es schon auffällig, wieso in diesem Fall die Behörden so schnell reagierten. Nach diesem Gesetz waren Veränderungen in der Höhle praktisch verboten, ebenso war die Forschungserlaubnis von der Behörde abhängig.

Durch die negative Einstellung der Bundesforste sowie der Naturschutzstellung und nunmehr ablehnenden Haltung der Gemeinde kam das Projekt schließlich zum Erliegen. So zerrannen nach und nach auch die Träume der Entdecker, auf diesem Weg zu Ehre und zusätzlichen Verdienstmöglichkeiten zu kommen.

Im Jahre 1936 stiegen Seethaler und Lackner erneut zur Höhle auf und montierten einige Leitern und Sicherungsstifte. Bei dieser Gelegenheit dürften die beiden auch die Seitenteile erforscht haben, welche von der „Großen Kapelle“ wegführen. Im gleichen Jahr interessierten sich auch Höhlenforscher aus Salzburg für die Karsterscheinung. Unter Leitung von W. Freiherr von Czoernig wurde die gesamte Höhle vermessen und eine ziemlich genaue Skizze angefertigt. Czoernig machte übrigens eine neuerliche Anfrage an die Gemeinde Hallstatt, diese teilte aber mit, daß ein Ausbau aus finanziellen Mitteln nicht möglich ist.

Nach Mitteilung von Karl Wirobal trafen sich vor dem zweiten Weltkrieg  gelegentlich illegale Nationalsozialisten bei der Höhle zu konspirativen Zusammenkünften. Dann wurde es längere Zeit still um die Höhle. Genau genommen gibt es bis zum Jahre 1971 keine offiziellen Befahrungsberichte mehr, obwohl es zu gelegentlichen Begehungen kam.

Am 21. Mai 1971 stieg ich zusammen mit Karl Pilz, einem der Entdecker der HIRLATZHÖHLE und Karl Gaisberger zur Höhle hinauf. Wir konnten erst weiter in die Höhle vordringen, nachdem wir einen Steigbaum eingebracht hatten.

Die von Lawinen abgerissene Denkmalschutztafel wurde später von Hans Wallner und Fred Kain neu montiert.“  (Eigenbericht Leutner).

Noch im Oktober des gleichen Jahres wurde die Höhle von Mitgliedern des Landesvereines in OÖ. (Willi Dunzendorfer, Oswald Meindl, Jörg Völlenke und Erhard Fritsch) zweimal befahren .

 

Beschreibung der Höhle:  Die bisher genaueste Beschreibung stammt von Erhard Fritsch, sodass ich mich weitgehend auf seine Angaben stütze.

Man kann die Höhle grob in zwei Teile gliedern, nämlich den meist geradlinig in den Berg führenden Hauptgang und den Seitenteil, welcher etwa in der Mitte abzweigt. Hinter den 6 m hohen und 2.5 bis 3 m breiten Eingang folgt ein kurzer gewinkelter Gang, welcher in die „Kleine Kapelle“ führt. Nach einem 6 m hohen Aufstieg erreicht man eine langgezogene Rampe, von welcher man den oberen Eingang der Höhle mit dem grandiosen Tiefblick erreichen kann. Weiter bergwärts kommt man zum „Kessel“, wo sich in 5 m Höhe die weitere Fortsetzung befindet. Auch hier ist eine Leiter notwendig. Nach weiteren zehn Meter Ganglänge erreicht man dann die eindrucksvolle „Große Kapelle“. Am Ende des 10 m langen Raumes mit den schönen Bergmilchabsonderungen erfolgt eine weitere 6 m hohe Stufe, wozu wieder Steckleitern benötigt werden. Nun wird die Höhle teilweise lehmiger und nach einem weiteren Knick folgt ein fast 60 m langer, fast schnurgerader Gang mit zwei bis drei Metern Breite und ebensolcher Höhe. In der Sohle hat sich teilweise ein Canyon eingeschnitten. Nach einer weiteren 3.5 m hohen, freikletterbaren Stufe wird der  Gang enger. Die kleine Quelle, welche hier entspringt, wird als „Jungbrunnen“ bezeichnet. Nach weiteren 15 m Länge endet die Höhle bei einer Engstelle mit Lehmablagerung. Hier sind auch einige Inschriften vorhanden.

Von der „Großen Kapelle“ etwa in der Höhlenmitte zweigen die Seitenteile ab. Dazu ist es notwendig, an der Südseite mit einer Steckleiter an die 6 m hochzusteigen und anschließend frei noch einmal die gleiche Höhe. Es folgt ein 12 m enger Schluf, bevor sich die Höhle teilt. Die nach Westen führende Fortsetzung geht bergauf und wird als „Konglomeratgang“ bezeichnet. Dieser Höhlenteil endet nach 40 m Länge bei einer mit Sedimenten völlig verstopften ehemaligen Fortsetzung.

Die bei der Gangteilung nach links abwärts führende Fortsetzung ist als „Augensteingang“ benannt. Auch dieser Gang istt nach rund 40 m Länge bei einer Kluft bzw. Engstelle zu Ende.

  

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Bild links:  1929 wurde die Höhle öfters betreten und Steiganlagen eingebaut, welche heute verfallen sind.

Bildmitte: Solche canyonförmigen Raumformen sind typisch für diese insgesamt 355 m lange Höhle. 

Bild rechts: Es ist die erste Höhle in OÖ, welche unter Naturschutz gestellt wurde. Aufnahme ca. 1970.

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Geologie: Die Anlage der Höhle erfolgte ursprünglich in den Schichtbänken des Dachsteinkalkes. Die Bildung vom Canyon erfolgte zu einem späteren Zeitpunkt durch seitliche Einmündung in den Hauptgang. Wahrscheinlich war der Eingang während der Eiszeiten verplombt und es kam zum Rückstau des Wassers und damit zu den häufigen Lehmablagerungen. Die teilweise Ausschwemmung dieser Sedimente dürfte jüngeren Datums sein. Interessant sind vor allem auch die vielen eingeschwemmten Quarze aus der Tauernregion, den sogenannten Augensteinen.  Es ist die westlichste bekannte Fundstelle im Dachsteingebirge.

Die Höhle ist durch die Aufwärtstendenz relativ warm und begünstigt dadurch auch die Bergmilchbildung an verschiedenen Stellen.

 

Befahrungsmaterial: An drei Stellen ist im Hauptgang je eine 6 m lange Steckleiter oder Steigbaum notwendig. Die alten Stifte sind noch fallweise benutzbar. Weiter benötigt man ein Seil zum Hochziehen der Leiter.

 

Basisdaten: Kat. Nr. 1563/002, Mereshöhe 970 m, vermessene Gesamtlänge 355 m, max. Horizontalerstreckung 157 m, max. Niveaudifferenz + 76 m, Plan: Erhard  Fritsch. 

 

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