DIE SCHÖNBERGHÖHLE IM DACHSTEIN

Allgemeines: Wer mit der Seilbahn von Obertraun zur Schönbergalm fährt, denn fällt vielleicht kurz vor der Bergstation auf der linken Wandseite ein Höhlenportal auf. Das dunkle Portal in der über 120 m hohen, teilweise überhängenden Wand ist der Eingang der Schönberghöhle Diese Riesenhöhle (Kat.Nr. 1547/70 a, b) in 1.260 (Eingang A) bzw. 1.271 m (Eingang B) Meereshöhe wurde erst  1974 entdeckt und ist derzeit die viertgrößte Höhle des Dachsteingebirges. Trotz der vermessenen Länge von über 9.192 m hat diese bemerkenswerte Höhle mit 189 m nur eine verhältnismäßig geringe vertikale Ausdehnung.


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Lage und Zugang: Der Weg zum Hauptportal (siehe gelbe Pfeil)  ist langwierig und sehr schwierig. Die Schönberghöhle kann nur von oben erreicht werden.

 

Die ersten Expeditionsteilnehmer querten von der Schönbergalm aus (Ausgangspunkt zu den Führungen in die Dachstein-Rieseneishöhle und Dachstein-Mammuthöhle) den Weg zum sogenannten Holzknechtloch.  Dann musste man zum Beginn der Wandstufen absteigen und dann weitere 150 m Höhenmeter bis zu einem Felsband teilweise abseilen. Nach der kurzen Querung eines Felsbandes unterhalb der Höhle erfolgt noch ein 7 m schwieriger Felsenaufstieg.

 

Die heutige Forschergeneration seilt sich direkt über die Höhle ab und muss dann wegen des Überhanges in das Portal hinein pendeln.

 

Die Entdeckung: Die Erstbegeher, am 4. Juni 1974, waren der Berg- und Höhlenführer Ferdinand Winterauer und der damalige Betriebsleiter der Dachsteinhöhlen Förster und Höhlenführer  Siegfried Gamsjäger. Am schwierigsten war der direkte Aufstieg zum Höhlenportal, aus welchem eisiger Höhlenwind herabströmte.

 

„An Material führten wir, neben der obligaten Höhlenausrüstung, drei 40 m Seile, zahlreiche Haken, 5 Karabiner, 2 Steigleitern (Fifi) und etwa 10 – 15 Reepschnüre und Schlauchbänder mit.“ (Winterauer, HV, 1995).

 

„Nach Überwindung des von Winterauer beschriebenen äußerst schwierigen Zustieges erreicht man ein großes Höhlenportal mit sehr starker, eisiger Wetterführung. (Gamsjäger, HV, 1995). Die beiden Forscher konnten anschließend noch 150 m weit bis zur „Entdeckerhalle“ vordringen.

 

Weitere Forschungen: Am 6./7. 1974 Juli fand bereits die erste größere Forschungsfahrt statt. Teilnehmer waren neben den beiden Entdeckern Ferdinand Winterauer und Siegfried Gamsjäger noch Yvonne Pohl, Gerhard Mayr, Karl Gaisberger und Norbert Leutner. Als Bodenpersonal 150 m tiefer am Weg zur Schönbergalm fungierten Karl Pilz und Harald Pohl. In diesem 30-stündigen Unternehmen gelang die Erforschung bis zum „Nordcanyon“ und der „Gustave Abel Halle“ (Höhleneingang B, MH 1.271 m). Es wurden wurden insgesamt 520 m Höhlengänge vermessen.

Literatur: „Nachdem wir um 24 Uhr in das Lager zurückgekehrt waren, fehlten uns noch ca. 50 m für eine Großhöhle. Wir beschlossen also, die fehlenden Meter in einem vom Lagerplatz ausgehenden Gang zu gewinnen. Wir (S. Gamsjäger, N. Leutner, G. Mayr und K. Gaisberger) verfolgten den rechten, gegen SO führenden Gang….

…. Nach dem steilen Anstieg (durch den Wasserfall) meist in gebückter Haltung und über lockeres Geröll, wurde plötzlich ein großer Raum von ca. 20 m erreicht …

….Die Halle wurde nach den verdienten Höhlenforscher und Ehrenmitglied unseres Vereines „Gustave Abel Halle“ benannt…“(Gamsjäger, HV,1996).

Der Höhleneingang B mit dem verlassenen Steinadlerhorst wurde meines Wissen nach seit dieser Zeit nicht mehr aufgesucht.

Bei der insgesamt dritten Tour am 12.10. 74 errichteten S. Gamsjäger, Karl Tortschanoff, Karl Gaisberger Karl und F. Winterauer eine Seilbahn vom Höhleneingang zum 140 Höhenmeter tieferen Wald.

Bei der vierten Fahrt am 19./20.10.74 mit den TeilnehmerInnen Y. Pohl, Johanna Demel, K. Gaisberger, S. Gamsjäger, G. Mayr, N. Leutner und F. Winterauer wurden etliche neue Gänge erforscht und vermessen. Einige der ForscherInnen wählten beim Rückzug die Variante der luftigen Seilbahnfahrt. Als Bodenpersonal waren Harald Pohl, Gustave Abel und Karl Pilz beteiligt.

Die fünfte Tour mit Y. Pohl, K. Gaisberger, Ruppert Unterberger, N. Leutner und F. Winterauer fand am 18./19.10.75 statt. Mittlerweile hatte die Schönberghöhle mehr als 1 km Länge erreicht.

Zwischen den Jahren 1977 bis 1983 gab es weitere Begehungen und Neuforschungen. Aufgrund der weiten Entfernungen war es nun notwendig, zusätzliche Biwaks einzurichten.

Nach einer fünfjährigen Unterbrechung gelang es im Juli 1988 einer neuen Forschergeneration mit Walter Greger, Ludwig Hallinger, Peter Seethaler und  David Walter die 5.000 m Höhlenlänge zu überschreiten und damit wurde dieses Objekt offiziell zur Riesenhöhle erklärt.

Die Forschungen wurden nun zunehmend schwieriger, auch wenn die 100 m tiefen Schächte für die heutige Forschergeneration technisch nicht unbedingt mehr ein Problem bedeuten. Nässe, Kälte und die weiten Wege sind auf jedem Falle eine Herausforderung, welcher nur Spitzenforscher gewachsen sind.

Bis zum Jahre 1995 war die Höhle auf eine Länge von über 9 km erforscht, vermessen und wurden in einen eigenen Höhlenatlas dokumentiert.

 



Bild  1;  Das Höhlenportal ist zwar gut sichtbar, aber erst 1974 wurde die Höhle erstmals erforscht.

Bild 2:  Auf einer provisorischen Seilbahn lassen sich einige der Forscher über 140 m tief abseilen.


Beschreibung der Höhle: Dieses Karstobjekt befindet sich vorwiegend im gebankten Dachsteinkalk (Obere Trias). Das untere Portal (Haupteingang) ist 5 m hoch und 2 m breit. Der zweite Eingang (B) befindet sich rund 10 m  höher und ist vom Tal aus nicht sichtbar. Die Wand fällt von den Portalen 120 m senkrecht ab. Die Höhle erstreckt sich meist in östlicher Richtung und ist anfangs vorwiegend schichtgebunden. Der Hauptgang hat eine Breite von rund 3 m und schwankt in der Höhe zwischen 1 und 5 m. Weiter bergwärts überwiegen dann labyrinthartige, canyonförmige und teilweise wasserdurchflossene Höhlengänge. Die größeren Räume  sind bis zu 50 m lang und haben einen Querschnitt von 6 x 6 m. Die einzelnen Schächte erreichen eine Tiefe von über 100 m. Stellenweise findet man aktive Tropfsteine, Bohnerze, Augensteine und Gipsausblühungen.

Den flächenmäßig und tagfernen größten Raum benannten die Forscher "Trichterhalle". Dieser hat eine Fläche von 28 x 15 m. Noch weiter vom Eingang entfernt und zugleich am tiefsten Punkt der Höhle befindet sich die  „Kristallkluft“. Dort sieht man an der Decke auf eine Länge von 50 Metern zahlreiche Kalzitkristalle von seltener Schönheit und einer Länge bis zu 30 cm.

Interessant ist auch die Nähe zur Dachstein-Rieseneishöhle. Eine Verbindung wäre theoretisch möglich.

  


Bild  1: Beim Eingang des höher  befindlichen Portales "B" befindet sich ein verlassener Steinadlerhorst.

Bild 2: Der Teilplan zeigt den Eingangsbereich. Es ist nur ein kleiner Teil von der riesigen Höhle abgebildet.

Bild 3: Dieses Foto zeigt den Entdecker Ferdinand Winterauer bei der ersten Forschungstour im Jahre 1974.


Zoologische Besonderheiten: Außer dem erwähnten Steinadlerhorst wurden in den tagfernen Höhlenteilen einige Exemplare des echten Höhlenkäfer der Gattung  „Actaphenops angulipenis“ (Meixner) aufgesammelt. Etwa 200 m vom Eingang wurden zahlreiche Fledermausskelette gefunden. Wahrscheinlich konnten diese Tiere bei der Engstelle  den gewaltigen Luftzug nicht standhalten. Beobachtet wurden auch verschiedene Mückenarten sowie Zackeneulen und Wegdornspanner.


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Die geologisch, mineralogisch und botanisch interessante Höhle gilt heute offiziell als erforscht, was natürlich nur eine theoretische Aussage ist. Eine Riesenhöhle ist nämlich nie vollständig erforscht! An der derzeit aktuellen Länge von über 9 km wird sich voraussichtlich aber in nächster Zeit nichts ändern. 

 

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