STURM AM HALLSTÄTTTERSEE

Allgemeines: Der Hallstättersee befindet sich im südlichsten Teil von Oberösterreich und hat eine flächenmäßige Ausdehnung von   8.55 Quadratkilometer. Der fjordartige See in 508m Meereshöhe ist 5.9 km lang, maximal 1.38 km breit und enthält 557 Millionen Kubikmeter Süßwasser in Trinkqualität. Der Alpensee erreicht seine größte Tiefe mit 125m. Diese Stelle befindet sich etwa 150m nordwestlich der Eisenbahnbrücke.

Das Foto wurde aus dem Portal vom "Rabenkeller", einer Höhle in der Hirschaualm, aufgenommen. Links im Bild sieht man Hallstatt und gegenüber den Sarstein mit Schloss Grub.

 

 

Der drittgrößte See des Salzkammergutes verdankt seine Entstehung der letzten Eiszeit. Am Ende dieser vierten alpinen Eiszeit (Würm) vor rund 12.000 Jahren lag noch ein gewaltiger Eispropfen in der ausgeschliffenen Seewanne. Ein Damm am Nordende vom See bzw. im Goiserer Becken verhinderte das rasche Abfließen des Wassers. Der Seespiegel war dadurch bis zu 23 m höher als gegenwärtig. Die Spuren der maximalen Vereisung sind noch 1.300 m höher als der heutige Seespiegel in den Felswänden vom Sarstein zu erkennen. 

 

 

 

Der Seespiegel lag in der Römerzeit sicherlich um 2  bis 3 m tiefer als gegenwärtig. Vor und 500 Jahren wurde der See am Nordende durch eine imposante Klause aufgestaut, um die Salzschifffahrt auf der Traun zu erleichtern.

Der Hallstättersee wird von einigen, teilweise stark wasserführenden Zuflüssen gespeist. Der wasserreichste Fluss ist die Traun, welcher von Ausseerland kommend die wilde Koppenschlucht durchfließt und in Obertraun in den See mündet. Weitere größere Zuflüsse sind direkt in Hallstatt der Waldbach und der Mühlbach und weiter nördlich der Gosaubach und der Zlambach zu nennen. Etwa 30 Prozent der Gesamtmenge der Zuflüsse erfolgt unterirdisch in den See. Das Einzugsgebiet dieses Wassers liegt vor allem am Karstplateau vom nördlich angrenzenden Dachsteingebirge. Bei extremen Niederschlag werden die sonst unterirdisch verlaufenden Gewässer zurückgestaut und es kommt zum oberirdischen Austritt der Quellen. Insgesamt gibt es sieben periodisch oder episodisch aktiven Riesenkarstquellen, welche in den See münden. Bekannt sind vor allem der „Hirschbrunn“ und der „Kessel“ nahe der Landesstrasse von Hallstatt nach Obertraun. An manchen Stellen am See sieht man in der winterlichen Eisdecke ovale oder runde Öffnungen. Diese sind ein Hinweis darauf, dass vom Seegrund warme Quellen aufsteigen. Der Volksmund sagt zu den Öffnungen „Kehrbrunnen.“

Am Fuße der mächtigen Hirlatzwand existiert die kilometerlange „Obere Brandgrabenhöhle“ Im Durchschnitt alle sieben Jahre bricht aus dem Berginneren ein gewaltiger Bach  hervor. Bei diesem seltenen Ereignis wird eine meist schon akute Hochwassergefahr nochmals verstärkt. Seit einigen Jahren weiß man, diese diese Brandgrabenhöhlen der Entwässerungsbereich von der über 100 km langen "Hirlatzhöhle" ist.

Aufgrund dieser geologischen und hydrogeologischen Situation ist es kein Wunder, dass der Hallstättersee nicht zu den wärmsten Badeseen in Österreich gehört. Durch die zunehmenden heißen Sommer erreicht der See an der Oberfläche jetzt manchmal sogar eine Temperatur bis zu 22 Grad C. Der See, welcher im Sommer abkühlend wirkt, gibt im Winter dagegen sehr viel Wärme ab. So ist es in Hallstatt und Umgebung nicht so kalt wie beispielweise in Bad Ischl.

Es ist möglich, dass in den tieferen Schichten vom See noch Reste von Salz zirkulieren. Die Ursache war ein Leitungsbruch am Hallstätter Salzberg. Im Oktober 2005 flossen dabei rund 10.000 Kubikmeter Sole in den See.

Am Hallstättersee gibt es auch sogenannte „warme Quellen“. Die dazugehörige Stollenanlage mit seiner interessanten Entstehungsgeschichte befindet sich in der Nähe der Ortschaft Gosaumühle. Die mittelalterliche Badeanstalt für Hautkrankheiten und Rheuma wurde mit dem Aufstauen des Sees unter Wasser gesetzt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde von pensionierten Goiserer Bergmännern ein neuer Stollen entlang der alten Anlage in den Berg vorgetrieben. Die langjährigen und mühevollen Arbeiten waren leider umsonst, das „warme Wasser“ konnte nicht lokalisiert werden. Die insgesamt 165 m lange Stollenanlage ist mittlerweile teilweise verstürzt und der Zugang abgesperrt. (Siehe auch in der gleichen Homepage „Das Warmwasser am Hallstättersee.)“


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Ein See voller Leben

Bild 1:  Verschiedene Entenarten bevölkern im Winter den See. Nur die Schwäne sind Dauergäste.

Bild 2:  Die Reinanke ist mittlerweile zum wichtigsten Speisefisch geworden. (Foto Gerhard Zauner)

Bild 3:  Kapitale Raubfische (z.B. Hecht) kommen im Hallstättersee nur mehr selten vor.


Der nacheiszeitlich entstandene Hallstättersee hat sich im Laufe der Jahrtausende langsam mit Leben angefüllt. Durch die Flüsse gelangten Fische, Krebse und Wasservögel in den See und suchten sich ihre ökologischen Nischen in dem sauerstoffreichen Wasser. So gibt es mittlerweile sechszehn Fischarten. Zu den Raubfischen gehören u.a. Hecht, Seeforelle, Bachforelle, Barsche und Aalrutten. Es ist noch gar nicht so lange aus, da konnte man während der Laichzeit bis zu 150 cm lange Hechte in Ufernähe beobachten. Dieser Zustand hat sich grundlegend geändert. Größere Hechte oder die bis in große Tiefen lebende Seeforelle gehören zu den seltenen Ausnahmen. Die Hauptursache liegt darin, dass die ursprünglichen Nahrungsgrundlagen verschwunden sind. In den See fließen heute keine ungeklärten Abwässer mehr. Dafür haben sich planktonfressende Friedfische vermehrt. Wirtschaftlich gesehen ist nun die Reinanke noch vor dem Seesaibling der bedeutendste Speisefisch geworden. Die Reinanke gehört zur Familie der Renken und diese Fische können bis zu 6 kg schwer werden. Man kann die Reinanken im Spätherbst beobachten, wenn diese in der späten Abenddämmerung bzw. Nacht in Obertraun die Traun aufwärts zu den Laichplätzen ziehen. Andere vorkommende Fischarten wie Äschen, Aitel, Lauben, Brachsen oder Rotfeder haben wirtschaftlich keine große Bedeutung. Insgesamt hat der Fischbestand im See stark abgenommen. Auch das Aussetzen von Aalen im Traunsee hat sich als Fehler erwiesen. Diese Bruträuber sind inzwischen auch im Hallstättersee heimisch geworden.


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Die zwei Gesichter vom See

Bild 1:  Meistens ist die Oberfläche vom Hallstättersee ruhig und die Berge spiegeln sich im Wasser.

Bild 2: Der mittlere Teil vom fjordartigen See aus der Sicht von der Steingrabenschneid (Schneidkogel).

Bild 3: Manchmal friert ein Teil vom See zu. Eine komplette Eisdecke ist in der Gegenwart sehr selten.


Bild 1:  Im Westen von Hallstatt ziehen Unwetterwolken auf. Die Gefahrenlampe ist schon eingeschaltet.

Bild 2: Eine gewaltige Sturmfront zieht über den See. Der gelbe Pfeil zeigt auf die Gedenkstätte vom 18.März 1822.

Bild 3: Dieses Unwetter kommt von Norden. Im Vordergrund steht das Höhlenforscherdenkmal.


In der meisten Zeit des Jahres liegt der See ruhig in seiner Wanne. Die jahreszeitliche Flora spiegelt sich an der Oberfläche und zeigt diese Farben in allen Schattierungen. Manchmal scheint der See im Himmelsblau und nur Badegäste und Schiffe sorgen für kleine Wasserbewegungen. Gegen Abend kommen öfters leichte Westwinde auf und bewirken ein leichtes Wellenkräuseln. Manchmal wirkt der See düster und unheimlich, vor allem dann, wenn sich in der kalten Jahreszeit die Nebelschwaden bilden. Winde sind durch die geschützte Lage relativ selten und so sind am See kaum Segelboote zu finden.

Ein anderes Gesicht zeigt der See, wenn schwere Stürme auftreten. Es passiert selten, aber dann fallen Winde fast schlagartig ein und erzeugen hohe Wellen und rasche Abkühlung des Wassers. Es wird dann für Schiffe aller Art sehr schwierig, das rettende Ufer zu erreichen. So sind im Laufe der Zeit viele Menschen ertrunken. Der tiefe See gibt die Opfer meistens nicht mehr frei.

Es sind drei Arten von Stürmen, welche den See manchmal so gefährlich und unberechenbar machen. Einer davon ist der sogenannte „Waldbacheler“. Er entsteht im Westen und braust als gefürchteter Fallwind durch das Echerntal. Die erreichte Sturmstärke ist gewaltig und der Luftdruck verhindert anfangs, dass sich hohe Wellen bilden. Wer sich mit dem Schiff am See befindet, braucht viel Glück, wenn er auf der anderen Seeseite in Obertraun das Ufer erreicht. Gefürchtet ist auch der Nordsturm. Optisch entsteht dabei am Nordende von See eine waagrechte, dunkle Wolkenwand mit einen darunter liegenden hellen Streifen. In kürzester Zeit entstehen dann am See hoher Wellen, welche selbst das große Fahrgastschiff in Schwierigkeiten bringen kann. Dann gibt es noch den sogenannten „Oberwind“, welcher von Osten her, also von Obertraun kommend, den See aufpeitscht und für hohen Wellengang sorgt.

So eine Kombination von mehreren Sturmfronten sorgte für das größte bekannte Unglück, welches 39 Menschen das Leben kostete.


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Die Katastrophe vom 18. März 1822

 

So stellt sich der unbekannte Zeichner die Katastrophe vom 22. März 1822 vor.

Kinder, Frauen und Männer kämpfen um ihr Leben! In der Realität waren es vier vollbesetzte Fuhren, welche umkippten bzw. sich mit Wasser anfüllten.

Im schweren Sturm, hohen Wellengang und eiskalten Wasser ertranken  39 Einwohner von Obertraun.

Nur sechs Personen konnten sich im letzten Augenblick retten bzw. wurden gerettet

 

Das Bild stammt aus der Hallstatt-Chronik von H. J. Urstöger.


Am Montag, 18. März 1822 ereignete sich das wohl größte Unglück, was jemals am Hallstättersee stattgefunden hatte. Es passierte bei der Heimfahrt nach einem Doppelbegräbnis von zwei Obertrauner Frauen am Hallstätter Friedhof. Insgesamt 51 Personen aus Obertraun hatten bei der Bestattung von Anna Hinterer, geb. Edlinger, lutherische Schullehrerin zu Obertraun und die am gleichen Tage (16. März) verstorbene Eva Stimitzer teilgenommen.

Obertraun hatte damals noch keinen eigenen Friedhof. In dem zur Gemeinde Hallstatt gehörenden Ortschaft lebten etwa 300 Menschen. Die Männer waren hauptsächlich in der Saline bzw. im Salzbergbau in Hallstatt oder als Holzknechte beschäftigt.

Die Abfahrt aller Plätten von Hallstatt-Markt hat sich aus mehreren Gründen etwas verzögert. Wohl sah man schon die bedrohliche Verschlechterung des Wetters und die Ruderer trieben zur Eile an. Einer der sechs Fuhren konnte überhaupt erst verspätet losfahren, weil sich eine Obertraunerin verspätet hatte. Die Frau musste sich einige Schimpfworte anhören. Aber gerade diese Verzögerung rettete der ganzen Besatzung dieser Plätte das Leben.

Mittlerweile hatten fünf Schiffe schon die Seemitte erreicht, als ohne zeitlichen Übergang ein gewaltiger Sturm mit Blitz- und Donnerschlag losbrach! Die erste Fuhre erreichte noch glücklich das Land. Die sechste und zuletzt losgefahrene Plätte konnte gerade noch umdrehen und wurde in Hallstatt - Lahn an das Ufer geworfen. Von den vier in der Seemitte vorhandenen Fuhren kippten zwei um, die zwei anderen schlugen sofort mit Wasser voll. Die Insassen wurden in den tobenden See geschleudert. Für den größten Teil der Obertrauner begann schlagartig der Kampf um das Überleben. In diesem ausgebrochenen Inferno von Orkanböen, großen Wellen und eiskalten Wasserfontänen in der einbrechender Dunkelheit versuchten einige Menschen noch das Ufer zu erreichen.

Acht Personen konnten sich in letzter Sekunde selbst retten. Es waren dies Franz Kaiser, dessen Schwiegertochter Maria und seine zwei Kinder, Johann Eggenreiter, Elisabeth Schlömmer, Gottlieb Höll und Anna Maria Hofer. Vier Personen wurden durch mutige Helfer gerettet.

Für 39 Personen – vom Kleinkind bis zum Greis -wurde der Hallstättersee zum Grab. Drei Frauen erwarteten ein Kind. Die Anzahl der Verunglückten entspricht ein Siebtel der damaligen Bevölkerung. Nur acht der Leichen konnten geborgen werden. Sechs dieser Personen wurden in der Bucht von Obertraun-Winkl angeschwemmt. Zwei gerettete Frauen beendeten ihr Leben vermutlich infolge Unterkühlung in Hallstatt.

Am folgenden Tag wurden die geschockten Überlebenden nach Hause gebracht und am Mittwoch folgten hunderte trauernde Menschen den Leichenzug.

Diese Tragödie hat „im ganzen Reich großes Aufsehen und Mitgefühl für die Hinterbliebenen“ erregt. Der Kaiser ließ höchstpersönlich eine „außerordentliche Gnadenunterstützung“ zukommen. Zusätzliche private Sammlungen konnten zu mindestens die finanzielle Not etwas mindern.

 

An das Unglück erinnert noch heute eine steinerne Gedenkstätte am Seeufer bzw. Waldesrand an der Spitze der Halbinsel Grub

 

             Liste der 39 ertrunkenen Personen mit Altersangabe in alphabethischer Reihenfolge

Anmerkung: Nach dem Namen steht die Hausnummer in Obertraun und in Klammer das Sterbealter.

 

BINDER Gottlieb; Nr. 49, (63 J.),  BLAUENSTEIN Maria, Nr 5, (36 J.),  EDER Maria, Nr. ?, (?  ), EDLINGER Magdalena, Nr. 64, (57 J), EDLINGER Eva, Nr. 64, (57 J), EDLINGR Philipp Nr. 51, (65 J),  GAMSJÄGER Theresia, Nr. 44, (33 J),  GAMSJÄGER Elisabeth, Nr. 44, (18 J.), GAMSJÄGER Georg, Nr. 2, (57 J), GAMSJÄGER Leopold, Nr. 36, (58 J), GAMSJÄGER Theresia, Nr. 7, (50 J), GAMSJÄGER Theresia, Nr. 31, (33 J), HAGER Magdalena, Nr. 62, (51 J), HEUSCHOBER Maria, Nr. 40, (43 J), HEUSCHOBER Matthias, Nr, 40, (76 J),  HINTERER Gottlieb, Nr. 11, (16 J), HINTERER  Georg, Nr. 7 (19 J),  HINTERER Maria, Nr. 7,  (57 J),  HINTERER Regina, Nr. 46,  (50 J), HOFER Elisabeth, Nr. 21, (56 J),  HÖLL  Franziska,  Nr. 24, (45 J),  HÖLL Johann, Nr. 19, (19 J), HÖLL Maria, Nr. 59,  (21 J ), KAISER, Andreas, Nr. 18, ( 67 J ), KAISER Anna, Nr. ? ( ? J  ), KAISER Elisabeth, Nr. 22, (30 J), KAISER Eva, Nr. 22, (50 J ), KAISER Franziksa, Nr. 18, (23 J), KAISER Johann, Nr. 18, (4 J), KAISER Katharina, Nr. 18, (50 J), KI(E)NINGER Maria, Nr 53, (58 J), KI(E)NINGER Maria, Nr. 48, (29 J),  LIM(N)BERGER Magdalena, Nr. 22, (47 J),  LIM(N)BERGER Magdalena, Nr. 22, (14 J),  SCHEUTZ Maria, Nr. ?, (? J),  SCHILCHER Theresia, Nr. 42, (20 J), SCHÖFFER Matthias, Nr. ?, (26 J), STIMITZER Katharina, Nr. 21, (56 J), TREMEL Peter, Nr. ?,  ( ? J ).

 

Nach der Überlieferung haben KAISER Eva und HINTERER Regina (geb. TRITSCHER?) noch kurz gelebt und sind am Land verstorben. Auch hier gibt es in den Chroniken verschiedene Angaben.

Zu den Geretteten gehören laut Hallstatt-Chronik von H .J. Urstöger:  Kininger Maria und Tochter mit den gleichen Namen, Höll Franziska und ihr Sohn Johann.

 

Hinweise: Es gibt verschiedene Aufzeichnungen über die Namen der Verunglückten. Diese unterscheiden sich in mehreren Punkten, sogar in der Anzahl der Opfer. Selbst die amtlichen Totenlisten (Pfarrmatriken) der Pfarren Obertraun und Hallstatt sind nicht identisch. Man fragt sich, wer hat von wem abgeschrieben? Die vorherige Namensliste kann ich daher nur mit Vorbehalt anführen. Die meisten der Opfer waren evangelisch.

 


Auszug aus dem Obertrauner Sterbebuch vom Jahr 1822:

In der linken Spalte steht der Zeitpunkt des Unglückes: 18. März um 5 Uhr abends.

Es folgen die Namen, Berufsstand, Verwandtschaft etc. von den sieben Obertrauner, deren Körper an das Land gespült wurde.

Es handelt sich um sechs Frauen und einen Mann. Die Frauen waren evangelisch, der Mann katholisch.

In der Spalte mit den Bemerkungen steht:

"Alle 7  ( Verstorbenen) auf dem See von den Winden umgeworfen und ertrunken. Sind aber gefunden und begraben worden."


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Bild 1:  Die mittlere Säule direkt am See erinnert an die 39 Menschen, welche am 18. März 1822 ertranken.

Bild 2:  Sehr eindrucksvoll ist auf diesem Gemälde die Katastrophe dargestellt. Fotoaufnahme um 1980.

Bild 3: Von der Rückseite dieser Gedächtnissäule überblickt man einen Teil vom Hallstättersee.

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Literaturhinweise: Es gibt mehrere Berichte vom großen Unglück im Jahre 1822. Diese Aufzeichnungen unterscheiden sich in Einzelheiten. Wie bereits weiter oben erwähnt, sind die Namen der Ertrunkenen nicht immer identisch. Als sicherste Quellen dienen die Totenbücher der kath. Pfarren in Hallstatt und Obertraun. Diese sind im Internet über Aufruf in „matricula“ öffentlich lesbar. Als verlässliche Quelle halte ich die nicht veröffentlichte, sogenannte „Engleitner-Chronik.“ Der ehemalige Bergmann Leopold Engleitner aus Hallstatt hat zwischen 1813 und 1827 alle bedeutende Ereignisse aufgeschrieben und war somit ein Zeitzeuge. Weitere gute Literatur: Morton, Friedrich, Dr.: „Das Unglück auf dem Hallstätter See vom 18. März 1822“ (Oberösterreichische Heimatblätter, 1968), Urstöger, Hans. “Chronik von Hallstatt“ und Österreichischer Heimatkalender 1947".


Glück oder Vorsehung?

4. August 1979: An diesem Ferientag sollte in Hallstatt die 1. internationale Seeüberquerung (Volksschwimmen) stattfinden. Organisiert wurde diese Veranstaltung von der Wasserrettung Hallstatt unter organisatorischen Leitung von Gerhard Zauner. Bei dieser Aktion wäre es beinahe zu einer Katastrophe gekommen. Ich möchte nachfolgend meinen eigenen Erlebnisbericht anführen.

„Es war ein ganz normaler Sommertag mit leichter Bewölkung und Hochnebel über dem Echerntal. Der See lag ruhig zwischen den Bergen. Die Wassertemperatur betrug 21 Grad, also gute Bedingungen für die Schwimmer. Insgesamt 13 Personen hatten sich zu dieser Veranstaltung gemeldet. Mit drei Plätten fuhren wir die Teilnehmer von Hallstatt-Lahn zum gegenüberliegenden, 700 m entfernten Ufer in der Nähe vom Gedächtniskreuz. Um 10 Uhr erfolgte in Hallstatt-Lahn der Startschuss. Die durchwegs jugendlichen Schwimmer legten sofort ein ordentliches Tempo vor, sodass das Schwimmerfeld schnell auseinander gerissen wurde. Die Aufgabe von uns Mitgliedern der Wasserrettung war der Begleitschutz. So blieben Hans Wallner und ich ganz hinten und begleiteten eine junge Schwimmerin, welche als letzte schwamm. Alles verlief normal und mehr zufällig blickte ich nach Norden zum Ende vom See. Doch was war das? Ungefähr 3 km von und entfernt hatte sich über den See eine dunkelgraue Nebelwand gebildet und kam mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu. Wir reagierten sofort und riefen die vor uns fahrenden Plätten zu, die Schwimmer in das Boot zu nehmen. Eine Fuhr hatte einen Elektromotor an Bord und konnte rasch handeln. Schon erfasste uns ein gewaltiger Windstoß. Wir wollten noch das vor uns schwimmende und um Hilfe schreiende Mädchen an Bord nehmen. Doch dazu kam es nicht mehr. Die dunkle Wand aus Sturm und Wasser rollte über uns hinweg und die Sicht war fast Null. Unsere Plätte wurde von den urplötzlich anrollenden hohen Wellen erfasst. Hans versuchte pausenlos, den Bug der Plätte gegen die Sturmrichtung zu halten, während ich begann, Wasser aus dem Schiffboden zu schöpfen. Eine Zeit lang wussten wir nicht, wo wir sind. Nach etwa 15 Minuten ließ das Unwetter etwas nach und wir bemerkten, dass wir bis in die Kesselbucht abgetrieben waren. Es war so dunkel, dass alle Autos auf der Landesstrasse mit eingeschalteten Licht fuhren.

Während der ganzen „Geisterfahrt“ waren Hans und ich überzeugt, dass alle Schwimmer ertrunken sind. Wie froh waren wir, als wir etwas später das Gegenteil erfuhren! Es war ein purer Zufall oder auch Vorsehung, dass gerade an diesem Tag der Gendameriebeamte Willibald Kastner  ein provisorisches Rettungsboot ausprobierte. So konnte es selbst unter Einsatz seines Lebens noch die restlichen sechs Schwimmer in das Boot holen und vor dem sicheren Ertrinken retten. Inspektor Kastner wurde für diese Tat am 10. Dezember vom Landeshauptmann Dr. Josef Ratzenböck mit der silbernen Lebensrettungsmedaille ausgezeichnet.

Bleibt noch am Rande zu erwähnen. Einer der Schwimmer hatte auf unserer Plätte seine Badeschuhe deponiert, welche dann beim Sturm über Bord gingen. Der junge Mann hat sich dann fürchterlich über den Verlust aufgeregt. Meiner Meinung nach wäre es angebrachter gewesen, eine Kerze zu spenden, als Schadenansprüche zu stellen!“


Diese Aufnahmen entstanden unmittelbar nach dem Start beim Grubkreuz. Der See ist nur leicht in Bewegung. Nichts deutet darauf hin, dass nur 3 Minuten  später ein Inferno hereinbricht und die Schwimmer in höchste Lebensgefahr bringt!


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Orkantief im Jahre 2017

25. Oktober 2017:  Schon Tage vorher war Dank der mittlerweile präzisen Wettervorhersagen ein schwerer Sturm vorausgesagt. Dieser traf dann prompt ein und zog über ganz Österreich hinweg. Es wurde der Schiffverkehr zur Bahnhaltestelle Hallstatt eingestellt. Natürlich blieben auch die Touristenschiffe am Ufer. Dieser Orkan kam aus nordwestlicher Richtung und peitschte viele Stunden lang den See auf. Der sintflutartige Regen,  Wasserfontänen und hohe, schaumbedeckte Wellen zogen sich den ganzen Tag dahin. .

 

Bild 1:  So ein typischen Nordsturm kommt nur selten vor, ist dann für alle Schiffe sehr gefährlich.

Bild 2: Der Orkan vom 25. Oktober 2017 führte in vielen Gebieten in Österreich zu Problemen.

Bild 3: Es ist nicht das Meer, sondern der sturmgepeitschte Hallstättersee bei der Busstation.

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Vergangenheit und Gegenwart

Schon in der Vergangenheit gab es in und rund um Hallstatt orkanartige Stürme. In der Chronik sind außer 1822 besonders die Jahre 1888, 1902 und 1905 angeführt. Hier kam es auch zu beträchtlichen Schäden an den Häusern und im Waldgebiet. Es fällt auf, dass gegenwärtig immer öfters heftige Stürme auftreten und wird diese Situation auf den Klimawandel geschoben.

Wie viele Menschen im Laufe der Jahrtausende ertrunken sind, kann man nur ahnen. Man denke daran, dass sich   der ganze Waren- und Personentransport mangels Strassen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts am See abgespielt hat. Persönlich musste ich zusehen, wie zwei Menschen vor meinen Augen ertranken.

Vor einigen Jahren wurden am Hallstättersee sogenannte Sturmwarnlampen montiert. Je einer dieser Signallampen steht in Hallstatt-Lahn, in der Gosaumühle und am Nordende des Sees. Die Bedienung erfolgt durch Funk über die Landeswarnzentrale. Gleichzeitig werden bei Gefahr auch die Einsatzstellen der Österreichischen Wasserrettung alarmiert. Mit modernen Rettungsboote fahren die ehrenamtlichen Mitglieder dann den gesamten See ab und schleppen bei Bedarf gefährdete Boote an das Ufer. Diese segensreiche Einrichtung hat sicherlich schon einige Unglücke verhindert.


             Die Sturmfront nähert sich.                     Schloss Grub mit Hallstättersee                   Wasserrettung bringt Fuhre in Sicherheit               Ein Unwetter bricht herein 


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Sturmfront am 2. August 2018

Linkes Bild: Am 2. August 2018 zwischen 17.30 und 17.44 Uhr zog eine Sturmfront von Osten kommend nach Hallstatt. Der Sturm setzte übergangslos ein und dauerte etwa eine Viertel Stunde. Erst dann begangen die Sturmwarnlampen zu blinken.

Rechtes Bild: Die zweite mächtige Wasserfront dauerte ebenfalls nur wenige Minuten, nämlich  von 18.15 bis 18.19 Uhr. 

Noch eine Stunde lang stürzten Bäche von den Wänden des Rauhen Kogel und vom Vorderen Hirlatz herunter. Dann kam teilweise die Sonne zum Vorschein.

Bemerkenswert ist,  dass von der kurzen Wasserflut nur Hallstatt und Obertraun betroffen war und es auf der anderen Seeseite (z. B. Ortschaft Obertraun) komplett trocken blieb.

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Am Hallstättersee kündigt sich ein Sturm an! Werden Windspitzen über 60 km/h erwartet, so schaltet man per Funk eine halbe Stunde vor dem Ereignis die zwei vorhandenen Sturmwarnlampen ein.

Die orangenfarbigen Leuchten blinken im Sekundentakt und sind von jeder Stelle am See zu sehen.

 

Am Bild sieht man die Warnlampe, welche am Nordende vom See in der Nähe vom Arikogel montiert wurde.


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Bild 1:  Glück hatten drei junge Burschen, als sie trotz Sturmwarnung am 23. Aug. 2018 am Hallstättersee herumfuhren.

Bild 2: Vom 20. bis 24. August kam es in der Echernwand bei Hallstatt zu einen schwer löschbaren Waldbrand.

Bild 3: Das Löschwasser zur Brandbekämpfung wurde von mehren Helikoptern aus dem See entnommen


Sturm am Traunsee

 

Auch am Traunsee kam es in der Vergangenheit ebenfalls zu schweren Unglücken, wobei viele Menschen ertranken. Ähnlich wie am Hallstättersee mit dem gefürchteten Fallwind "Waldbacheler" gibt es am Traunsee den "Viechtauer". Dieser schwere Sturm entsteht oft ohne Vorzeichen am heiteren Himmel im  südwestlich gelegenen Höllengebirge. Der Orkan braust dann über den See und wird am Traunstein reflektiert. Die Folge sind sehr hohe Wellen, meist in Verbindung mit Starkregen und Hagel.

1821 ertranken bei diesem "Viechtauer" fünf Personen und 1854 wurden 24 Fischer am See überrascht, wobei neun Männer ertranken. Am bekanntesten ist noch das Unglück vom 31. Juli 1910. Damals ertranken fünfzehn durchwegs junge Leute, welcher großteils einer Hochzeitsgesellschaft angehörten. Eine Gedenktafel im Friedhof von Traunkirchen und ein Gedenkkreuz an der Unglücksstelle im Traunsee erinnern an diese Katastrophe.

 


 

Manchmal verwandelt sich der bis zu 191 m tiefe Traunsee in ein Inferno.

 

Der gefürchtete "Viechtauer" kann innerhalb kürzester Zeit mit Orkanstärke auftreten und selbst so stolze Schiffe wie die "Gisela" in Gefahr bringen.

 

Am Foto sieht man den denn bei Bergsteigern sehr beliebten Traunstein. Leider sind auch hier fast 130 Personen tödlich verunglückt.

 

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+  +  +    www.norbertleutner.at    +  +  +