DER WALDBACHURSPRUNG

Allgemeines: Der Waldbachursprung  (Obere Waldbachursprung und Untere Waldbachursprung)  in der Nähe von Hallstatt OÖ. gehört  zu den größten Karstquellen in Österreich.  Die durchschnittliche Wassermenge beträgt 3.100 Liter pro Sekunde, kann aber bei extremer Wettersituation bis zu 10.000 und mehr Liter betragen. 

Von den sieben Riesenkarstquellen auf der Dachsteinnordseite hat der Waldbachursprung wegen der Trinkwasserversorgung von Hallstatt wohl die größte Bedeutung. Der aus der Höhle austretende Waldbach rinnt nach 4 km Länge und bei einen Höhenunterschied von 440m in den Hallstättersee. Auf dem Weg zum See durcheilt der Waldbach teilweise eine tiefe Klamm und bildet dabei einen fast 100m hohen Wasserfall. Dieser sogenannte Waldbachstrub ist ein aussergewöhnliches Naturspetakel und ein beliebtes Ausflugsziel.

 


Bild 1:  Dieses Foto aus dem Jahre 1875 stammt von den berühmten Dachsteinforscher Friedrich Simony.

Bild 2: Aus dem Oberen Waldbachursprung kommen manchmal gewaltige Wassermengen heraus.

Bild 3: Nach einem senkrechten und engen Abstieg von 5m gelangt man in die geräumige Einstiegshalle.


Lage und Zugang:  Von Hallstatt-Echerntal aus führt eine Forststraße in Richtung der Klausalm bzw. dem Salzberg. Direkt vor der Brücke über die Waldbachschlucht  geht man auf der linken Seite entlang des Waldbaches weiter in Richtung Simonyhütte. Bei einer Wegkreuzung zweigt ein Steig in Richtung Landneralm ab. Eine Hinweistafel zeigt die Richtung zum Waldbachurspung. Die Gehzeit vom Echerntal beträgt etwa eineinhalb Stunden. Trittsichere und schwindelfreie Wanderer können auch den etwas längeren, aber reizvollen Weg über den Gangsteig nehmen und dabei auch den großartigen Wasserfall beim Waldbachstrub besichtigen.

Der „Obere Waldbachursprung“ in 948m Seehöhe ist nur in der warmen Jahreszeit wasserführend. Im strengen Winter ist der trichterförmige Quellaustrittsbereich mit Schnee und Eis bedeckt. 

31m tiefer bzw. 120m Luftlinie in nördlicher Richtung entfernt befindet sich der „Kleine Waldbachursprung“. Aus dieser Quellspalte in 917m Höhe rinnt das ganze Jahr über Wasser heraus. Hier befindet sich auch das Quellschloß der Hallstätter Trinkwasserversorgung.

Nur im „Oberen Waldbachursprung“ kann man 110m weit in den Berg vordringen. Voraussetzung dafür ist eine länger andauernde Frostperiode. 

Beschreibung:  Auf der rechten Seite des Quelltrichters gelangt man nach einen 5m tiefen, kaminartigen Senkrechtabstieg in die „Einstiegshalle“. Dieser 14m lange und 8m breite Raum wird jahreszeitlich bedingt meistens von Eisfiguren geziert. 

Die weitere Fortsetzung bildet der 100 m lange „Wassergang“, welcher fast gleichmäßig mit etwa 23 Grad abfällt. Dieser schichtgebundene Gang hat eine Breite von 2 bis 10m und schwankt zwischen 0.7 bis 1.6m Höhe. Damit ist das Raumvolumen kontunierlich gleich. Deutlich sind die Erosionsspuren zu sehen. Die Richtung beträgt anfangs W, im Mittelteil SW und zuletzt NW.  Das vorläufige Ende bildet eine 20 cm hohe Spalte. Der letzte Punkt liegt 42m unter dem Eingang. In der unschliefbaren Fortsetzung sieht man den ruhigen  Wasserspiegel und hört das Rauschen von Wasser.

 

Erforschung: Der erste Nachweis einer Befahrung stammt aus dem Jahre 1929. Karl Pilz, der spätere Entdecker der Hirlatzhöhle und Johann Polreich gelangen nach Ausräumen vom Einstiegsschacht in 5 m Tiefe bis zur „Einstiegshalle“. Im Jahre 1948 stiegen Karl Pilz mit Siegfried Pilz, Wilhelm Schnöll und Othmar Schauberger erneut ein und führten eine Vermessung durch. Ein Jahr später erreichten Karl Pilz und Othmar Schauberger erstmals den heutigen Endpunkt. Von letzteren stammen die Pläne.

 

Etwas oberhalb vom Waldbachursprung  sieht man in der senkrechten Wand ein Höhlenportal von etwa 4 m Durchmesser. Die Vermutung, dass sich dieses schwierig erreichbare Portal mit dem Quellenursprung zusammen hängt, hat sich nicht bestätigt. Diese "Höhle im Ursprungkogel" (Kat. Nr. 1543/2) in 1.070m Höhe ist nur  knapp 4m lang. Die Erforschung gelang Karl Gaisberger, Gerhard Mayr und Norbert Leutner im Jahre 1973.

 

Hydrologische Zusammenhänge: Seit dem Jahre 1956 weiß man offiziell, woher das Wasser kommt. Durch Sporentriftversuche (Alfred Mayer, Wels) wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass ein wesentlicher Wasseranteil vom Hallstätter Gletscher und vom Hinteren Gosausee stammt. Das Wasser vom Gosausee braucht dabei, wahrscheinlich infolge des geringen Höhenunterschiedes, 165 Stunden. Damit wurden auch die alten Beobachtungen von Simony und Morton bestätigt.

Interessanterweise fungiert der 6.5 km entfernte Hintere Gosausee jahreszeitlich bedingt  als Schwinde und zugleich als Quelle. Sobald das Wasser beim Gosausee eine gewisse Tiefe erreicht hat, verschwindet auch das Wasser beim Oberen Waldbachursprung.

Der ganzjährig aktive Auslauf vom "Kleinen Waldbachursprung" liegt um 11.4m höher als der tiefste Punkt im "Großen Waldbachursprung". Der ehemalige Salinengeologe Schauberger schließt daraus, dass beide Quellen nicht unmittelbar miteinander kommunizieren. Der "Große Waldbachursprung" fungiert damit als Hochwasserüberlauf in der warmen Jahreszeit.

Die komplizierten unterirdischen Wasserwege im Dachsteinmassiv sind erst teilweise erforscht. So existieren südöstlich vom Waldbachursprung mehrere Riesenschächte  (Jägerschacht, Bärengassenwindschacht, Orkanhöhle), welche  zwischen 500m und 700m weit in die Tiefe führen. Gemeinsamkeit  haben diese gewaltigen Abgründe, dass sie  in einen wasserführenden Spaltengewirr enden. Dabei fällt auf, dass sich dieser  Karstwasserspiegel fast in der gleichen Höhe wie der Waldbachursprung befindet.

 

Kraftwerk im Echerntal: In den Jahen 2012/13 wurde in Hallstatt-Echerntal  ein Kraftwerk erbaut. Gespeist wird die Turbine vom Wasser des Waldbachursprung. Etwa ein Drittel des Wassers wird über eine Hochdruckleitung zum 330 m tiefer gelegenen Kraftwerkhaus geleitet. Mit der erzeugten Energie (4.1 Megawatt im Jahr) könnten theoretisch alle Welterbegemeinden im inneren Salzkammergut versorgt werden.

 

Wasseranalysen: Schon Friedrich Morton ließ im Jahre 1929 mehrere Temperaturmessungen durchführen. Bei einer weiteren Messung im Jahre 1990 zur Sommerzeit wurde einheitlich eine Wassertemperatur von 3.9 Grad C gemessen. 

Im März 1991 wurden 6 Grad C gemessen, wohl deshalb, weil das unterirdische Wasser zu dieser Zeit wesentlich länger unterwegs ist. Dabei wurde die Gesamthärte mit 5.2, der ph-Wert mit 7.43 und die Leitfähigkeit mit 160 bestimmt. Der Anteil von Kalzium  betrug 31.5 mg/l und vom Magnesium 3.6 mg/l. Eisen oder Mangan wurde nicht gefunden.

 

Sedimentproben: Eine Sandprobe am tiefsten Punkt vom Oberen Waldbachursprung ergab 32 % Kies, 60 % Sande, 8 % Mehlsand. Es wurden kleine Quarze, Hornsteine, Schiefer und Erzkörner (Hämatite) festgestellt. Die Quarze (Augensteine) sind glashell oder milchig  und haben einen Durchmesser von 1 bis 1.5 mm. Diese Quarzkörner sind Relikte einer fernen Zeit, als das Dachsteingebirge noch mit den Zentralalpen in Verbindung stand.


Diesen Ausblick genießt der Wanderer, wenn er entlang der Forststraße zum Waldbachursprung steigt bzw. herunter kommt. Dabei bieten sich noch andere Wegvarianten an wie beispielweise der Weg über die Gletschermühlen, der sogenannte Gangsteig durch die Echernwand oder der Themenweg durch das Echerntal.

Im Bild sieht man links den Siegkogel mit dem Spraterbach (Schleierfall) und rechts die Ausläufer vom Hirlatz. In der Bildmitte erkennt man einen Teil von Hallstatt mit See.


 

Die Umgebung: Der Waldbachursprung liegt sehr zentral und kann bei Touren in das nördliche Dachsteingebirge (Wiesberghaus, Simonyhütte etc.) ohne größere Umwege besichtigt werden. Auf den langen und hochalpinen Weg in Richtung Gosau  kommt man ebenfalls an dieser Riesenkarstquelle vorbei. Auch der Besuch des Hallstätter Salzberges oder eine Wanderung zu den umliegenden Almen wäre eine weitere Alternative. Besonders empfehlenswert ist der Besuch bei den Wasserfällen "Waldbachstrub."

 

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www.norbertleutner.at