SCHNECKEN IN DER GOSAUKREIDE

Die ersten marinen Schnecken (= Gastropoden, die neben Muscheln und Tintenfischen zum Stamm Mollusken = Weichtiere) gehören) lebten bereits vor 570 Millionen Jahren in den damaligen Urmeeren. Im Laufe der Evolution haben sich zahlreiche Arten entwickelt und eroberten später auch auf dem Landweg fast die ganze Erde. In den Urmeeren, somit auch in der oberen Kreidezeit (Gosaukreide), lebten diese Weichtiere meistens in den flachen Wasserzonen, welche noch vom Sonnenlicht erreicht wurden. Die Nahrung bestand hauptsächlich aus Algen. Zum Schutz des Körpers bauten die Tiere aus Kalk und Aragonit die verschiedensten Formen von rundlichen, oft spiralförmigen Gehäusen aus.

Das Gebiet um Gosau in Oberösterreich am Fuße des Dachsteingebirges ist ein Eldorado für Fossiliensammler. Ebenso der Nachbarort Rußbach, welcher im Bundesland Salzburg liegt. Diese beiden Gemeinden werden landschaftlich durch den Pass Gschütt getrennt.

Schnecken aus der Oberen Kreidezeit findet man in einigen Wasserläufen, Felswänden und Gräben in der erwähnten Region. Berühmt ist vor allem die Schneckenwand oberhalb von Rußbach, wo bisher massenhaft Tiere der Gattung Trochactaeon gefunden wurden. Diese Gattung ist älteren Sammlern unter dem Namen "Acteonella" bekannt. Trochactaeon stellt innerhalb der Familie Acteonellidae jetzt eine eigene Gattung dar. Die Entstehungsbedingungen sind noch nicht restlos geklärt. Früher glaubte man an ein Brackwassermilieu. 2018 werden im Bereich der Schneckenwand weitere geologisch-paläontologische Untersuchungen über die Entstehung durchgeführt. Geologisch gesehen gehören die Trochactaeeren zu den fossilreichen Hochmoosschichten, welche im jüngeren Santonium, also vor ca. 86 Mill.  bis 83 Millionen Jahren, abgelagert wurden. In den Hochmoosschichten findet man auch die formschönen Schnecken mit der Bezeichnung Ampulina, die länglichen Nerinea und viele weitere kleine und mittelgroße Formen.

Bei der Schneckenart "Ampulina" findet man oftmals die sogenannten Steinkerne. Bei diesen Schnecken wurde nach dem Absterben der eigentliche Weichkörper durch Sedimente ersetzt und die Schale selbst ist verschwunden. Dabei ergeben sich je nach chemischer Zusammensetzung der Sedimente unterschiedliche Farben. Ob diese fossilen Schnecken ebenso schöne Gehäusefarben hatten wie manche der heutigen Arten ist unbekannt.


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Trochactaeen gehören zu den häufigsten und schönsten Schneckenarten. 

 

Bei der Schneckenwand oberhalb von Rußbach (Bundesland Salzburg) wurden möglicherweise die Überreste massenhaft zusammen geschwemmt und die Hohlräume mit  Sedimenten angefüllt. Wie erwähnt sind die Entstehungsbedingungen noch nicht restlos geklärt.

Die geschliffenen Querschnitte mit drei bis sieben Windungen (die helle Farbe ist Kalzit, die dunkle Farbe ist die versteinerte Sedimentfüllung) sind bei den Damen  als Halsschmuck beliebt. 

Die abgebildete Trochactaeon ist 16 cm groß.


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Aufgrund der Initiative von Univ. Prof. Dr. Fritz Seewald/Rußbach wurde ein Teil dieser bedeutenden Fossilienzone bei der Schneckenwand unter Naturdenkmalschutz gestellt und demnächst abgesichert, um Plünderungen zu verhindern. Durch unerlaubte Abbaumethoden  wurde diese wissenschaftlich so einzigartige Fossillagerstätte ausgebeutet und teilweise zerstört. 

Es gibt noch weitere Fundstellen in Österreich, wo man diese Fossilien aus der Oberen Kreidezeit finden kann. Bekannt ist dafür auch Hieflau in der Steiermark oder Brandenberg in Tirol..

Nähere Informationen über die Obere Kreidezeit und Fundmöglichkeiten findet man in der gleichen Homepage unter „Korallen in der Gosaukreide“.

 

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Man braucht schon ein besonderes Finderglück, wenn man zwei so große und bestens erhaltene Schnecken der Gattung "Ampulina" zusammen findet. Gerade bei den größeren Exemplaren brechen häufig die Spitzen ab.

 

Ein starker Gewitterregen hat diese schönen Ampulinas aus den Ablagerungen der sogenannten Hochmoosschichten heraus gewaschen. Diese Schnecken haben ein Alter von 85 Millionen Jahren!

 

 

 


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Schneckenfunde aus meiner privaten Sammlung

 

Im Laufe von vielen Jahrzehnten gelang es mir, auch zahlreiche Schnecken und Steinkerne zu sammeln. Ich verzichte hier auf die wissenschaftlichen Bezeichnungen und verweise auf die Fachliteratur. Mir geht es hier nur darum, die Schönheit und Unversehrtheit dieser Fossilien aufzuzeigen. Alle vorgestellten Exemplare sind unbehandelt und stammen ausschließlich aus der Region Gosau und Rußbach.


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Schnecken in der Medizin

Actaeonellen (volkstümlich Wirfelsteine) wurden früher von den Bauern in den Wassertrog gelegt, um bei Schafen die sogenannte „Drehkrankheit“ zu verhindern.

 

Literaturhinweise:

Dr. Herbert Summesberger mit A. Lukeneder und Dr. Heinz Kollmann gelten als Experten der Kreidezeit und sind über das Naturhistorische Museum in Wien erreichbar.

Gero Moosleitner hat das sehr empfehlenswerte Buch „Fossilien sammeln im Salzburger Land“ herausgegeben. Dort werden auch die Fundgebiete rund um Rußbach und Gosau eingehend beschrieben.

 

Museen und Ausstellungen:

Im Rußbach befindet sich seit 2011 ein sehenswertes Fossilienkabinett, welches von Dr. Fritz Seewald geleitet wird. Hier besteht auch die Möglichkeit zur Buchung einer Fossilienwanderung für verschiedene Altersgruppen. 

In Rußbach steht neben der Kirche ein aus Fossilien erbauter Brunnen.

In Gosau hat die Familie Gapp über Generationen hinweg viele Versteinerungen gesammelt. Darunter befinden sich auch sehr schöne und seltene Schnecken. Die großartige private Sammlung im Wohnhaus kann nach Anmeldung besucht werden. Die Steinschleiferei Gapp hat ein Fossilengeschäft im Zentrum von Gosau und direkt am Vorderen Gosausee.

Im Naturmuseum Ebensee ist eine Vitrine ausgestellt, welches hauptsächlich Fossilien aus der Gosaukreide enthält.

In Bad Goisern, Ortschaft Untersee gibt es zwei private Aussteller. In diesen sehenswerten Ausstellungen sind auch Versteinerungen aus der Gosaukreide zu sehen. (Siehe in youtube „Der Arikogel am Hallstättersee.)“.

 


     Meer in der Kreidezeit          Fossilenhaltiger Randobach          Privatsammlung Gapp            Ausstellung in Rußbach


+  +  +    www.norbertleutner.at    +  +  +