DER HISTORISCHE SALZBERGBAU BEI BAD ISCHL

Im Jahre 1563 wurde offiziell der Ischler Salzberg eröffnet. Mit dem ersten Stollenanschlag vor mittlerweile über 450 Jahren bis heute erstreckt sich eine ungemein wechselhafte Geschichte. Viele Generationen von Bergmännern aus dem heutigen Bad Ischl und Umgebung haben ihr ganzes berufliches Leben in den Stollen verbracht oder verdingten sich als Holzknechte, Salinenarbeiter oder Schiffer an der Traun. So wie in Hallstatt und Bad Aussee war das „weisse Gold“ der Mittelpunkt des Lebens. Man denke an die Bergknappen, welche gerade in der Pionierzeit jahrelang mühselig zentimeterweise im tauben Felsgestein vordrangen, bis sie endlich das Salzlager erreichten. Wie viele Hoffnungen und Enttäuschungen und persönliche Schicksale sich damit verbunden, kann man heute nur mehr ahnen.

Mittlerweile ist es stillgeworden um den Ischler Salzberg. Aus wirtschaftspolitischen Gründen wurde der Bergbau am Beginn des dritten Jahrtausends eingestellt. Viele Stollen sind verfallen und teilweise nicht mehr genau lokalisierbar. Die meisten ehemaligen Knappenhäuser und Wirtschaftsgebäude sind in einen desolaten Zustand und nicht mehr bewohnbar.

 

Etliche der ehemaligen Salinenmitarbeiter sind heute in der wohlverdienten Pension oder bereits verstorben. Damit geht zunehmend auch das Wissen um den ehemaligen Salzbergbau und das dazugehörige Brauchtum immer mehr verloren.

Was wäre Bad Ischl heute ohne den Segen durch das Salz? In dieser Serie möchte ich die abwechslungsreiche Geschichte des Ischler Salzbergbaues und der ehemaligen Saline wiedergeben.

Gottseidank hat sich in Bad Ischl nun eine Interessengruppe gefunden, welche vorwiegend aus Bergmännern aus der Ortschaft Perneck besteht. Von diesen Personen habe ich viele wertvolle Informationen erhalten, wo ich mich an dieser Stelle herzlich bedanke. Diese Idealisten haben es sich zur Aufgabe gemacht, alte Stolleneingänge zu reparieren und Bergbaumonumente für die Nachwelt zu erhalten. Ebenso ist es ein großes Anliegen, die schöne Bergkapelle zu erhalten.

 

Im Jahre 2017, also 454 Jahre nach der Eröffnung, gibt es die folgende Situation: Von den insgesamt siebzehn Stollen führen noch acht Horizonte in den Berg. Von sieben Stollen ist nur mehr ein Gedenkstein vorhanden und die restlichen zwei Objekte sind nicht mehr genau lokalisierbar. Die fünf Wasserstollen und ebenso vielen Versuchsstollen sind nicht mehr auffindbar. Die Saline in Bad Ischl ist Vergangenheit. Salzschiffer, Traunrösser für den Gegenzug und der gehobene Stand der Salzfertiger ist ebenfalls Geschichte. In relativ guten Zustand erhalten geblieben ist die mittlerweile die  270 Jahre alte Bergkirche.



Bild 1:  In der Nähe dieser lieblichen Reinfalzalm in rund 1.000m Seehöhe befinden sich etliche Stollen.

Bild 2: Auf einer  Glöcklerkappe befindet sich dieses Motiv vom Ludovica-Stollen.

Bild 3: Die Pernecker Bergkirche im Zentrum von mehreren Stollen wurde  1751 erbaut.


DIE OFFIZIELLE ENTDECKUNG DES ISCHLER SALBERGES

 

Kaiser Ferdinand I. hatte ein vorwiegend finanzielles Interesse am Salzbergbau. In seiner Regierungszeit (1556 – 1563) konnte der Hallstätter Salzberg und die Saline trotz Vollbeschäftigung den Bedarf nicht mehr decken. Man überlegte, trotz aufkommenden Mangel an Brennholz den Bau einer dritten Salzpfanne in Hallstatt zu errichten..

Nun kam die Nachricht von einem neuen Salzvorkommen im Raum von Ischl wie gerufen. 1562 hatte der Verweser Hans Adam Praunfalk aus Aussee „im Geigenthal hinter der schwarzen Wand, nicht gar weit weg von Ischl, eine gesalzene Lacke und noch an demselben Gebirge oberhalb der Reinfalzangers gleichfalls eine Saure Lacke“ gefunden.

Nach der sofort erfolgten Besichtigung durch den Gmundner Salzamtmann Neuhauser meldete derselbe das Salzvorkommen in die Hofkammer nach Wien. Etliche Vorteile wie der Standort, Holzreichtum, kürzerer Transportweg und nicht zuletzt die erwähnte Zwangslage führten zu einer schnellen Entscheidung durch die Regierung. So kam es, dass schon ein Jahr später der erste Stollen angeschlagen wurde. Die Eröffnung dieses Mitterberg-Stollen erfolgte am 27. Juli 1563.

 

Dieser Tag gilt heute offiziell als das Datum für die Eröffnung des Ischler Salzberges.

 

1567 erfolgte der Anschlag des tiefer liegenden Alten Steinberg-Stollen und zeitgleich die Eröffnung des Lipplesgraben-Stollen. Man ahnte damals noch nicht, dass man zwei verschiedene Salzstöcke angefahren hatte. Nach den anfänglichen Erfolgen im Ischler Salzbergbau erfolgte bald darauf die Ernüchterung, als man ziemlich schnell wieder mit dem Stollenvortrieb in das taube Felsgestein stieß. Man hatte in allen drei Stollen die obere Salzgrenze angefahren. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts stieß man auf das tiefer liegende und ergiebige Pernecker Salzlager.

 

Weiters gab es im Bereich vom Ischler Salzberg mehrere Knappenhäuser, dazugehörige Wirtschaftsgebäude und Stadl, eine Säge, eine Köhlerei, eine Erzverhüttung und eine Vitriolsiederei. Es gibt Indizien, welche bereits auf eine spätmittelalterliche Salzbergbau hinweisen. Auf diese Theorie wird im Laufe dieser Serie noch eingegangen.


Der MITTERBERG-STOLLEN wurde am 27. Juli 1563 angeschlagen und gilt offiziell als ältester Stollen am Ischler Salzberg.

 

Man konnte damals noch nicht wissen, dass man hier die obere Grenze des Lauffener Salzlagers erreicht hatte. Der später entdeckte Pernecker Salzstock ist von der Lauffener Salzscholle von einer 1.500 m mächtigen tauben Gesteinsschicht aus Jurakalk getrennt. 

 

Der heute komplett verschüttete MITTERBERG-STOLLEN in 886 m MH war usprünglich 130 m lang, wobei der Salzstock selbst nur 55 m aufwies.

  

Der Stollennachbau wurde von der  „Interessengemeinschaft Mitterbergstollen“ anlässlich des 450 Jahre Jubiläums am 27. Juli 2013 nachgebaut.

 

Vier Jahre später wurde 34 m tiefer gelegene  der ALTE STEINBERG-STOLLEN eröffnet und damit der MITTERBERG-STOLLEN unterfahren. Damit wurde nach Halleiner Vorbild das erste Ablasswerk im Salzkammergut angelegt.. 

Leider erwies sich diese ganze Lagerstätte als sehr klein und man hatte viele Schwierigkeiten mit dem eindringenden Wasser.

 


Weitere historische Daten:

 

Mit dem Anschlagen des Mitterberg-Stollen am 25. Juli 1563 musste zugleich die Vitriolgewinnung bei der höher gelegenen Reinfalzalm wegen hohen Holzverbrauch eingestellt werden.

 

Im Jahre 1571 wurde erstmals eine hölzerne Soleleitung zur gleichzeitig eröffneten Saline Ischl gelegt. Diese floss aus dem Alten Steinbergstollen, welcher 1567 eröffnet wurde,

 

Im Jahre 1603 – genau fünfzig Jahre nach der offiziellen Eröffnung des Ischler Salzberges – gab es sechs salzführende Stollen, vier stillgelegte Erz- bzw. Vitriolstollen, drei aufgelassene Versuchsstollen, einen Wasserstollen, eine Soleleitung und die Saline in Bad Ischl. Um den Salztransport entlang der Traun kümmerten sich die Salzfertiger von Lauffen und Ischl.

 

Die schöne Bergkapelle (MH 827 m) wurde unter der Regierungszeit von Maria Theresia in den Jahren 1747 bis 1751 erbaut und 1985 saniert.

 

1776 wurde mit dem Bau des Berghauses am Josef-Stollen, 1777 mit der Errichtung des Berghauses und der Bergschmiede beim Maria-Theresia-Stollen begonnen. Nach deren Fertigstellung im Jahr 1778 wurden die beiden alten Knappenhäuser am Frauenholz-Stollen beziehungsweise am Elisabeth-Stollen abgetragen

 

1825 wurden in der damals veröffentlichten Urmappe (Franzeisischer Kataster) folgende Stollen angeführt: Leopold Stolle, Theresien Stolle, Joseph Stolle, Ludovika Stolle, Elisabeth Stolle, Amalien Stolle, Frauenholz Stolle, Lipples Graben Stolle, Neuberg Stolle, Johannes Stolle. Weiter Wasser Stolle (südöstlich Reinfalzalpe), Kohlstatt (sw. Mathias Stolle), Klaus Saag (obh. Ludovica Stolle), Oetz (östl. Knappenhäuser).

 

Der Franz Josef Erb - Stollen in Lauffen wurde als letzter Horizont 1898 eröffnet. (Bei 2.366 m bzw. 2.526 m wurden die Schwefelquellen, die heutigen Kurmittel für Bad Ischl, angetroffen.)

 

Im Jahre 1933 wurden alle höher gelegenen Bergwerke außer dem Amalia-Stollen „totgesprochen“. Dieser Horizont dient heute als Wasserstollen.

 

1965 erfolgte die Stilllegung der Saline im Zentrum von Bad Ischl. Zwei Jahre später begann die erste Versuchslaugung im Sondenfeld Sulzbach im Gemeindegebiet von Bad Ischl.

 

2000 war das Ende der Besucherbefahrung, welche durch den Maria Therersia Stollen erfolgte. Ursprünglich erfolgte die Fremdenbefahrung durch den heutigen Ludovica-Stollen, der damals nach Maria Theresia-Stollen hieß.

 

2011 war das Ende der untertätigigen Soleproduktion. Es ist still geworden am Ischler Salzberg.


 

DIE SALZSTOLLEN.  

Sortiert nach dem Eröffnungsjahr.

 

 

Nr

Bezeichnung

Jahr

Länge

m

MH

m

Bemerkungen

1

MITTERBERG-STOLLEN *

1563

130

866

Ältester Stollen, Stolleneingang-Nachbau.

2

ALTER STEINBERG-STOLLEN *

1567

380

832

Altes Salzlager, genaue Lage unbekannt.

3

LIPPLESGRABEN-STOLLEN

(ehemals Obernberg)

1567

236

1001

Verschüttet, Hütte vorhanden

Stolleneingang nachgebaut.

4

MATTHIAS-STOLLEN

1577

420

959

Abgesperrt, Nähe Reinfalzalm. Hüttenreste vorhanden.

5

NEUBERG-STOLLEN

1586

950

909

Nur noch oberster Stolleneingangsteil sichtbar.

6

FRAUENHOLZ-STOLLEN

1610

456

880

Nähe „1000 Stufen“., verschüttet. Portal nachgebaut.

7

AMALIA-STOLLEN

1687

572

851

Stolleneingang abgesperrt, heute als Wasserstollen

8

RABENBRUNN-STOLLEN *

1692

1.000

800

Altes Salzlager, verschüttet. Rampe.  Mauerreste.

9

ELISABETH-STOLLEN

1712

750

812

Verschüttet. Neben Gradenbach. Gedenkstein vorhanden..

10

NEUE STEINBERG-STOLLEN *

1725

280

862

Altes Salzlager, genaue Lage unbekannt.

11

NEPOMUK-STOLLEN

1725

230

991

Abgesperrt, Nähe Reinfalzalm. Gedenkstein.

12

MARIA-LUDOVICA-STOLLEN

1747

1.013

764

Neben der Salzbergstraße mit beschrifteten Portal. Abgesperrt.

13

JOSEF-STOLLEN

1751

1.195

723

Kleine Tagöffnungen neben Bach bzw. Salzbergstraße. Stollenatrappe.

14

MARIA-THERESIA-STOLLEN

1775

1.590

680

Ehemals Schaubergwerk bis zum Jahre 2000.

15

FRANZ II-STOLLEN

1794

884

588

Erreichte nie das Salz. Abgesperrt.

16

LEOPOLD-STOLLEN

1794

1.800

643

Abgesperrt. 

17

FRANZ-JOSEF-ERBSTOLLEN

1895

2.860

503

Bei Lauffen (Tal) mit Schwefelquelle.

  Die mit * gekennzeichneten Stollen gehören den "alten Salzlager" (Lauffner Salzstock) an.

 


Lipplesgraben-Stollen  mit Hütte  -  Matthias-Stollen mit Hüttenreste  -  Gedenkstein beim Neuberg-Stollen - Frauenholz-Stollen (Portalatrappe)  -  Mauerrese beim Rabenbrunn-Stollen. 

 


Elisabeth-Stollen (Gedenkstein)  -  Erbstollen bei Lauffen  -  Theresia-Stollen (ehemals Schaubergwerk)  -  Amalia-Stollen (heute Wasserstollen)  -  Ludovica-Stollen.


 

WASSERSTOLLEN waren für den Betrieb und die Sicherheit von großer Bedeutung. Solche Stollen bis zu 100 m Länge gab es westlich der Reinfalzalm, bei der Zwerchwand, beim Mitterberg--Stollen und beim Hohen Rosenkogel.

 

 

VERSUCHSSTOLLEN wurden, wie der Name es ausdrückt, zur Salzsuche in den Berg getrieben.  Es wurden im Jahre 1575 je ein Stollen in Moosegg und in Rossmoss angelegt. 1725 versuchte man gleichzeitig in Goisern, Ortschaft Rehkogl, und am Ischler Hubkogel in den Salzstock zu gelangen.

  

BRAUNEISENERZ-, VITRIOL- UND BLEIERZSTOLLEN gab es höchstwahrscheinlich schon um das Jahr 1500 und mussten wegen dem hohen Holzbedarf mit dem Beginn des Salzbergbaues eingestellt werden.

 

 

Bezeichnung

Jahr

Länge

m

MH

m

Bemerkungen

 

UNTERE VITRIOLSTOLLEN

1500?

40 

1.018 

Starke Wetterführung. Sehr eng.

 

MITTLERE VITRIOLSTOLLEN

1500?

1.040 

Nur mehr Halde vorhanden

 

OBERE VITRIOLSTOLLEN (Hütterstollen)

1500?

44

1.105 

Interessante Anlage. Schwer auffindbar.

 

BLEIERZSTOLLEN

?

940 

Im Anzenberg

 

 

 

Anmerkung: Siehe auch in der gleichen Homepage "DIE HISTORISCHEN ERZ- UND VITRIOLSTOLLEN BEI BAD ISCHL"  und  "DER DICKLBERGER-THEMENWEG AM BAD ISCHLER SALZBERG".

 

 

 

 

Allgemeine Literaturhinweise: Die bekanntesten Werke rund um den Ischler Salzberg stammen von Antonius Dicklberger,  Carl Schraml, Günther Hattinger, und Othmar Schauberger. In jüngérer Zeit haben sich vor allem Thomas Nussbaumer, Leopold Schiendorfer, Erich Ramsauer, Franz Federspiel und Alexander Savel mit dem historischen Bergbau beschäftigt. Hier müssen besonders die "Mitteilungen des Ischler Heimatvereines"  Folgen 21, 32 und 35 erwähnt werden.

 

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