DAS WARMWASSER AM HALLSTÄTTERSEE

ALLGEMEINES: In der Nähe der Ortschaft Gosaumühle, Gemeinde Bad Goisern OÖ. befindet sich direkt am Seeufer vom Hallstättersee eine Stollenanlage. Dieser Stollen führt mit insgesamt 165 m Länge in das Ramsaugebirge hinein. Der ursprüngliche Stollen wurde wahrscheinlich schon vor über 500 Jahren geschlagen. Mit dem "warmen Wasser" aus dem Berginneren wurden vor allen in Bäderform verschiedene Hautkrankheiten behandelt. Nach dem Aufstauen des Sees im 16. Jahrhundert wurde das warme Wasser mit dem kalten Seewasser vermischt und der Betrieb eingestellt. Im 18. Jahrhundert nutzte man erneut das Quellwasser für medizinische Bäder. Spätestens mit dem Straßenbau um 1810 wurde die Anlage verschüttet und der  Ort geriet fast in Vergessenheit.

In den Jahren 1957 bis 1972 versuchten einige pensionierte Bergleute aus der Umgebung, mit einen neuen Stollen wieder auf das Warmwasser zu stoßen. Trotz jahrelangen Einsatz der Idealisten unter härtesten Bedingungen mit Minustemperaturen scheiterte das Unternehmen. Groß war am Ende die Enttäuschung, nachdem alle Anstrengungen umsonst waren. Umsonst?  Aus der gegenwärtigen Sichtweise heraus gesehen, muss man leider ja sagen. Aber wer weiß, ob nicht in Zukunft ein neuer Versuch gestartet wird, diese natürlichen Ressourchen zu nützen.

 


 

ZUGANG: Der Zugang erfolgt am einfachsten, wenn man vom großen Parkplatz (Postbus-Haltestelle) in der Gosaumühle entlang der L166 noch vierhundert Meter weiter in Richtung Bad Goisern fährt. Zwischen km 46.3 und 46.4 befindet sich seeseitig eine Parkmöglichkeit. Nun entlang der Strassenbegrenzungsmauer auf Steigspuren zum See absteigen. Vorsicht ist geboten, da sich direkt im Eingangsbereich des Stollen eine runde, wassergefüllte Öffnung ("Gottesgabbrunnen") befindet. GPS - Koordinaten: 47 Grad 35‘ 50.70N, 13 Grad 38‘ 46.30E 

 

GESCHICHTEDer älteste Bericht über das Vorkommen vom „Warmen Wasser“ am Hallstättersee stammt von dem berühmten Reiseschriftsteller Schultes aus dem Jahre 1809. Dieser berichtet von einem mit Holz ausgezimmerten Stollen, welcher ungefähr 29 m weit in den Berg führt. Am Ende des Stollens rann aus einer kleinen Spalte warmes Wasser heraus, welches über eine Rinne in kleine hölzerne Wannen geleitet wurde. Das Wasser verwendete man zur Behandlung von Hautausschlägen und rheumatischen Leiden.

Schultes konnte die Badestube nur mehr aus dem Hörensagen gekannt haben, weil schon im Jahre 1511 und nochmals 1573 der See bis zu 1.5 m höher aufgestaut wurde. Dadurch setzte man den Stollen teilweise unter Wasser. Um das Jahr 1815 herum verschüttete man beim Straßenbau auch noch das Mundloch.

Die Austrittsstellen des „Warmen Wasser“ im Seeuferbereich wurden natürlich in strengen Wintern weiterhin gesehen, so dass der Stollen nicht ganz in Vergessenheit geriet. Im Jahre 1843 hat sich auch Friedrich Simony mit dem „Warmen Wasser“ auseinander gesetzt und wiederholt Temperaturmessungen durchgeführt. Auch Dr. Friedrich Morton hat sich zwischen den Jahren 1930 bis 1942 mit den warmen Quellenaustritten beschäftigt.

Im Jahre 1956 kam es zur Gründung der „Arbeitsgemeinschaft zur Erschließung der Thermalquelle Warmes Wasser“.  Im folgenden Jahr – am 2. November 1957 – erfolgte der erste Anschlag vom neuen Suchstollen. Der Stollen begann bei der Stützmauer der Straße, um dreiviertel Meter höher als der Seespiegel bei Normalstand. Der von Hand durchgeführte Vortrieb konnte nur im strengen Winter erfolgen und gestaltete sich durch den anfangs lockeren Hangschutt als sehr schwierig. Da es sich fast ausschließlich um erfahrene, ehemalige Salzbergarbeiter aus Goisern handelte, konnten Unfälle vermieden werden. Die verwendeten Grubenhölzer und die Schienen samt Hunt wurden vom Hallstätter Salzberg zur Verfügung gestellt.

Nach der Unterfahrung der Bundesstraße stieß man am 11. Februar 1958 beim 15. Stollenmeter zum ersten Mal auf Reste der alten Verzimmerung. Damit hatte man die Gewissheit, auf der richtigen Spur zu sein. Beim 24. Stollenmeter wurde ein 3 m langer Hohlraum angefahren, welcher sich als Rest der fast zwei Meter tiefer liegenden alten Badestube erwies. Bei dieser Gelegenheit wurde mit der C14-Methode eine Altersbestimmung von zwei Rüsthölzer durchgeführt. Die erste Probe aus Lärchenholz ergab ein Alter von 500 - 600 Jahren, das zweite Stück dagegen nur 200 bis 300 Jahre. Dieser Altersunterschied ist vermutlich nur so zu erklären, dass versucht wurde, die mittelalterliche Badestube (ca. Jahr 1450) etwa in der Regierungszeit von Maria Theresia (1740 – 1780) neu zu aktivieren.

Beim 33. Stollenmeter, in diesem mit kubikmetergroßen Steinen durchsetzten Rundschotter (zwischeneiszeitliche Ausfüllung des Seebeckens), hatte man die von Schultes angeführte Länge des alten Badestollens erreicht. Von einem Anzeichen des Thermalwassers wurde nichts bemerkt.

Nach zwischenzeitlicher Einstellung des Vortriebes und neuerlicher Beschaffung von Geldmitteln wurde weitergearbeitet und Anfang Jänner 1962 beim 70. Stollenmeter der feste Fels erreicht. Auch hier fand man Spuren des „alten Mannes“ und trieb deshalb einen  Querstollen noch weitere 16 m in östlicher Richtung vor. Wegen geologischer Schwierigkeiten entschloss man sich zur Einstellung des Vortriebes, obwohl man auch hier  mehrfach auf Spuren vom mittelalterlichen Stollen stieß. Man begann jetzt mit dem Vortrieb eines weiteren Stollens, welcher in die gleiche Richtung, aber weiter bergwärts im festen Fels angelegt wurde. Von 1964 bis 1967 konnte man den neuen Querstollen auf 40 m Länge vorantreiben. Man stieß dabei immer wieder auf Klüfte, in welchen kaltes Wasser von oben her eindrang. Dann musste man einsehen, dass man bereits 3 m höher als die alte Badestube lag. Nun beauftragte man eine Tiefbaufirma, einen Schurf zur vermutlichen Hauptaustrittsstelle der Therme zu bohren. Je tiefer man kam, desto mehr kaltes Sickerwasser rann in die Hohlräume und selbst das Abdichten brachte nur einen vorübergehenden Erfolg.

Auf Anraten eines Rutengehers wurde zwischen See und Stolleneingang ein fast 2 m tiefes Loch abgeteuft und man stieß tatsächlich wieder auf die Therme. Leider gelang es trotz verschiedener Maßnahmen nicht diese zu isolieren. Immer wieder drang See- bzw. Grundwasser hinzu. In diesem „Gottesgabbrunnen“ wurden bei Seetiefstand bis zu +24 ° C gemessen.

Nun mussten vorerst wieder neue Geldmittel beschafft werden, wobei für die Goiserer Bevölkerung sogenannte Anteilscheine ausgestellt wurden. Auf Anraten eines  Rutengehers wurde noch in der Hauptschachtrichtung um 13 m Länge weitergebohrt. Der Erfolg blieb aus. Am Ende des Schurfbaues wurde ebenfalls noch ein 5 m langer  Stollen angelegt. In einem  weiteren, 2 m tiefen Bohrloch wurden zuletzt trotz Kaltwasserzuführung noch 19° C gemessen.

Zwischendurch überlegte man noch ernsthaft, das Geröll zwischen Straße und der Felswand wegzuräumen, um direkt die Klüfte zu erreichen. Das Problem dabei war die Soleleitung, welche unter keinen Umständen beschädigt werden durfte.

Am 28. März 1970 wurde der Stollenvortrieb bei einer Gesamtlänge von 161.2 m endgültig eingestellt.

Hinter diesen nüchternen Bericht stecken tausende von Arbeitsstunden voller Hoffnungen und Enttäuschungen. Die treibende Kraft war   Hans Pramesberger. Der ehemalige Schuldirektor hat in den Jahren  Jahren 1965 bis 1972 hat in eindrücklicher Weise die damalige Situation festgehalten. Er würdigt dabei auch immer die fachmännische Arbeit der alten Bergleute, welche schon vor mindestens 550 Jahren auf der Suche nach dem „Warmen Wasser“ waren.

Wer weiß, ob nicht schon die „alten Römer“ dieses Warmwasser kannten und auch nutzten? Gerade diese  hätten sicherlich nicht auf so eine Annehmlichkeit wie ein gesundes und warmes Bad verzichtet. Der Weg von der Römersiedlung in Hallstatt führte beim Stollen vorbei. Auch in der Nähe vom Arikogel (Ortschaften  St. Agatha 16 und 18) standen römische Gebäude und ein römisches Bad.

Im Jahre 1972 wurde der Stollen im Eingangsbereich zugemauert und acht Jahre später von unbekannten Personen aufgebrochen.

Im August 2002 brach 65 m nach dem Eingang bzw. kurz vor der Felsenkammer der Stollen auf eine Länge von 3 m ein. Nur ein kurzer Spalt blieb zwischen Geröll, Holz- und Eisenteilen offen. Im Jahe 2017 ist auch dieser Spalt nicht mehr vorhanden.

 

 

DIE GEOLOGISCHE SITUATION: Der Salinengeologe Othmar SCHAUBERGER hat sich in seinem Buch „Die Mineral- und Thermalquellen im Bereich des ostalpinen Salinars zwischen Salzach und Enns“ sehr ausführlich mit dem „Warmes Wasser“ beschäftigt und war viele Male im Stollen. Der nachfolgende Auszug stammt aus diesem im Jahre 1979 erschienenen Buch.

„Die Thermalquellen „Warmes Wasser“ am Hallstättersee.

Geographische und geologische Situation des Ursprunggebietes.

Die Lokalität „Warmes Wasser“ befindet sich am Westufer des nördlichen Teiles (Obersee) des Hallstätter Sees zwischen den Ortschafen Steeg und Gosaumühle entlang eines Uferstreifens von Kilometer 45/800 bis Kilometer 46/300 der Bundesstraße Nr. 166.

An dieser rund 500 m langen Uferstrecke des Sees sind im Winter auch bei strenger Kälte mehrere bis zu 4 m lange und 2 m breite eisfreie Stellen zu beobachten. Ein weiteres Anzeichen für das Vorhandensein warmer Quellen sind die sogenannten Dunstlöcher am Hang oberhalb der Straße, dass sind einige im Winter schneefrei bleibende Stellen mit Nebelbildung.

Die warmen Quellen entspringen in dem als Gosauhals bezeichneten südöstlichen Ausläufer des Ramsaugebirges (Kalmberge). Sein Sockel besteht aus grobgebankten bis massigen Ramsaudolomit, darüber folgen das schmale, durch schütternen Waldbestand  gekennzeichnete Band der mergelig-sandigen Cardita-Schichten und der nach oben immer deutlicher gebankte Dachsteinkalk. Die ganze Schichtfolge streicht generell O-W und fällt flach gegen S ein.

Oberhalb vom Straßenkilometer 45/866 wird der Rücken des Gosauhals von einer schluchtartig erweiterten Kluft durchsetzt. Diese streicht N 35 ° und fällt mit 75 bis 80 Grad gegen SO. Sie markiert eine steilstehende, von einem Bündel paralleler Klüfte begleite Verwerfung, an der der Dachsteinkalk um mindestens 100 m gegen SO abgesunken ist.

An dieser Störung, auf die auch E. Kittl besonders hingewiesen hat, steigt das Thermalwasser aus der Tiefe auf, tritt in den vom Seeufer (508 m über NN) bis auf rund 600 m über NN hinaufreichenden Schuttmantel über und fließt, sich fächerförmig verbreitend, unterirdisch dem Hallstättersee zu, wo es an mindestens fünf Stellen am Seegrund in Ufernähe austritt.“

Nach Schauberger`s Meinung steigt das „Warme Wasser“ an der Kreuzung zweier tektonischer Bruchlinien auf. Die eine Zone zieht sich entlang vom Westufer vom Hallstättersee. Die zweite quert vom Niederen Sarstein in das Gosautal. Die verborgene Quelle befindet sich etwa 3 m unterhalb vom heutigen Suchstollen.

Deutlich sieht man oberhalb vom Stollen bzw. Soleleitungsweg die Grenze zwischen gebankten Dachsteinkalk (links) und dem grießförmig, verwitterten Ramsaudolomit.

Dazwischen sind mehrere senkrechte Verwerfungen bzw. Klüfte zu erkennen. An diesen tektonischen Störungszonen steigt das „Warme Wasser“ hoch und verteilt sich fächerförmig. Am 30. März 1952 erfolgte in der Nähe der großer "Antenstein-Felssturz."

Bild 1:  Der Eingangsbereich der 165 m langen Stollenanlage führt unter der Landesstrasse hindurch.

Bild 2: Vom Eingang sind es nur wenige Meter zu Hallstättersee. Im Vordergrund der 2 m tiefe Gottesgabbrunnen.

Bild 3: Die ersten Meter vom Stollen sind aus Sicherheitsgründen (Strasse) abgemauert.

 

TEMPERATURMESSUNGEN UND METEORLOGISCHE BEOBACHTUNGEN: Schon Simony vermutete aufgrund seiner im Jahre 1832 durchgeführten Messungen auf eine mögliche Ursprungstemperatur von 28° bis 29° C. Diese Temperatur, sollte sie tatsächlich stimmen, wurde sicherlich in den alten Badestuben noch als angenehm empfunden. Der  gemessene Höchstwert des Wassers

vor, welche von den Personen Anton Achleitner, Karl Gaisberger, Franziksa Ellmer und dem Verfasser durchgeführt wurden.

Dezember 1832:  (Friedrich Simony)

Hauptaustrittstelle der warmen Quelle, 3 cm unter dem Seespiegel, +18.75° C. Einen halben bis 1 m vom Ufer entfernt lag die Temperatur betrug bis heute  24 Grad.

Im Jahre 1969 wurde vor dem Stollenmundloch ein 2 m tiefer Senkbrunnen mit 1.5 m lichter Weite abgeteuft. Bei einem Pumpversuch konnte das Seewasser nur um 10 cm abgesenkt werden. Trotzdem konnte man am Grund des Brunnens zwei Thermalwasserzuflüsse feststellen. In diesem „Gottesgabbrunnen“ konnte Schauberger am 29. Jänner 1969 am Schachtboden eine Temperatur von +22.5° C messen. Kurz zuvor wurden sogar +24° C festgestellt, sodass man auf eine Ursprungstemperatur von 30 bis 35° C schließen konnte.

Auch nach der Beendigung des Stollenbaues wurden immer wieder Temperaturmessungen durchgeführt, vor allem von Mitgliedern der verschiedenen Höhlenvereine.

So liegen aus den Jahren 1990/91 etliche Aufzeichnungen am Seegrund bei +20° C.

12. Februar 1932:  (Friedrich Morton)

Hauptaustrittstelle der warmen Quelle, 3 cm unter dem Seespiegel, +21.6° C. Zwei Wochen später wurden +20.3° C gemessen.

22. Dezember 1957: (Othmar Schauberger)

Hauptaustrittstelle der warmen Quelle, 3 cm unter dem Seespiegel, +19.2° C.

Februar 1965: (Hans Pramesberger)

Außentemperatur beim See –10 ° C, auf der Soleleitung –6 ° C, oberhalb der Soleleitung  bei einem mit einer Felsplatte verlegten Dunstloch +10  C.

12. April 1972

Gottesgabbrunnen + 13 ° C („Warmes Wasser“ durch C gemessen. Der wärmste Punkt lag etwa in der Mitte zwischen Felsenkammer und Endpunkt. Hier stieg der Wert bis auf +13.3° an. Interessant ist vor allem auch die Beobachtung, dass die Luftströmung kurz vor der Felsenkammer an der Sohle nach innen zog, an der Decke dagegen zurück floss in den ersten Querstollen.

7. Februar 1982

Gottesgabbrunnen +19.3° C, Luft Außenwelt +2.1° C.

22. September 1990

Gottesgabbrunnen +19.6°C, See +13.8° C, Luft Außenwelt +15.0° C, Wetterführung im Stollen nach außen.

26. Dezember 1990

Gottesgabbrunnen +17.7° C, See vor Stollen (3 m südseitig) +13.8° C, See vor Stollen (3 m nordseitig) +4.7° C, See bei Hallstatt +5.2° C, Luft +0.9° C.

2. Jänner 1991

Gottesgabbrunnen +18.4° C, See vor Stollen (3 m südseitig) +5.4° C, See vor Stollen (3 m nordseitig) +6.9° C, Luft +2.4° C, Wetterführung im Stollen einwärts.

3. Jänner 1991

Gottesgabbrunnen +17.9° C, See vor Stollen (3 m nordseitig) +5.5° C, Luft +6.2° C. Temperatur nach 10 m Stollenlänge an der Sohle +5.6° C, First +6.1° C, Felsenkammer Luft und Wasser +11.7° C.

19. Jänner 1991

Eine Temperaturmessung entlang der  Sohle im gesamten Stollen erbrachte folgende Daten: Vom Eingang bis zur Felsenkammer zwischen +1.7° C und +5.6° C. Von der Felsenkammer bis zum Endpunkt zwischen +6.9° C und +11.8° C.

26. Jänner 1991

Gottesgabbrunnen +17.5° C, am See beginnt die Vereisung.

9. Februar 1991

Gottesgabbrunnen +18.4° C, in der Felsenkammer zwischen +7.4 und 9.4° C. Bemerkenswert ist die Temperaturdifferenz etwa 35 m nach dem Eingang zwischen Sohle und Decke von 7.1 ° C.

9. Februar 1992

Gottesgabbrunnen +18.4° C. Der Hallstättersee war zu dieser Zeit im ganzen Nordbereich zugefroren. Bei den Temperaturmessungen im Stollen wurde der kälteste Wert nach ungefähr 60 m Stollenlänge gemessen. Dieser betrug an der Sohle +0.3° C und an der Decke +7.4° C. Fast der ganze Stollen bis knapp vor der Felsenkammer war mit schönen Eisbildungen verziert. Einige der Bodenzapfen hatten eine rotbraune Farbe. Diese Färbung stammte vermutlich von Eisenhydroxyd.

In der Felsenkammer wurden an der Sohle +7.4° C und an der Decke +9.4° C gemessen. Die Wassertemperatur im nordseitigen Tümpel betrug +11.8° C. Der Maximalwert im Stollen wurde an dessen südöstlichsten Endpunkt festgestellt,  der Wert betrug +10.9° C.

24. Jänner 1998

Im Bereich kurz vor der Felsenkammer zeichnet sich von oben her ein Nachrutschen des Gerölles nach und macht die Begehung im Sommer lebensgefährlich.

August 2002

Vermutlich beim großen Hochwasser ist die Höhlendecke kurz vor der Felsenkammer auf 3 m Länge zusammengebrochen, die dahinter liegenden Teile wurden unbegehbar.

5. Juli 2010

Aufgrund vom Hochwasser stand der Seespiegel beim Eingang rund 35 cm hoch. Damit dürfte das Seewasser bis zum Versturz nach 65 m Stollenlänge eingedrungen sein.

 

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Bild 1:  Der Zustand des Stollens im Jahre 2000 ist im Eingangsbereich noch halbwegs stabil.

Bild 2: 62 m vom Stollenmund entfernt zeigen sich immer mehr Spuren vom Verfall.

Bild 3: Im Jahre 2003 ist die hintere Stollenanlage nicht mehr erreichbar.

Bild 4: Der Moränenschutt hat im Jahre 2017 nochmals zugenommen und wird sich jedes Jahr mehr ausbreiten.


 

EISBILDUNGEN: Vom Dezember bis Anfang März konnten im Stollen an Sohle und Decke immer wieder Eisbildungen beobachtet werden. Diese Eisfiguren in Form von Stalagmiten und Stalagtiten  erstreckten sich knapp hinter dem Eingang bis zu 45 m weit in den Stollen hinein. Teilweise waren vor allem die Deckenzapfen so dicht beisammen, dass man diese entfernen musste, um in den Stollen zu gelangen.

Im Jahre 1992 gab es eine Besonderheit, wobei einige der säulenartigen Eisfiguren eine schöne, rötliche bis dunkelgelbe Färbung annahmen. Vermutlich handelte es sich um Einschluss von Eisenhydroxyd oder Schwefel.

Bei meinen mehrfachen Begehungen in den Jahren 2002 bis 2017 stellte ich fest, dass es nur mehr ganz selten zur Eisbildung gekommen ist. Die Ursache ist wahrscheinlich der Deckenversturz nach rund 50 m Länge, welcher das Einsaugen von Kaltluft vermindert.

 

 

Geradezu märchenhaft wirken diese Eisbildungen, wie sie im Januar 1992 noch rund 15 m nach dem Stolleneingang existierten. Es ist ungefähr der Ort, an welchem erstmals die alten Reste vom alten Stollen festgestellt wurden. Der weiße Fleck im mittleren Bild ist der Stolleneingang.

Nachdem das Thermalwasser früher zur Heilung von Hautausschlägen benutzt wurde, ist es auch denkbar, dass es sich bei der Färbung der Eisstalagmiten um Schwefel handelt. In der unmittelbaren Umgebung des Stollens gab es auch Schwefelquellen, welche heute nicht mehr lokalisierbar sind.

Seit dem teilweisen Einsturz vom Stollen nach 65 m Länge kommt es nur mehr bei sehr kalten Winter zu Eisbildungen. Auffällig ist die teilweise hohe Temperaturdifferenz zwischen Decke und Sohle bis zu 7 Grad. Hat man den Eisbereich durchschritten, so steigt die Temparatur innerhalb von 1 m Länge um 6 Grad an.

 

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DAS TAGEBUCH VON HANS PRAMESBERGRER

 

 

Hans Pramesberger wurde am 20. September 1891 in Goisern geboren. Der Vater war Salzbergarbeiter, nebenbei hatte die Familie eine kleine Landwirtschaft. Hans Pramesberger besuchte die Lehrerbildungsanstalt in Linz und war anschließend als Lehrer in Gosau, einige Jahre als Waldarbeiter und als Höhlenführer beschäftigt. Zwanzig Jahre lang, zwischen den beiden Weltkriegen, leitete er die damals einklassige Volksschule in Obertraun. Auch in der fünfklassigen Volksschule in St. Agatha war er jahrelang erfolgreich als Leiter tätig, bis er im Jahre 1956 in den Ruhestand ging. In diesen Jahren, seines erfüllten Lebens, schrieb er die Ortschronik von Obertraun und das mittlerweile  vergriffene Buch „Eine ganze, runde und unversehrte Welt.“ In seinen Schriften kann man die besondere Liebe zur Heimat und das Interesse am sauberen Wasser spüren. Wahrscheinlich war diese Leidenschaft auch Grund, dass er sich in Pension so sehr für das „Warme Wasser“ am Hallstättersee einsetzte.

Er starb am 18. Mai 1979 im 89. Lebensjahr.

 

 

Das Originaltagebuch von Hans Pramesberger dokumentiert auf neunundfünfzig handgeschriebenen Seiten sehr ausführlich und emotional über vierzehn Jahre hinweg den Baufortschritt im Stollen. Ich habe in diesem wertvollen Dokument nur in ganz wenigen Fällen eine Korrektur angebracht, damit auch der Nichtbergmann weiß, worum es geht. Die Originalskizzen wurden soweit als notwendig übernommen.

 

HINWEIS: In diesem Beitrag sind aus Platzgründen nur einige markante Begebenheiten angeführt. Wer das ganze Tagebuch lesen will, den sende ich gerne die PDF-Datei gratis zu. Es liegt mir persönlich viel daran, dass dieses Wissen um den Stollen nicht verloren geht.

 

AUSZUG AUS DEM TAGEBUCH VON HANS PRAMESBERGER

 

DAS WARMWASSER AM HALLSTÄTTERSEE

 

20. Jänner 1965

Wir glauben, daß die nächsten Wochen zeigen, wo wir das „Warme Wasser“ finden oder nicht. Der Querstollen am Felsen ist 16 m lang, der Parallelstollen im Stein ebenfalls. Jeder kommende Meter kann nun zum überlieferten, 3 m in den Stein vorgetriebenen Suchstollen führen. Wir tasten herum wie Schatzgräber. Sicheres wissen wir nicht. Nur das, was Schultes um 1800 und Friedrich Simony um 1860 nach mündlichen Überlieferungen berichten.

Danach soll das Wasser über eine fast senkrechte Wand herunter geronnen sein. Um den Quellenaustritt zu orten, trieb man einen Stollen in den Stein vor, leider vergebens. So begnügte man sich und fing das Wasser in Rinnen auf, die es hölzernen Badewannen zuleiteten. Soweit die Überlieferung. (Siehe Dr. Mortons Schriften).

Um 1930 interessierte sich Goiserns Bürgermeister Peer für das „Warmwasser“. Er war öfters dort, auch mit Fachleuten. Mit ihm war der Gemeindesekretär Franz Laimer, der den Heimatverein gründete.

Auch der Bergarbeiter-Pensionist Leopold Kefer aus Untersee grub dort, wo die Spuren warmer Quellen sind, herum.

Im Frühjahr 1957 hielt der Heimatverein eine Versammlung ab. Ort Goiserermühle. Es wurde ernst mit der Suche. Hans Posch, Goisern 144 und Hermann Peer, Unterjoch 26, hatten aus Blech eine zerlegbare Schablone gefertigt, in der Bausteine für den Stollen gestampft werden sollen. Oberbergrat Schauberger, der Chefgeologe der österr. Salinen, legte einen Entwurf für „Gutscheine“ zur Geld = Arbeitsleistung und Geldspenden vor.

Die Schurfbewilligung war da. Vorgeschrieben war, den Stollen unter der Straße in Beton-Bausteinen auszuführen. Flußsand in Maximalgröße bis 1 cm3, Betonmischung 1:4. Verwendet wurde Traunbachsand aus dem hinteren Weißenbachtal. Ehrenamtliche Vertrauensmänner sammelten Gutscheine. Der Gemeindebeamte Karl Pilz bewirkte eine Landesbeihilfe von ÖS 15.000.

Herr Dipl. Ing. Oberbergrat Leschanovsky von Hallstatt und der Oberbergrat Dipl. Schauberger von Bad Ischl sagten jede mögliche Hilfe zu. Von Hallstatt kamen Grubenstempel für ca. 20 m Stollenlänge (erübrigt beim Dauerausbau des Talstollens), ein Grubenhunt, alte Schienen und Holzbretter.

Im Mai 1957 begann auf den Anger der Goiserermühlesäge das Formen der Betonsteine. Gearbeitet wurde an einem Montag und Donnerstag ab 5 Uhr nachmittags bis gegen 9 Uhr. Jedesmal ein Ring. Zu unters der schwere, mit Eisen verstärkte „Hohlgrund“, dann elf Steine, die alle nummeriert waren. Vier Ringe gaben einen Längenmeter. Wir stellten 43 Ringe her, daß sind 43 Hohlgründe und 473 Einzelsteine. Ende September waren wir fertig. Hans Posch war bei allen 43 Arbeitsgängen anwesend. Im Oktober lieferte uns das Elektrodenwerk die Steine zur Arbeitsstätte. Gemeindebeamter Christian Schilcher ordnete die Steine peinlich genau nach Nummern und Ringzugehörigkeit. Zum Beispiel 38/9, daß heißt 38. Ring, Stein Nr. 9.

 

1. Bauzeit  (Jahr 1957/58)

Am 2. November 1957 war der Arbeitsbeginn im Stollen. Der Kompressor stand auf der Straße. Acht Mann waren zur Arbeit bereit. Wir hinterlassen die „Schichtenbücher“. Das Braune ist der Anfang. Ich kann nicht immer Namen nennen, wer mittat ist in den Schichtenbüchern, in den Gutschein-Büchern und den Journalen (3 Stück gleichlautend) und in der „Kartei“ verzeichnet. Diese Kartei legte Robert Zahler, Bad Goisern 280 im Sommer 1964 an. Sie zeigte eine außerordentliche Fleißarbeit, mußte Zahler doch alle Daten aus den Journalen zusammen stellen.

Erst wurden die Quadersteine herausgebrochen. Schon vorher hatten wir eine bescheidene Unterkunftshütte errichet.

Nach dem Aufbrechen der Quadermauer zeigte sich, daß die Straßenauffüllung aus Bruchsteinen, lose, wie Kaffeebohnen, bestand. Sie rollten so vollständig ein, daß wir von unten die dünne Asphaltdecke sahen. Telefongespräch mit dem Straßenmeister. Mit diesem kam ein Ingenieur. Wir erwarteten die Einstellung des Vorhabens. Der Ingenieur sagte: „Ich sehe, daß ist ein gemeinnütziges Beginnen. Da helfen wir, wo wir können.“

So wurde erst die eine, dann die zweite Straßenhälfte mittels 8 m langer, 1.6 dm dicker Bohlen überbrückt. Siebzig Eisenklammern hielten die Teile zusammen. Nachts brannte eine Warnlampe. Vom Beginn an, vom Steinegießen, stand uns warmherzig der Bezirkshauptmann von Gmunden, Hofrat Leonhard Praxmarer, zur Seite. Hätten wir nicht alle Förderungen von den verschiedenen Ämtern gehabt, wir wären nicht vorwärts gekommen. „Wenn über uns ein vollbesetzter Bus einbricht, wir stehen mit Hab und Gut für den Schaden ein.“

Das waren sorgenvolle Nächte, bis wir 10 m unter der Straße durch waren. Übrigens, Hofrat Praxmarer nannten sie in Linz bald den „Warmwasserapostel.“ Hofrat Dr. Baumgartner, der Finanzreferent des Landes OÖ. kam im Laufe der Jahre wiederholt. Er beschaffte uns bis heute 50.000 Schilling.

Als wir die Straße unterfuhren, fanden wir drei Straßenmauern vor. Erst die heutige. Drei Meter weiter drinnen nochmals eine Mauer aus behauenen Steinen. Wieder 4 m weiter war eine Mauer aus unbehauenen Steinen, ganz niedrig. Dieser erste Weg ging also mit jeder Geländeänderung auf und ab, hin und her. Bei 10 m fanden wir rechts ein zolldickes Wasserleitungsrohr lotrecht eingetrieben. Das hat ein Hallstätter namens Kirchschlager zu Versuchszwecken im Jahre 1930 niedergebracht.

Hermann Peer schlug 1958 links vom Mundloch ein Rohr 1.5 m tief ein. Das eingelassene Thermometer zeigt seither gleichbleibend, ob Sommer oder Winter, 19 °C. Stellen am Seeufer 20 bzw. 21 ° C. Im Winter 1963/64 maß ich: Luft am Stolleneingang – 10 °C, Luft auf der Soleleitung – 6 ° C. Die Luft unter dem Stein des grossen Dunstloches + 10 °C. Seit 1957 messen wir fortlaufend. Die Temperaturen bleiben gleich.

Bis 1. Februar 1958 – in 14 Wochen Arbeit, waren wir 14 m weit. Ab 10 m gingen wir zum Ausbau mit Stollenholz über. Bis zur Stollenmitte, ab der Sohle, war Moränengeschiebe. Das hielt einigermaßen. Aber darüber lagerte Gehängeschutt. Der machte uns viel zu schaffen. Christian Pramesberger, ein alter Häuer des Ischler Salzbergwerkes, tat den rettenden Spruch: „Mit unseren Mitteln kommen wir so nicht weiter. Von nun arbeiten wir nur dann, wenn minus 10 Grad Frosttemperatur das Geröll binden.“ Und als ich an einem Morgen kam, rief er mir aus dem Stollen freudig entgegen. „General Frost“.

Am 1. Februar 1958 fanden wir ein ca. ½ m langes, morsches Holzstück. Am 11. Februar war in halber Höhe unseres Stollens deutlich ein Holzjoch mit zwei Stempeln, gänzlich vermorscht, sichtbar. Leider war es uns nie möglich, bis auf den Grund des alten Stollens, den wir etwa 80 cm unter unserer Sohle vermuteten, hinab zu kommen. Immer drang Seewasser ein. Hätten wir auf der alten Stollensohle vorarbeiten können, so wäre dieses oder das Fundstück geborgen worden. Holzrinnen würden sagen, daß sie das Wasser hatten. Nun wies uns der alte Stollen den Weg. Der „alte Mann“ wich jedem größeren Stein aus. Offenbar hatte er kein Pulver. Der Altstollen führte hin und her, so „wie die Sau brunzt“.

Dementsprechend ist auch unser Weg nicht geradlinig, obwohl wir ausglichen. Sobald die Grundregel „Nur bei Frost arbeiten“ außer acht lassen, brach der Schotter ein.

Am 29. März 1958 zeigte sich links eine etwa 6 m lange, 2 m breite Höhlung, überdacht von einer Steinplatte, glatt wie eine Zimmerdecke, völlig waagrecht. Zwei sehr gut erhaltene, lärchene Ulmen stecken in dem völlig trockenen Geröll. Was zu sagen ist: Alles Grubenholz, was wir bargen, oft bis 1.20 m lang, sind Lärchen. Teilweise noch so fest, daß es brennt.

Am 3. April 1958 stellten wir den Vortrieb ein. Wir waren in 22 Arbeitswochen 33 m weit voran gekommen. Die letzten fünf Wochen wurden in Doppelschichten, Tag und Nacht, gearbeitet. Nur mit „General Frost“ arbeiten, hat sich glänzend bewährt. Das Material war oft so fest gefroren, daß gesprengt wurde. Temperaturmessung am 17.März 1958: Wasser im Rohr beim Mundloch: 19.5 °C, Luft – 12 °, See + 2 °C.

Aufruf zur Gutschein – Zeichnung:

 

Im Herbst 1963 haben wir in der Auslage der Volksbank zur Werbung Stollenholz, Photos und Werbeblätter gegeben. Robert Zahler vervielfältige 2020 Aufrufe, die der Post zum Austragen in die Goiserer Haushalte gegeben wurden. Im Laufe der nächsten Monate kamen 15.100 ÖS zusammen. Kleinere Zeichner = 8.100 ÖS, größere 7.000 ÖS. Von der politischen Gemeinde folgten 3.000 ÖS, vom Elektrodenwerk 1.000 ÖS, die Volksbank 1.000 ÖS, der Kaufmann Artweger sen. aus Bad Ischl 2.000 ÖS. Es zeichneten insgesamt 88 Personen.

Somit stand uns am Beginn der 7. Bauzeit inklusive dem Rest des Vorjahres 23.145 Schilling zur Verfügung.


 

Eintragung am 27. Januar 1965: Die vierte, fünfte und sechste Bauzeit führte uns der Felswand entlang, dem Süden zu, insgesamt 16 m. Mühsam und unter großen Gefahren wurden die Stempel gesetzt. Der Frost war kaum  noch wirksam, besonders nicht an gewachsenen Stein, dort fror es ab 14 m nie mehr ab. Wir meinen, der Quelle schon nahe zu sein. Bei der Querstollenlänge von 16 m kam ganz schön das Profil des alten Stollen zutage. Es wurde photografiert. Immer wieder fragten wir uns, wie es doch dem „Alten Mann“ möglich war, den Stollen zu bauen. Allerdings, das sahen wir oft, war ihr Stollen noch niedriger,  noch enger als der unsere. Es leuchtet uns die Erklärung ein: Sicher haben auch sie schon die Frosttage ausgenutzt. Dann hatten sie den Vorzug, in die ungestörte Materialschicht vorzustoßen, während wir das durch den Stollenversturz gelockerte Erdreich haben.

Als wir z.B. in der dritten Bauzeit von 61 m weiter gruben, war das Erdreich derart beweglich, daß Wagen um Wagen ausgefahren wurde und wir nicht vorwärts kamen. Der ständig nachstürzende Berg lockerte so, daß unter den Röhren der Soleleitung ein „Sunk“ entstand und die Röhren auf 1 m Länge bloß lagen. Unser Stollen liegt 70 m in der Lotrechten darunter. Allerdings, an dieser Stelle müßte der „Strenn“ gegenwärtig und auch früher, abgepölzt und pilotiert werden.

Den mündlichen Überlieferungen nach, von Schultes und Simony aufgezeichnet, soll der Stollen noch 1729 bestanden haben und 24 Hallstätter Bergstabeln = 28.6 m lang gewesen sein. Das stimmt mit unseren Erfahrungen durchaus nicht überein, war es doch bis zum gewachsenen Fels allein 69 m. Ein Rätsel ist uns auch, wie der „alte Mann“ vom See an den Gang so tief ansetzen konnte.

Wir sind 60 cm über den Wasserspiegel. Die Ulme des „Alten Mannes“ stecken tiefer. Sooft wir zur Sohle des alten Ganges hinab wollten, kam das Seewasser. Der See wurde 1573 aufgestaut. Ist der alte Stollen vorher gebaut wurden, vielleicht von Thomas Seeauer? Oder gar von den Römern? Die spürten jedem warmen Wasser nach, so auch dem Heilbrunn in Mitterndorf.

Diese Fragen gehen uns oft im Kopf herum. Lärchene, platt abgewitterte Ulme, wir vermuten, es wurden nebst Rundstempeln auch Halbklüfte verwendet, fanden wir oft. Die Abwitterung ließ die im Holz gewachsene Äste als knollige Höcker stehen. Nur Holz, sonst gar nichts, fanden wir bisher.

Eines sagten wir uns oft, wenn wir mutlos werden sollten. Wenn der „Alte Mann“ , der kein Pulver hatte, keinen Schienenstrang, eine arme Ruböllampe und nicht erwarten konnte, daß Wasser außer für sich selbst auch für den heute so wichtigen Fremdenverkehr zu nutzen, trotzdem vordrang, so ist das eine erstaunliche Leistung, die uns anspornte, umso leichter, als wir nur seinen Spuren zu folgen hatten.


Untersuchung des Stollenholzes 1968.

Reg. Rat. Dr. Morton, Hallstatt, schickt an die Technische Hochschule Wien mehrere Grubenhölzer aus unseren Stollen zur Untersuchung ein. Mit ganz modernen Mitteln wird dieser vorgenommen und es steht nach diesen Befund einwandfrei fest, daß das Holz um 1450 noch lebend war. Also 1380 – 1520. So alt müsste der Stollen sein. Viel älter, als auch Morton annahm.

Jahr 1967 / 1968: In diesem Jahr machten wir nur Beobachtungen.

Jahr 1968 / 1969: Mit dem restlichen Geld, rund ÖS 14.000, wollen wir einen letzten Versuch machen. Nach Ramkoglers Rat und unseren Temperaturmessungen wollen wir am Mundloch, 2 m von der Straßengrundmauer entfernt (Vorschrift der Landesbaudirektion) einen Tiefbrunnen bis 3 m abteufen. Die Arbeit übernimmt der Maurermeister Franz Kieninger, Bad Goisern, der sie seinem Polier Rainer (Mutler) überträgt. Die erste Vorarbeit, eine 1.5 m tiefe Grube wurde am 7. Jänner 1969 gemacht. Der See ist um 0.80 m abgesenkt. Es sammelt sich am Grubengrund das Grundwasser.

 31. 1. 1969:

Nun haben wir einen Teilerfolg. Heute werden die Arbeiten vorläufig eingestellt. Die Arbeiter Rainer (Mutler), Pomberger, (Loipler, Rehkogl) und Zierler (Steeg) gruben eine 2 m tiefe Grube und stießen bergwärts auf Warmes Wasser, das an der Austrittsstelle 24 ° C misst. Es kommt wie ein Bach, gesammelt, und dürfte 10 - 15 Sek/Liter führen. Rings herum dringt Seewasser dazu, dass ebenso wie das von Grund auftreibende Wasser kälter ist. Die Seetemperatur ist 4.5 °C. Würde dass lotrecht aus der Brunnentiefe aufquellende Wasser auch 24 ° C haben oder mehr, könnte man annehmen, das Warmwasser tritt an Ort und Stelle aus der Tiefe. Nein, es kommt seitwärts an der Bergseite. Wir wissen, dass dieses Wasser gewissermaßen auf dem kalten Seegrundwasser schwimmt und dabei an Wärme verliert. Das Wasser muß aber dort, wo es sein Rinnen über dem Grundwasser hat, bedeutend  wärmer als 24 °C sein. Der Brunnen ist 2 m tief, er besteht aus vier Betonringen. Neben dem Brunnen ist ein 2.2 m tiefer, hölzerner „Sumpf“ zur Aufnahme der Pumpen=Sauger gemacht. Im Brunnen sind zwei 15 cm Röhren angebracht, die der Wasserführung dienen. Der Brunnen wurde mit Lehm gut abgedämmt, nur an der Bergseite nicht. (Wassereintritt). Das Wasser im Brunnen hat 21 °C.

Es ist mir unvergesslich, gesehen zu haben, wie in 2 m Tiefe das „Warme Wasser“ zutage trat. Mir war zumute wie Moses, als er auf den Berg Sinai in das „gelobte Land“ sah. Mit mir hatten diesen Anblick: Robert Zahler, Hans Khalß, Hofrat Leschanovsky, Franz Pramesberger, Kaufmann Artweger, Bad Ischl. Das war am 22. Jänner 1969, 8 Uhr früh.

Oberforstrat Dipl. Ing. Maschik, Wildbachverbauung Bad Ischl, verlieh uns sofort und kostenlos drei Benzinpumpen, die zugleich laufen mussten, um während der Arbeiten das Wasser aus der Grube zu fördern.


 

 

Der Gottesgabbrunnen.(Stand 25. Februar 1972)

 

Oberforstrat Dipl. Ing. Marschik von der Wildbachverbauung Bad Ischl kam um 8 Uhr früh mit zwei Arbeitern und drei Pumpen, um den Brunnen zu untersuchen. Krenn Gottlieb und Christian Pramesberger hatten ja die Vermutung geäußert, das Warmwasser wäre versiegt oder habe sich anderweitig ein Rinnen gesucht. Ich wollte das nicht glauben und meine, das Wasser habe sich außen um den untersten Betonring einen Weg gesucht, weil wir unklugerweise den „Warmwasserstrom“ der mit 24 ° C zutage tritt und zu allermindest 10 Sek/Liter Wasser führt, abgesperrt. Wir gruben 2 m in die Tiefe (1969). Dann trat der Wasserstrang auf.

Nun hätten wir in den unteren Betonring und zwar an den unteren Rand ein genügend großes Loch stemmen müssen, um das Warmwasser nicht abzusperren. Wir machten einen großen Fehler und legten erst am oberen Rand des untersten Ringes ein Rohr ein und meinten, daß das Wasser aufgestaut würde.

 

Foto stammt aus dem Jahre 2017

 

Am 17. Februar 1972 wollten wir in den unteren Betonring ein Loch schlagen, damit die warme Quelle ungehindert in den Brunnen einfließen kann. Zur Beobachtung und zu dieser Arbeit hatten sich eingefunden: Oberforstrat Dipl. Ing. Marschik, Hofrat Dipl. Ing. Schauberger – der vom Anbeginn mittat und der auch den Text der Gutscheine verfaßte, Oberoffizial Robert Zahler, zwei Pumpenwärter der Wildbachverbauung, der Bürgermeister Engleitner von St. Agatha, Christian Pramesberger, Gottlieb Krenn, Franz Pramesberger, Hans Pramesberger. der Drechsler Hans Scheutz und Dipl. Ing. Willi Putz.

Es waren drei Pumpen da. Zwei Pumpen wurden eingesetzt, weil eine nicht funktionierte. Nun wissen wir aber, daß auch im Winter bei niedrigem Wasserstand unbedingt drei Pumpen nötig sind, um das Wasser auf die Brunnensohle abzusenken. Es gelang uns nicht, das Wasser bis auf den Boden auszupumpen. Es blieb ein Wasserstand von 35 cm. Hätten wir drei Pumpen zur Verfügung gehabt, wäre das bei dem niedrigen Wasserstand möglich gewesen. Im Sommer ist das Auspumpen auch mit dreien der Pumpen unmöglich. Leider war es nicht zu machen, daß wir, wie wir es tun wollten, den untersten Ring dort, wo das Warmwasser zutage tritt, durchschlugen, um dem Wasser einen ungehinderten Zutritt in den Brunnen zu schaffen.

Wir nahmen Temperaturmessungen vor: Links vom Mundloch ist ein Rohr mit 2 m Länge. Wir maßen 22 ° C. Rechts vom Mundloch ist das Rohr 1.50 m lang. Temperatur 19 ° C. Wäre es 2 m lang, müßte es zum Zufluß reichen und wärmer sein. Im unteren Betonrohr, das wir abschlugen, maßen wir 22 ° C. Allgemein hatte das wenige Wasser im Brunnen 19, 20 und 21 ° C. Die Seetemperatur am Ufer betrug 2 ° C. Die Bucht fing an zu vereisen.

Ergebnis: Das Wasser ist unverändert da. Es muß in breiter Streuung kommen, weil auf eine Breite von 10 bis 15 m der Erdboden nie gefriert. Vom Mundloch gemessen ca. 10 m nach Norden, 5 m nach Süden.

Es liegt nun an unsere Nachfahren, ob sie den verhältnismäßig billigen Versuch machen, den Hauptstrang des Wassers innerhalb 15 bis 20 m vom Brunnen stolleneinwärts in einer Tiefe von 2 m bloßzulegen. Wenn das Bodenmaterial dort nicht mehr aus Gehängeschutt besteht, sondern aus mergeligen Material, so ist es wahrscheinlich, daß das Warmwasser nicht mehr vom Grundwasser des Sees beeinflußt wird, sondern mehr als 24 ° C mißt. Abgesehen davon, daß die Therme konzentrierter auftritt. Diese ermutigende Mutmaßung könnte zu weiteren Versuchen, es könnte aber auch sein, daß man vorderhand mit dem Vorhandenen auskommen wird.

Wir waren auch im Stollen. Die Abteufung rechts war kaum zur Hälfte mit Wasser gefüllt. Der Mittelgang war völlig trocken. Der alte Stollen gegen Hallstatt zu wies wenig tropfendes Salzwasser auf. Auf der Stollensohle waren salzige Lackerln. Der kleine Schacht nahe dem Stollenende war trocken. Das ist die Stelle, wo wir viel Rüstholz schauten, ehe der Schutt alles zudeckte. Aber „Glück auf“ für die Jungen!

25. Februar 1972

Mit dem Auspumpen des Brunnens bin ich insofern zufrieden, als der Nachweis gegeben ist, daß das Warmwasser unverändert vorhanden ist. Nicht zufrieden bin ich damit, daß wir nicht alle drei Pumpen zugleich einsetzten. Die Pumpen waren da, aber der Wärter sagte, die eine funktioniere nicht. Da kannst du nichts machen. Schade, das Werksingenieur Hermann Putz von Untersee nicht anwesend sein konnte. Als wir den Brunnen gruben, liefen drei Pumpen und diese konnten den Wasserzufluß bewältigen, so daß der Boden wasserfrei wurde. Großartig war der Wasserstrang des Warmwassers, der geschlossen zutage trat und den Herr Hofrat Leschanovsky auf 30 Sekundenliter Wasserführung schätzte. (Ich sagte, zehn Liter pro Sekunde wäre auch schon ein herrliches Ergebnis). Dieses Zutage treten hätte ich auch diesmal gerne gesehen. Zwei Pumpen saugten den Brunnen nur bis 30 cm Restrand aus. So war es nicht möglich, den untersten Betonring dort durchzuschlagen, wo die Rohre angebracht sind. Wäre auf dem Boden eine genügend große Öffnung, so könnte

1. das Warmwasser unmittelbar bei dem Austritt gemessen werden (Wasserführung – Temperatur – Wasseruntersuchung)

2. könnte der Zustrom in den Brunnen und das Wasser müßte nicht rundherum um den Betonring den Weg suchen.

Es wird, solange der Zustrom abgesperrt ist, im Brunnen nicht die Erwärmung stattfinden, die war, solange sich der Wasserstrang nicht rundherum einen neuen Weg suchen.

Die Fundierung der neuen Stützmauer:

Ich verfolgte die Arbeiten genau. Sie werden sehr gewissenhaft durchgeführt. Die Baugrube wurde sehr breit ausgehoben und auch bis zu einer Tiefe von 1.5 m. Sie haben also den Wasserhorizont des „Warmen Wassers“,  der in der Tiefe des Brunnens, aber bei 2 m liegt, nicht erreicht bzw. abgeschnürt. Es kann ungehindert ausströmen. Das im Winter die altbekannte eisfreie Uferstelle nicht mehr so groß und auffallend sichtbar wird, hat wohl die Ursache, daß wir an der Bucht durch das Aufschütten des „Berges“ aus dem Stollen eine Halbinsel bildeten und wir in den See vorrückten.

Wo war die alte Badestelle???

Als wir am 17. Februar 1972 wieder vor diesem Schacht hockten, der das geschaute geheimnisvolle Stollenholz zeigte, wurde erneut die Vermutung laut, daß hier eine größere Kammer ausgepölzt wurde, in der man badete. Das glaube ich nicht. Mich würde es lebhaft interessieren, hier hinaus arbeiten zu können, um zu untersuchen. Es ist der Endpunkt des alten Suchstollens. Ist dort das überlieferte, kleine Warmwassergerinnsel, das natürlich nur ein kleines Vorkommen des „Warmen Wassers“ sein könnte? Aber daß man im Stolleninneren eine Badegelegenheit anlegte, glaube ich nicht. Warum ? Die Beleuchtungsfrage? (Kienspan, Ruböllampen, sogenannte „Ölfunzeln“) Die Lufttemperatur? Bestenfalls 12 ° C. Der mühselige Gang durch den engen, niederen Stollen? Möglich wäre es, daß durch „Rinnen“ das Wasser an den Tag geleitet wurde.

Wo badete man also?

Ich vermute, am Tag. Unser Steinstollen ist 10 m lang. Dann beginnt die Holzzimmerung. Rechts dort, wo diese beginnt, dürfte die Badestelle gewesen sein. Es heißt bei Simony, daß um 1800 die Straße erweitert wurde. Die Entwicklung wird vom Fußweg bis über den Karrenweg weiter gegangen sein. Als wir 1957 unter der Straße den Stollen anlegten, fuhren wir drei oder vier Mal alte Straßenstützmauern durch. Immer neue Verbesserungen. Die neue Mauer umschloß die alte. Zuletzt ein Weglein, das durch Rundseine – unbehauene – gestützt war. Das war am Ende der seinerzeitigen Buchtung. Dort also müßte das sein. Simony sagt, die „letzten Spuren der Badegelegenheit wurden verschüttet.“ Es ist denkbar, daß der aufwendige Stollenbau (erstmals um 1450) später wiederholt wurde. Es ist möglich, daß alle Versuche zu keinem oder zu dürftigen Vorkommen führten. Doch das ist wahrscheinlich: Man grub in dieser Bucht einen Schacht von 2 m Tiefe, so wie wir heute unseren Brunnen haben und fand das „Warme Wasser.“ Vermutlich wärmer als 24 ° C. Diese Stelle ist von unseren Brunnen ja immerhin 12 – 15 m landeinwärts. Unser Brunnen steht noch völlig im Gehängeschutt. Als wir den Stollen unter der Straße gegraben hatten, bestand der untere Teil des Stollens aus dichtem Moränenschutt bis zu mergeligem Schlier, also aus ziemlich wasserdichtem Material. Es mag also an dieser vermuteten Stelle wenig oder gar kein Seewasser eingedrungen sein, das „Warmwasser“ also unvermischt sich vorfinden.

Dort also mag ein hölzerner Brunnenschacht gewesen sein, ähnlich den „Wasserkütteln“, die ja aussterben. Über dem Schacht ein Hüttendach, eine Seitenverschalung. Baut man als nächste Etappe einen Querstollen innerhalb der Straßenunterführung, kann es sein, daß man diese zugeschüttete Badestelle anfährt. Ebenso wie man darauf achten wird, ca. 80 cm unter der heutigen Stollensohle die alte Sohle darauf hin zu untersuchen, ob Spuren von Rinnsalen darauf anzutreffen sind. Übrigens: Daß unter dem Gehängeschutt Moränen lagern und darunter völlig wasserundurchlässige Schichten beweist der Umstand, daß das Grundwasser, das sich in den rechtsseitig gelegenen Steinschurf bis obenhin mit Wasser füllt, nicht von selbst abfließt, obwohl der obere Rand des Schurfes 2 m über der Höhe des Mundloches liegt. Unten, an der Sohle des Schurfes wurde die Felswand bis an die anstehende Moräne durchstoßen, das Wasser floss nicht ab.

11. Juli 1972

Heute hatte ich eine große Freude. Da kam unvermutet Robert Zahler zu mir und sagte: „Ich bin gekommen, um zu beraten, was wir mit dem „warmen Wasser“ weiter tun wollen“.

Es ist ja still geworden um unser Vorhaben. Ab und zu fragt noch jemand. Viele Leute sagen, die Suche ist aufgegeben. Wir haben noch rund ÖS 30.000 in der Volksbank liegen, aber wo sind unsere unentwegten Bergarbeiter? Teils verstorben, teils zu alt geworden. Und dabei wissen wir, daß das Rohr, das um 1930 der pensionierter Fachschullehrer Kirchschlager oberhalb der Straße dort, wo unser Steinstollen in die Holzzimmerung übergeht gleich rechter Hand der Stempel, Steeg zu, unmittelbar hinter dem Stempel – ein Eisenrohr eintrieb, das bis etwa 2 m unter dem Sommerseespiegel des Sees reicht, im Rohr eine Temperatur von 26 ° C mißt. Zahler und ich kamen überein, für den Winter doch den Versuch zu machen, Leute zu finden. Es soll dort, wo das Rohr zur Tiefe führt, ein „Schurf“ abgeteuft werden, um den Warmwasserstrang anzufahren. Diese Arbeit ist mit unseren Mitteln dann am erfolgreichsten und sichersten dann zu tun, wenn die Außentemperatur zumindest – 10 ° C zeigt, wenn der abzutragende Moränenschutt gefroren ist und nicht einfällt. Um den Bau gleich dauernd zu machen, soll der Ausbau in Zementsteinen und nicht in Holz gemacht werden. Aller Wille hängt davon ab, ob wir Facharbeiter kriegen.

19. November 1972

Heute sprach ich mit Robert Zahler. Er mußte mir sagen, daß Hofrat, Bergdirektor Leschanovsky mit Herzinfarkt im Krankenhaus liegt, der Mann, der uns aktiv Bergarbeiter aus Steeg und St. Agatha, leihen könnte. Wir kamen überein, die noch verbliebenen ÖS 30.000 zu verbauen, wenn wir Leute kriegen. Zahler meint, mit mindestens ÖS 40 Stundenlohn wäre das möglich. Es müßten Aktive sein – wir haben mehrere im Auge, die in ihrer Freizeit – Samstag, Sonntag – bei Minustemperaturen von – 10 ° werken. Würde der geplante Schurf in die Tiefe ein Erfolg – wir erwarten ein Wasser von mindestens 26 ° und kein durch Seewasser verdünntes Mineralwasser – so wäre das ein Erfolg, der Nachkommen ermuntern würde, den Faden weiter zu verfolgen.

Bauen wir den Schurf nicht, würden spätere Geschlechter sagen, wir haben die Arbeit kurz vor dem Erfolg aufgegeben, gewissermaßen unmittelbar vor der Haustür!

  

---  Hier endet das Tagebuch  ---

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Bild 1:  Von der Felsenkammer wurde der Stollen im festen Gestein in südöstliche Richtung vorangetrieben.

Bild 2: Nach 65 m Stollenlänge erreicht man die Felsenkammer, den größten Raum in der gesamten Anlage.

Bild 3: Von der Felsenkammer zweigt ein kurzer, stets wasserfüllter Stollenteil in nordwestliche Richtung ab.


 Der Zustand im Jahre 2017: Im Vergleich vom Jahr 2002 mit dem niederschlagsreichen 2010 hat sich der Zustand vom Stollen bis zum Jahre 2017weiter verschlechtert. An vielen Stellen sind die Merkmale des Wassers noch deutlich sichtbarer geworden. Man erkennt an den nachfolgenden Bildern den langsamen Verfall der Grubenhölzer, welche mittlerweile ja schon bald ein halbes Jahrhundert der ständigen Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen ausgesetzt sind.

Die etwa 3 m lange Einbruchstelle nach 65 m Stollenlänge aus dem Jahre 2002 hat sich weiter verändert. Die Hölzer sind noch etwas verfaulter, die Schüttungsmenge aus Sand und Geröll von der Decke hat ebenfalls zugenommen.

Der Zustand der Stollenanlage hinter dem Versturz kann seit dem Jahr 2002 nicht mehr kontrolliert werden.

Das Hochwasser am 5. Juli 2010 hat ebenfalls seine Spuren hinterlassen. Das Seewasser auf der Sohle dürfte in den ganzen Stollen gedrungen sein. Das Hochwasser stand bis zu dreißig Zentimeter über der  Sohle vom Stolleneingang.

Bei meiner letzten Begehung im Mai 2017 habe ich noch folgende Feststellungen gemacht: Beim 62. Stollenmeter ist nun auch auf der westlichen Seite die Eisenbahnschwelle abgeknickt und es sind weitere Geröllmassen nachgerutscht, sodass nun der verschüttete Bereich auf  mindestens 5 m Länge angewachsen ist. Von dieser Stelle rann ein kleiner Bach auswärts, wo er ungefähr 20 m vor dem Eingang wieder versickerte. Etwa 20 m nach dem Eingang ist ein Stein von der Decke gefallen. An etlichen Stellen im mittleren Stollenteil tropfte Wasser von der Decke. Die weiter unten beschriebenen Flechten waren vollkommen verschwunden.

Der „Gottesgabbrunnen“ vor dem Eingang ist teilweise mit zwei Betonplatten abgedeckt. Trotzdem stellen die Spalten vor allem eine Gefahr für Kinder dar.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf diesen Übersichtsplan habe ich die wichtigsten Parameter festgehalten.

 

Anmerkungen zu den Temperaturmessungen:

"S" bedeutet Sohle, "F" für First.


 

Zoologie, Botanik und Wassereigenschaften: In der 162 m langen Stollenanlage herrschen besondere klimatische Bedingungen. Während in den ersten 65 m noch Jahrestemperaturen von –10 bis +10 Grad C herrschen, liegt die Temperatur im hinteren Bereich zwischen +10.5 und +12 Grad C.

Im hinteren Bereich fand ich auf alten Holzresten einige Tausendfüßler. Diese zeigte ich am 31. Oktober 1981 an Ort und Stelle dem Höhlenforscher Erhard Fritsch, welcher als Experte für Höhlentiere gilt. Bei dieser Gelegenheit konnten wir  insgesamt acht Tausendfüßler aufsammeln.

Diese Art von Tausendfüßler (lat. Diplopoda: Julida) ist benannt nach den in Rußbach (Sbg) lebenden Heimatforscher Univ. Prof. Dr. Fritz Seewald.   Diese Lebewesen gehören zu den echten Höhlentieren und sind blind. Ihr Verbreitungsgebiet ist der östliche Südalpenraum und die Karpatenländer. Die Funde von dieser Art in den Nordalpen sind Raritäten.

Weiter wurden im Stollen, ungefähr 55 m vom Eingang und damit im absoluten lichtlosen Teil, eine Anzahl von Flechten gefunden, welche traubenförmig von der Decke hingen.

Von Gerhard Schubert und Lukas Plan  wurde 2013 eine chemische Untersuchung des Wassers direkt beim Mundloch (Gottesgabbrunnen) veranlasst. Der minimal erhöhte Schwefel-34-Wert entspricht weitgehend der üblichen Zusammensetzung im Wettersteindolomit. Der Calciumanteil beträgt 39,2 (mg/l), vom Magnesium 11 (mg/l) und der ph-Wert liegt bei 8,06. 


Bild 1:  Noch immer liegt ein sogenannter Hunt im Wasser und zwar im westlichen Seitenteil nach der Felsenkammer.

Bild 2: Der Zustand des Stollens im Jahre 2010 kurz vor der Felsenkammer. An der Decke sieht man Flechten.

Bild 3: Rutengeher Helmut Lichtenegger am Beginn der Felsenkammer, welche mittlerweile nicht mehr erreichbar ist.


 

Die Untersuchung durch Rutengeher: Zwei Rutengeher oder Wasserspürer, wie es Hans Pramesberger nennt, haben beim Stollenvortrieb eine maßgebliche Rolle gespielt. Rückblickend kann man sagen, daß vermutlich Rutengeher und Geologen gleichermaßen recht haben. Bewiesen ist aber letztendlich weder die eine noch die andere Theorie.

Franz Kain aus Bad Ischl schlug Anfang des Jahres 1966 vor, einen Stollen entlang der Felswand und dann später direkt in den Berg vorzutreiben. Dieses wurde teilweise verwirklicht, doch trotz warmer Umgebungstemperaturen die Therme nicht gefunden.

Ein weiterer Rutengeher Namens Karl Ramskogler aus Steyr ist kurze Zeit später der Ansicht, dass die Suche im Stollen erfolglos ist. Er rät, einen Brunnen beim Eingang des Stollens abzuteufen, welches später auch durchgeführt wurde. Leider ist an diesem Ort das warme Wasser mit dem Seewasser vermischt. Eine versuchte Abdichtung blieb erfolglos.

Im Jahre 2000 untersuchten der Hallstätter Tauchpionier Gerhard Zauner und der Rutengeher Hermann Hubner den See  im Bereich des Stollens. Etwa 50 m vom Ufer in 22 m Tiefe orteten sie eine schwefelhaltige Quelle, welche mit 17 Grad C  in das Seewasser eintritt.

Am 20. Jänner 2001 bin ich mit dem Rutengeher Helmut Lichtenegger in den Stollen gegangen. Lichtenegger hat dabei folgende Aussage gemacht:

1.  Das warme Wasser ist im hintersten (östlichen) Teil der Stollenanlage spürbar und zwar in dem verstürzten Gangteil, welcher sich zum Hallstättersee  zieht. Das Wasser rinnt in 3 m Tiefe, hat 28 Grad C und weist geringe Schüttung auf.

2. Vom „Gottesgabbrunnen“ beim Stolleneingang und am Seeufer ist die Therme spürbar, welche sich dann ostwärts in Richtung des Gosaubach und weiter bis kurz vor Hallstatt zieht. An der Westseite des großen Parkplatzes bei der Gosaumühle erstreckt sich ein Graben in Richtung des Soleleitungsweges. In diesem Steilgraben gibt es kleine Pyrite. Dieses „Katzengold“ könnte auch auf eine ehemalige Schwefelquelle hinweisen. Lichtenegger glaubt, dass hier am Grabenbeginn in nur vier bis fünf  Meter Tiefe das „Warme Wasser“ rinnt.

3. Etwa in der Mitte vom Eingangsstollen quert ein Kaltwassergerinne Richtung Osten.

4. Lichtenegger ist überzeugt, dass schon in der Römerzeit etwas nördlich vom Stolleneingang einige kleine Hütten standen. Der Anfangsteil des Stollens verläuft exakt entlang einer Magnetlinie.


Der Stollen als Therapiestation: Als ehemaliger Obmann des Höhlenvereines Hallstatt-Obertraun wusste ich aus Erfahrung, dass sich die Forscher trotz Kälte und Feuchtigkeit in der Unterwelt selten erkälten. Ich gründete um das Jahr 1975 eine Arbeitsgruppe, welche sich mit der Speläotherapie befasste. Die Leitung übernahm der prakt. Arzt und Höhlenforscher Dr. Rudolf Bengesser aus Bad Goisern. Der Arzt nahm mehrmals Patienten mit Atemwegserkrankungen in den Stollen mit. Nach einigen Stunden Aufenthalt an mehreren Tagen füllten sich die Erkrankten wesentlich besser.

Bei dieser „Höhlentherapie“ im Bereich der Naturheilkunde wirken verschiedene Faktoren wie Feuchtigkeit, Temperatur, ionisierte und staubfreie Luft zusammen. Untersuchungen dieser Art wurden auch in der Koppenbrüllerhöhle bei Obertraun und im Schwarzenbachloch bei Bad Goisern angestellt.


Bild 1:  Auch bei strengen Wintern bleibt die Uferzone im Bereich des Stollen immer eisfrei.

Bild 2: Diese offene Stellen heißen "Kehrbrunnen" und diese sind noch 30 m vom Ufer entfernt zu sehen.

Bild 3: Der markante Felssturz aus dem Jahre 1952 weist auf die labile Gebirgszone oberhalb dem Stollen hin.

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                                                         WEITERE SCHWEFELQUELLEN IM SALZKAMMERGUT

 

Die Schwefelquelle bei der Gosaumühle: In der Nähe des „Warmen Wasser Stollen“ existierte noch eine Schwefelquelle, welche heute nicht mehr nachweisbar ist. Schultes schreibt im Jahre 1809 in „Reisen durch Oberösterreich“: „Schwefel kommt in Hallstadt, im Salzberg selbst vor. Unten am Hallstädtersee, am westlichen Ufer quoll noch vor einigen Jahren eine im Jahre 1729 entdeckte 11 ½ Grad warme oder vielmehr kalte sogenannte Schwefelquelle. Man wollte sie benützen und sie ersäufte.“

Othmar Schauberger zitiert in seinem Buch „Die Mineral-und Thermalquellen im Bereich des ostalpinen Salinars zwischen Salzach und Enns“ ebenfalls die Quelle, gibt aber als Entdeckungszeit das Jahr 1772 an.

Anscheinend wurde die gleiche Quelle im Jahre 1847 „wiederentdeckt“.

So schreibt C. Schraml im dritten Band von „Studien zur Geschichte des oberösterreichischen Salinenwesens“ folgendes: „Im Jahre 1847 entdeckte  der Gastwirt Josef Kefer aus Goisern am Gehänge der von Steeg nach Gosaumühle führenden Straße vor ihrer Abzweigung nach Gosau 18 Klafter (=34 m) unterhalb der Soleleitung eine Schwefelquelle, die sich über den Gehängeschutt ausbreitete und bei einer Außentemperatur von –5 Grad R bis 17 Grad R Wärme besaß. Kefers Bemühungen, die Quelle zu fassen, waren aber vergeblich.“


 

Die Schwefelquellen auf der Pötschen: Auf der gegenüberliegenden Seeseite in der Ortschaft Pötschen existieren drei weitere Quellenaustritte mit Schwefel und anderen chemischen Verbindungen. Die Quellen befinden sich bei rund 600 m MH nördlich der Ortschaft Sarstein in der Nähe des Kreidebaches.  Am besten zweigt man an  der  alten Pötschenstraße zur alten Grabenmühle (Sarstein Nr. 12) ab und steigt etwa 10 Minuten entlang des  Kreidebaches im Waldgelände leicht aufwärts.  Die Quellaustritte liegen in Abständen von 23 m bzw. 5 m hintereinander auf der orthografisch rechten Seite und man „riecht“ sie angeblich schon von weitem.

Ich habe zwei dieser Quellen im Hochsommer 2010 trotz intensiver Suche nicht mehr gefunden. Die ursprüngliche kleine Holzeinfassung von einem halben Quadratmeter Größe war in der Botanik nicht mehr auszumachen oder die Quelle wurde durch die letzten Hochwässer verlegt.

Nach den Unterlagen  von  Schauberger wurden die Quellen  im Jahre 1968 balneologisch  untersucht. Zwei der Quellen konnten als Natrium-Chlorid- Schwefelwasser bezeichnet werden. Die mittlere Quelle ist ein Natrium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Schwefel-Wasser. Eine dieser Quellen und der anstehende Letten wird noch gelegentlich von Einheimischen zur Behandlung von Hautausschlägen genutzt. Für eine wirtschaftliche Nutzung ist die Schüttung der einzelnen Austritte insgesamt zu gering.

Othmar Schauberger meint, dass eine Zusammenfassung aller drei Quellen möglicherweise doch zum Erfolg führen könnte.

Es handelt sich bei den Quellaustritten vermutlich um die gleiche tektonische Störungslinie, welche vom „Warmwasserstollen“ kommend quer unterirdisch durch den Hallstättersee verläuft.


 

Die Bohrlochquelle in Steeg: Im Jahre 1966 wurde in der Ortschaft Au bei Steeg eine Versuchsbohrung auf Salz durchgeführt. Das Material bis zu einer Tiefe von 137 m bestand aus Schotter- und Sandschichten, also eindeutig Ausfüllungen aus den letzten Zwischeneiszeiten. Der weitere Untergrund bis in 490 m Tiefe besteht aus Werfener Schiefer, welcher die Salzlager abdichtet. Man bohrte dann noch bis in eine Endtiefe von 1330 m, wobei hier das Material vorwiegend aus Mergelkalken bestand. Das erhoffte Salzgebirge wurde nicht angetroffen.

An der Grenze vom Quartärschotter im Werfener Schiefer bei etwa 140 m Tiefe konnte schon während der Bohrung eine ungewöhnlich hohe Temperatur von 52 Grad C  gemessen werden. Später wurden aber nur mehr Werte zwischen 20 und 26.5° Grad  C gemessen, vermutlich weil durch das eingeführte Konduktrohr die Wasserzufuhr abgesperrt wurde.

Die balneologische Untersuchung ergab im Wasser Anteile von Natrium, Calcium, und Magnesium.


 

Die Jod-Schwefelquelle von Goisern: Diese Quelle nördlich von Goisern am Fuße der Ewiger Wand (Ewige Wand) wurde um das Jahr 1875 herum bei der Suche nach Salz erschrottet. Bei der Durchbohrung von Sand-  und Schotterschichten stieß man in 64 m Tiefe auf Kalk und bei 422 m auf Dolomit. Bei 657 m Tiefe wurde die Bohrung eingestellt.

Zwischen 309 m bis 575 m erfolgen mehrere Schwefelwasserzuflüsse. Das Maximum betrug knapp 18.000 Liter pro Stunde. Die Auswertung der Quelle wurde vom „Goiserer Heilquellverein“ durchgeführt und bereits im Jahre 1884 eine Badeanstalt errichtet.

Auffällig ist der Rückgang der Ergiebigkeit im über hundertjährigen Beobachtungszeitraum, ebenso die Auslauftemperatur von ursprünglich 20.5 Grad C auf 18.7 Grad C. Der Badebetrieb wurde mittlerweile eingestellt, dieser soll aber in einigen Jahren wieder aufgenommen werden.

Nach Othmar Schauberger, den besonderen Kenner der Geologie im Salzkammergut, ist die Quelle als fluorhältige Natrium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Schwefel-Quelle mit akratischer Konzentration anzusprechen. Nachdem aber der Jodgehalt unter dem vorgeschriebenen Mindestgehalt liegt, ist die Bezeichnung – nach Aussage von Hofrat Othmar Schauberger - JOD-Schwefelquelle eigentlich unzulässig! 

Vollständigkeitshalber sind noch einige weitere Thermal- bzw. Schwefelquellen aus der weiteren Umgebung angeführt.

Von größerer Bedeutung sind vor allem die Schwefelquellen im Lauffener Erbstollen. Es handelt sich dabei um drei verschiedenen Quellenaustritten, wobei eine davon medizinisch in den Kuranstalten von Bad Ischl genutzt wird.

Einige Schwefelquellen gibt es auch nördlich von Bad Ischl in der Ortschaft Mitterweißenbach. Die örtliche Bezeichnung „Stinkendbühel“ deutet schon auf den intensiven Schwefelgeruch hin. Nach der balneologischen Beurteilung haben die Mitterweißenbacher Mineralquellen zu wenig zweiwertigen titrierbaren Schwefel, um an Bedeutung zu gewinnen.

In Bad Ischl gab es auch die  einst bekannte Wirerquelle, welche in einen eigenen Trinkpavillion gefasst wurde. Diese Calciumcarbonat-Quelle mit ganz wenig Kochsalzanteil war schon um 1619 bekannt und wurde vom Ischler Arzt und Wohltäter Dr. Wirer um 1840 gefasst. Im Zuge der Straßenregulierung wurde die Quelle um 1925 verschlagen. Die einstige bronzene Quellennymphe (Najade) vom abgetragenen Pavillion steht derzeit etwas versteckt hinter dem Stadtmuseum Bad Ischl. Eine Örtlichkeit mit den Namen Wirerquellgasse erinnert noch heute an das einstige heilkräftige Wasser. Die Quelle selbst ist laut Rutengeher Helmut Lichtenegger noch vorhanden und rinnt in geringer Tiefe östlich der „Gisela Villa“ Haus Dr. Thomas Huemer,  Frauengasse 4.

Die Maximilian-Quelle in der Maxquellgasse ist ähnlich der Wirerquelle eine einfache kalte Calciumcarbonatquelle.

Die Maria-Luisen-Quelle westlich von Bad Ischl ist schon sehr lange bekannt und wird als kalte Natrium-Chlorid-Quelle (Kochsalzwasser) bezeichnet. Diese Quelle befindet sich jetzt im Privatbesitz.

Die Mineralquelle im Rabennest, ebenfalls westlich von Bad Ischl erschrottet, enthält Kochsalz und eine größere Menge von Calcium- und Magnesium-Sulfat.

Helmut Lichtenegger hat bei den Robinsongründen im Gemeindegebiet von Bad Ischl eine sehr starke Therme „gespürt“,  welche quer unter der Straße verläuft. Die Häufigkeit der Autounfällen in diesem Bereich ist übrigens ein weiteres Indiz für das Vorhandensein von Wasseradern bzw. geologische Störzonen.

Von größter Bedeutung für die Gemeinde Mitterndorf im Ennstal sind die Thermen von Heilbrunn. Diese werden jetzt aktuell als „Grimmingtherme“ vermarktet. Die Heilquellen kommen aus einer Tiefe bis zu 2400 m und haben eine Ursprungstemperatur von 43 Grad C. Schon die Römer nutzen diese Quellen, wie Funde aus dem 3. Jhd. n. Chr. bezeugen. Balneologisch handelt es sich um Calzium-Magnesium-Sulfat-Mineral-Thermalwasser.


 

Zukunftsperspektiven: Über die Jahrhunderte hinweg liegen nun eine Menge Faktoren vor. Dazu gehören die vielen Temperaturaufzeichnungen, Beobachtung der „Kehrbrunnen“ im See, die jahrzehntelangen Erfahrungen der Stollenbauer, die Gutachter der Geologen, Balneologen, Hydrologen sowie die Hinweise der Rutengeher und Taucher. Dazu gehören auch die Untersuchungsergebnisse  von den Schwefelquellen und Tiefenbohrungen aus der nächsten Umgebung. 

Es ist unbestreitbar, dass sich auch im Goiserertal ungeahnte „Bodenschätze“ verbergen. Im Zuge der immer teurer werdenden Energieversorgung und dem absehbaren Ende der fossilen Brennstoffe sollte man neuerlich überdenken, neben den Erdwärmepumpen diese natürlichen Ressourcen zu nutzen.

Im Hinblick auf das warme Wasser in der Gosaumühle sind meiner Meinung nach mehrere Perspektiven denkbar.

1. Eine Versuchsbohrung auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Dazu müsste ein Bagger auf der Bergseite in Richtung Gosaumühle auf eine Länge von rund 20 m den Schutt wegräumen. Dann wäre eine Probebohrung durchzuführen und zwar alle Meter mit einer Tiefe von 6 m. Die Wahrscheinlichkeit, auf die Therme zu stoßen, ist relativ hoch. Wahrscheinlich wäre die Wassertemperatur sogarwesentlich höher als bei der bekannten Austrittstelle.

2. Eine Probebohrung beim Parkplatz Gosaumühle wäre ebenfalls interessant. Auf der Bergseite deutet schon die steile Kluft mit Vorkommen von Pyriten auf eine eventuelle Thermaltätigkeit hin. Nach Meinung des Rutengeher Helmut Lichtenegger rinnt das Thermalwasser in nur drei Meter Tiefe.

3. Bei der im Jahre 1966 durchgeführten Versuchsbohrung in Steeg, Ortsteil Au, Gemeinde Goisern wurde bekanntlich in 140 m Tiefe eine Wassertemperatur von 52 Grad C gemessen. Es ist mir unverständlich, dass man hier keine weiteren Aktivitäten gesetzt hat. Gab es hier ein „Konkurrenzdenken“ mit dem damals noch aktiven Jod-Schwefelbad nördlich von Goisern?

4. Wenn man die Schüttung beim Gottesgabbrunnen hochrechnet, so kann mit in 24 Stunden mit mindestens 100 Kubikmeter Warmwasser rechnen. Ausreichend für ein Bad in der Gosaumühle oder Beheizung eines Treibhauses.

 


Schriftenverzeichnis

J.A.SCHULTES: Reisen durch Oberösterreich. 1809.

Friedrich SIMONY: Bericht über die warmen Quelle am Hallstättersee. 1843.

E. KITTL: Geologische Exkursionen im Salzkammergut. Führer für die Exkursion im Salzkammergut. Wien 1903.

C. SCHRAML: Studien zur Geschichte des österreichischen Salinenwesens. Bd. 3. Seite 408, 1930.

Friedrich MORTON: Das „Warme Wasser“ am Hallstättersee. Archiv für Hydrobiologie, Bd. XXIV, S.543-546, 1932.

Friedrich MORTON: Eine neue Warmwasserquelle am Hallstättersee. Archiv für Hydrobiologie, Bd. XXXIX, S.690-692, 1944.

Friedrich MORTON: Weitere Beobachtungen am „Warmen Wasser“. Archiv für Hydrobiologie, Bd. LII, S.449-450, 1956.

F. SCHEMINSKY: Aktenvermerk über eine 2. Besichtigung des Hoffnungsstollens bei der Gosaumühle zur Wiedererschließung einer verschütteten Thermalquelle vom 2.10.1959.

LAIMER: Chronik von Goisern. Seite 111-112.

Othmar  SCHAUBERGER: Gutachtliche Äußerung über die Erfolgsaussichten für den weiteren Vortrieb des Suchstollens nach dem „Warmen Wasser“ am Hallstätter See vom 15.11.1965.

H. FELBER:  Altersbestimmung von Grubenhölzern aus dem „Warmwasser“-Suchstollen am Hallstätter See nach der Radiokohlenstoff – Methode. Mitteil. des Institutes für Radiumforschung Wien, Nr. 588 v. 21.4.1966,S.62.

Karl PILZ: Die Geschichte des Heilbades und Luftkurortes Bad Goisern. Heimatverein Bad Goisern. Band 1, 1976.

Othmar SCHAUBERGER: Die Mineral- und Thermalquellen im Bereich des ostalpinen Salinars zwischen Salzach und Enns. Seite 44-53, 1979.

Anton ACHLEITNER: Temperatur im Thermalstollen Steeg. Höhlenkundliche Vereinsinformation Heft 1-1983. Seite 25-32.

Erhard FRITSCH: Mitteilungen des Landesvereines für Höhlenkunde in Oberösterreich, 38. Jahrgang, 1991/1, Seite 7.

C. PRAMESBERGER: „Mein langes Leben.“ Buch erschienen 1995. Seite 236-239.

A. SAVEL: Der Hallstättersee und sein Warmes Wasser. „Traunspiegel.“

Norbert LEUTNER: "Das Warmwasser am Hallstättersee". Buch erschienen im Eigenverlag. Jahr 2010. Vergriffen.

 

 

+  +  +    www.norbertleutner.at    +  +  +

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