DIE RÖMERTRASSE IM LEISLING

Im inneren Salzkammergut existiert eine römerzeitliche Weganlage, welche heute und damals durch ein ausgedehntes Waldgebiet führt und sich durch die Gemeinden Bad Goisern (Bundesland Oberösterreich) und Altaussee (Bundesland Steiermark) erstreckt. Der zentrale Mittelpunkt dieser Weganlage bildete dabei eine Siedlung am Fuße vom 1.716 m hohen Sandling (Michlhallbach). Die zahlreichen Funde entlang der Trasse und am Siedlungsplatz lassen auf einen fast dreihundert Jahre dauernden Aufenthalt der Römer ab der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts schließen.

 

Es handelt sich bei dieser Trasse bzw. Station um die einzige römische alpine Saline oder Salzbergwerk im gesamten römischen Weltreich! Weiters stellt der Fund von fast 200 Hipposandalen entlang der Trasse ein absolutes Novum dar.


Die römerzeitliche Trasse führte durch den gesamten Leislingwald und ist 3.1 km lang. Etwa in der Mitte und zugleich am Scheitelpunkt bei 1.000 m MH existierte  eine kleine Siedlung. Dort befand sich ein röm. Salzbergwerk oder Saline.


BESCHREIBUNG DER RÖMERTRASSE

 

Der westliche bekannte Teil der Trasse beginnt im unteren Abschnitt der Flohwiese in der Ortschaft Pichlern, Gemeinde Bad Goisern. Anfangs geht es durch Waldgelände etwas steiler bergauf, dann verläuft die Trasse nur mehr leicht ansteigend in östlicher Richtung. Etwa zu 50 Prozent ist der heutige Wanderweg mit der Römertrasse identisch. Ansonsten verläuft die bis zu 4 m breite Trasse als Erdweg südlich und etwas unterhalb des AV-Weges. In der Nähe der Siedlung ist die Trasse wegen der historischen Muren und Rutschungen nicht genau definierbar. Ein Teil des Weges ist etwas lehmig und teilweise mit Holz unterlegt worden. Der weitere, noch unbekannte Weg dürfte über die Ortschaften Rehkogel und Lasern (Gemeinde Bad Goisern) nach Norden geführt haben. Nördlich von Bad Ischl gab es eine weitere Station und in der Folge führte der römerzeitliche Weg auf der rechten Seite der Traun  bis nach Langwies. Dann wurde über den Fluss auf die andere Seite gewechselt. Als Umschlagstation könnte man sich Traunkirchen, Altmünster und Wels (ovilava) vorstellen.

Der östliche Wegverlauf beginnt kurz nach der ehemaligen Siedlung. Diese befand sich rund 200 m nach der Landesgrenze zur Steiermark beim sogenannten Michlhallbach. Die Trasse führt nun leicht abwärts entlang vom Waldgraben und dem Moorgebiet Habersamerin zur Fischerwiese in der Gemeinde Altaussee.

Der weitere Wegverlauf durch das Ausseerland ist nicht genau bekannt, führte aber über Lupitsch und Mitterndorf nach Trautenfels, wo wiederum entlang des Ennstales ein Anschluss nach Süden erfolgte.

Bild 1: Die altgediente Sennerin Frieda auf ihrer Hütte mit dem 1.716 m hohen Sandling im Hintergrund.

Bild 2: Die sagenumwobene "Unsinnige Kira". Die markanten hohen Felsen stehen auf labilen Salzgebirge.

Bild 3: Von den zwei mittelalterlichen Stollen am Sandlingfuß  sind nur mehr die Halden erhalten.


ALTE GESCHICHTEN UND ÜBERLIEFERUNGEN

 

Einer Sage nach gab es im Sandlinggebiet vor langer Zeit einen Bergsturz oder eine Vermurung, wobei angeblich 36 oder 39 Bergleute den Tod fanden. Daher soll auch der Name von der „Unsinnigen Kirche“ (Irrsinnig kira = irrsinnig schreien) abstammen. Wenn diese Überlieferung auf Tatsachen beruht, so muss dieses vor dem Jahre 1550 geschehen sein, möglicherweise schon im 13. Jahrhundert.

Rund 450 m westlich von der römischen Station am Michlhallberg befindet sich der sogenannte „Spielstein.“ Von diesem Felsblock existieren einige Sagen, welche mit einem Mordfall zu tun haben. Meiner Meinung nach ist es nicht sicher, welcher von zwei in Frage kommenden Orte tatsächlich der richtige „Spielstein“ ist. Bei beiden Bergsturzfelsen kamen römische und neuzeitiche Funde zum Vorschein.

CHRONOLOGIE

Um 800

Nach alten Aufzeichnungen nach sollen bereits die Slawen im 9./10. nach Salz gesucht haben. Flurnamen deuten darauf hin, aber gesicherte Erkenntnisse fehlen.

1546

Eine gewaltige Mure hat den spätmittelalterlichen Salzbergbau teilweise zerstört. Betroffen waren zwei Stollen, nämlich der „Michel-Hallberg“ (MH 520 m) und der tiefer gelegene und jüngere „Unterberg“ (MH 480 m). Das Unterkunftshaus für die Knappen wurde ebenfalls zerstört.

Die Sole wurde  noch mittels Schöpfbrunnen gewonnen und das salzhaltige Wasser trat auch nach der Katastrophe aus der unteren verschütteten Schachtricht aus.

1556

Der Bergbau wurde aus wirtschaftlichen Gründen endgültig eingestellt

1611

Beim Versuch, den Bergbau neu zu beleben, kam es zum Streit zwischen verschiedenen Behörden.

1662

Ein Ischler Bergmeister empfahl den Aufschlag eines neuen Bergwerkes, man konnte sich wiederum nicht einigen.

1747

Der Goiserer Hans Riedler erhielt die Bewilligung, die alten Stollen auf eigene Kosten nachzuschlagen. Das Vorhaben musste er aufgeben und damit begann der endgültige Verfall der Bergbauanlage.

1760

Beim sogenannten „Spielstein“ wurden von Holzknechten rund 400 römische Münzen gefunden. Der Münzschatz bestand aus vielen Silbermünzen (Denare) und wurde angeblich eingeschmolzen.

1920

In der Nacht vom 12./13. September kamen im Sandlinggebiet rund 6 Millionen Kubikmeter Gesteinsmasse in Bewegung und auch der 200 m hohe freistehende Sandlingturm stürzte zusammen. Vorausgegangen war ein tagelanger Dauerregen. Durch den Bergsturz wurde ein 4 km langer Schuttstrom aktiviert (Michlhallbachmure), welcher sich entlang vom Michlhallbach langsam talwärts schob und einige Almhütten zerstörte. Der Michlhallbach fließt an der Westseite des Sandling in den Leislinggraben und mündet vereint mit dem Leislingbach in den großen Zlambach. Letzterer mündet dann in den Hallstättersee.

 

 

DIE ENTDECKUNG DER RÖMERTRASSE

 

Vorbemerkung: Ich habe mich bei meinen heimatkundlichen Forschungen schon immer für Altwege interessiert. Als gebürtiger Hallstätter wollte ich wissen, auf welchen Wegen der Salztransport zum ältesten Salzbergbau der Welt durchgeführt wurde. Da kam mir die Literatur von Baumeister Franz Stadler aus Bad Aussee in die Hände, welcher sich mit den eigentümlichen Namen und Sagen im Leislinggebiet beschäftigte. Ich begann das Areal zu erkunden und als ich einmal den Wald mit den Skiern durchquerte, fielen mir diese flachen Geländeformen auf. Im Jahr 1992 ersuchte ich Walter Greger und Karl Gaisberger, mit mir zu gehen. Ich führte sie zur kleinen Oberen Leislingalm. Gaisberger hatte damals schon ein Metallsuchgerät und wir wurden an Ort und Stelle fündig. Neben einem neueren Hufeisen fanden wir eine fast vollständige Zwiebelkopffibel und ein römisches Messer. Schon an diesem ersten Tag hatten wir das sichere Gefühl, eine bedeutende Entdeckung gemacht zu haben.


 

Am 17. Oktober 1992 wurde die Römertrasse von 

 

Karl Gaisberger

Walter Greger

Norbert Leutner

 

gemeinsam entdeckt.

 

 Wir gründeten etwas später formlos die „ARGE Leisling.“

 

Diese Aufnahme entstand am Tage der Entdeckung.

 

Auf die ersten Funde - ein römisches Messer, 1 römische Fibel

und 1 neueres Hufeisen - wird angestoßen.

 

Foto: Renate Greger.

 

 


DIE ERFORSCHUNG DER RÖMERTRASSE

Angespornt durch die Entdeckung waren wir schon drei Tage später wieder unterwegs. Groß war die Freude, dass wir unweit der Oberen Leislingalm die erste Hipposandale fanden! Wir legten von Anfang hohen Wert auf die Fundeinmessung und genauer Dokumentation. In der Anfangszeit hielten wir uns nur auf der oberösterreichischen Seite auf und es gab kaum einen Forschungstag, an welchen wir nicht mehrere Hipposandalen, Teile davon oder andere römische Gegenstände fanden.

 

EINIGE FORSCHUNGSDATEN

1992

Beginn der Erforschung der römischen Trasse auf der OÖ-Seite.

Am 24. Oktober fanden wir in der Nähe der Oberen Leislingalm die erste Hipposandale.

Bei einer dieser Prospektionen wurde auch ein bronzenes Lappenbeil aus der Urnenfelderzeit (1.200 v Chr.) gefunden.

1993

Am 24. Juli wurde von Karl Gaisberger und Norbert Leutner die römische Station entdeckt.

Noch im gleichen Jahr gelangen die ersten Funde von Hipposandalen auch auf der steiermärkischen Seite und die Entdeckung der Trasse bis zur 1.5 km entfernten Fischerwiese. In diesem Zeitraum erfolgte auch die Meldung an die Behörden und die offizielle Begehung durch Experten vom OÖ. Landesmuseum und Halleiner Museum. Das Museum in Bad Aussee erklärt sich bereit, die Restaurierungskosten zu übernehmen.

1994

Am 13. Mai wurde ein Zwischenstand der Funde dokumentiert. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden 75 ganze Hipposandalen (48 OÖ, 27 Stmk), 18 Fibeln (1 OÖ, 17 Stmk) und 161 Münzen (4 OÖ, 157 Stmk) gefunden. Dazu kommen noch 60 ganze Hufeisen aus dem Mittelalter und Neuzeit und rund 40 kg weitere Einzelteile.

1997 bis 1999

In drei aufeinanderfolgenden Jahren wurde jeweils im Sommer bei der römischen Station ein Areal von insgesamt 210 Quadratmetern untersucht. Die wissenschaftliche Grabung erfolgte vom „Institut für Klassische Archäologie der Universität Innsbruck“ unter Leitung von Gerald Grabherr. Dabei wurden neben 600 römischen Münzen und vielen anderen Artefakten auch Fundamente von Kachelöfen aus dem 16. Jhd. gefunden.

Zu dieser Zeit habe Archäologen unsere Dokumentation übernommen (Pläne von Greger und Leutner) und in der folgenden Neuvermessung die Fundorte mit eingebaut.

2000

Aus persönlichen Gründen distanzierte ich mich von K. Gaisberger, worauf dieser die „Archäologische Arbeitgemeinschaft Ausseerland“ (AAS) mitbegründete.

Die Mitglieder dieses Vereines verlegten nun ihren Schwerpunkt der Forschungen in das äußerst fundreiche Koppental, in welchen ich bereits im Jahre 1996 zusammen mit Gaisberger eine urnenfelderzeitliche Trasse und die prähistorische bzw. römische Station beim Paul-Pötschen in der Nähe vom Bahnhof Bad Aussee entdeckte.

2013

Mitgliedern der (AAS) fanden in der Nähe von Lupitsch (Gemeinde Altaussee) 140 römische Münzen aus der späten römischen Kaiserzeit.

 

 

 


Bild 1:   Der Verlauf der Römertrasse ab der Flohwiese mit dokumentierten Funden von Hipposandalen.

Bild 2:  Besonders fundreich an Hipposandalen erwies sich die Fischerwiese bei Altaussee.


DIE RÖMISCHE STATION

Am südlichen und klimabegünstigten Abhang des Sandling standen einst mehrere Gebäude, von denen heute nichts mehr zu erkennen ist. Der ganze, terrassenförmige ehemalige Siedlungsplatz in 1.000 m Höhe ist von ansteigenden Mischwald und Felsen bedeckt. Ein Stück oberhalb in der Richtung der Sandlingalm befinden sich die markanten Felstürme der sagenumwobenen „Unsinnigen Kira“ sowie die verschütteten Eingänge von mindestens zwei mittelalterlichen Salzstollen samt den Halden. Das ganze Gelände wirkt sehr unruhig und wurde im Laufe der Zeit mindestens einmal umgewälzt.

Zwischen 1997 und 1999 wurden in diesem Siedlungsareal mehrere Suchgräben angelegt. Trotz der teilweise widrigen Wetterbedingungen konnten bei diesen wissenschaftlichen Grabungen zahlreiche römische Gegenstände wie Münzen, Fibeln, Keramik- und Glasgefäße etc. gefunden werden.

Man nimmt derzeit an, es sich um eine Salzbergbausiedlung handelt, in welcher unter einfachen Bedingungen gelebt und gearbeitet wurde. Die Siedlung dürfte vom Ende des 2. Jhd. bis in das späte 4. Jhd. bestanden haben.

Nachdem die römische Siedlung von Hallstatt und Leisling zur selben Zeit existierten, ist meiner Meinung ein wirtschaftlicher Zusammenhang wahrscheinlich. Der zentrale Umschlagplatz für beide Örtlichkeiten war in St. Agatha bzw. Reitern (Gemeinde Bad Goisern).

Vermutlich standen die vorwiegend einheimischen keltischen Arbeiter unter der Aufsicht vom römischen Militär.


HIPPOSANDALEN UND HUFEISEN

Einen bedeutenden Faktor für den wirtschaftlichen Betrieb war der Salztransport vom Fuß des Sandling in verschiedene Richtungen. Ebenso musste die Bevölkerung bei der Station versorgt werden. Für den Transport wurden Pferde, Ochsen und Maultiere verwendet. Um in dem teilweise schwierigen Gelände vorwärts zu kommen, wurden den Tieren an den Hufen sogenannte Hipposandalen angelegt.

Eine Hipposandale war der eiserne Hufschutz für Tragtiere während der Römerzeit und wurde als Steighilfe in schwierigen Gelände verwendet. Dieser Hufschutz bestand aus einer flachen Bodenplatte mit vier eingeschmiedeten Stollen, einem Vorderhaken (Zehenaufzug) und einen hinteren Bremshaken (Ballenaufzug). Mit zwei Seitenaufzügen (Flügel) wurde jede Hipposandale an das jeweilige Tier angepasst. Mit Lederriemen bzw. Schnüren erfolgte die Befestigung am Fuß.

Es wurden hauptsächlich entlang der Trasse an die 200 ganze oder fast vollständige Exemplare ausgegraben. Dazu kommen noch viele Hipposandalen-Fragmente, hauptsächlich abgebrochene Seitenteile. Wahrscheinlich durch Einbrechen und Steckenbleiben der Tragtiere im zähen Lehm wurden die römischen, etwa 1 kg schweren Steighilfen verloren. Hipposandalen hatten sicherlich einen gewissen Wert und man kann sich die Unmutsäußerungen der Tragtiertreiber vorstellen! Jeweils am Beginn der Trasse (Flohwiese bzw. Fischerwiese) wurden besonders viele Hipposandalen gefunden, ein Indiz dafür, dass an diesen Orten die Eisen montiert bzw. demontiert wurden.

Interessant dabei ist auch die Tatsache, dass auf dieser Trasse neben den Hipposandalen immer wieder Hufeisen lagen. Besonders die schmalen, getriebenen Hufeisen deuten auf eine intensive Begehung auch im Mittelalter hin! Häufig wurden auch neuere Hufeisenformen und Ochseneisen gefunden.

Bild 1:  Gerade wird die 75. Hipposandale auf der Römertrasse ausgegraben. Es immer wieder ein Erlebnis.

Bild 2:  Nach 1750 Jahren wieder ans das Tageslicht kommt diese vollständig erhaltene Hipposandale.


FUNDBESCHREIBUNG

 

Zählt man den historischen Schatzfund vom „Spielstein“ mit, so wurden im Gebiet vom Leisling bisher an die 1.400 Münzen ausgegraben. Die älteste Münze stammt vom Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.) und das jüngste Zahlungsmittel von Kaiser Theodosius I. (379-395 n. Chr.). Die meisten Münzen stammen aus dem 3./4. Jahrhundert. Viele der Münzen sind wegen des schlechten Erhaltungszustandes nicht genau bestimmbar. Die meisten Münze bestehen aus Denaren, Antoniniane, Aes-Prägungen, Sesterzen und  Follis.

Bronzene Fibeln wurden von den Römern als Gewandnadeln und zugleich auch als Schmuck benutzt. Dementsprechend vielfältig sind die Formen, die im Leislinggebiet gefunden wurden. So wurden Doppelknopffibeln, Kniefibeln, Scheibenfibeln, Tierfibeln und militärische Zwiebelknopffibeln ausgegraben. Insgesamt wurden hauptsächlich am Michlhallberg mindestens 73 Fibeln aufgesammelt, darunter war auch ein Exemplar aus Silber.

Neben Münzen und Fibeln wurden viele eiserne Werkzeuge wie Äxte, Beile, Bohrer, leichte und schwere Hammer, Meisel, Spitzhacken, Geschoßspitzen Hausschlüssel, Blei, Armreifen, Halsreifen, Gürtelschnallen, Glasgefäße und Tierknochen von verschiedenen Haustieren  ausgegraben. An Gefäßen wurden in erster Linie die grobe Hauskeramik verwendet. Es wurden aber auch Teile von Luxusgeschirr (terra sigillata) gefunden.


FUNDVERWAHRUNG

 

Hier gibt es einige Unstimmigkeiten! Auf Initiative von K. Gaisberger wurden fast alle römische und bronzezeitlichen Funde aus den Gemeinden Hallstatt, Obertraun, Bad Goisern, Bad Ischl in das Bundesland Steiermark transferiert. Ich habe diese „Fundverschleppung“ reklamiert und zuletzt persönlich beim ehemaligen Landeshauptmann von OÖ., Dr. Josef Pühringer vorgesprochen. Durch dessen Initiative bei den zuständigen Behörden erhielt ich folgende Mitteilung:

 

Auszug aus dem Schreiben vom Bundesdenkmalamt an das Amt der OÖ. Landesregierung. Direktion Kultur. Datum: 31. März 2009.

„ … Auf ausdrücklichen Wunsch des ÖBf wurde für diese Funde seitens des ÖBf und des Bundesdenkmalamtes ein Leihvertrag mit der Stadtgemeinde Bad Aussee abgeschlossen, die den gesamten Fundkomplex als Einheit im Kammerhofmuseum Bad Aussee fachgerecht verwahrt. Die Funde wurden in den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes in Wien restauriert und anschließend dem Ausseer Kammerhofmuseum zur Verfügung übergeben.

…  Die Entlehnung von Fundmaterial für Ausstellungen ist nach rechtzeitiger Absprache mit den Eigentümern und dem Kammerhofmuseum Bad Aussee sicher jederzeit möglich.“

gez. HR Dr. Christa Farka (Leiterin der Abt. für Bodendenkmale)

 

Für mich ist es wichtig, dass auch die Museen im oberösterreichischen Salzkammergut jederzeit die Möglichkeit haben, die Artefakte ohne Schwierigkeiten auszuleihen!


Bild 1: Römische Münzen und Fibeln aus hauptsächlich 2./3. Jahrhundert n. Chr. noch vor der Restaurierung.

Bild 2: Ein römisches Luxusgefaß, eine Hipposandale und das Buch "Michlhallberg" im Rahmen einer Ausstellung.


DIE DERZEITIGE SITUATION

 

Die überregionale Bedeutung dieser Bergbau- bzw. Salinenanlage wurde in der örtlichen Fremdenverkehrswerbung kaum zur Kenntnis genommen. Obwohl die derzeitige Tourismuschefin von Bad Goisern (Stand 2018) selbst einmal Archäologie studieren wollte, ist die Römertrasse medienmäßig nur am Rande erwähnt. Nur einige fast verwitterte Tafeln mit der Aufschrift „Römerweg“ und „Bodendenkmal“ weisen unterwegs auf dieses Kulturerbe hin. Es liegt meiner Meinung nach auch daran, weil eben die „Römerzeit“ mit den nur wenige Kilometer entfernten berühmten Hallstätter Salzberg („Hallstattzeit“) nicht konkurrieren kann. Die umliegenden Museen scheinen ebenfalls kein besonderes Interesse an römischen Funden zu haben.

Die römische Station wurde bisher nur zum kleinen Teil ausgegraben. Es befinden sich sicherlich noch viele Artefakte im vermurten und durch Naturkatastrohen veränderten Waldboden.

Es sei darauf hingewiesen, dass die gesamte Trasse und Siedlung vom Bundesdenkmalamt zum Bodendenkmal erklärt wurde. Damit ist aus gesetzlichen Gründen ein unerlaubtes Graben verboten, ebenso die Verwendung eines Metallsuchgerätes. Illegale Sondengeher müssen daher mit einer Anzeige rechnen.

Neuere Forschungen und Funde deuten darauf hin, dass schon die Kelten nach Salz suchten. Genauere bzw. wissenschaftlich fundierte Aussagen über die vorrömischen Funde fehlen noch.

In Verbindung mit dem Begehen des Römerweges lassen sich schöne Halbtageswanderungen (Rundweg) machen. Beispielweise ab dem Parkplatz bei der Flohwiese (Gemeinde Bad Goisern, oberhalb Halleralm) entlang der Römertrasse, dann entlang vom Michlhallbach hinauf zur Sandlingalm, weiter über die Lambacherhütte und Raschberghütte zurück zum Ausgangspunkt.

 


Bild 1:  Vermutlich der sagenumwobene "Spielstein" in der Nähe der Römertrasse bzw. der röm.  Station.

Bild 2: Bei der  Flohwiese im Gemeindegebiet von Bad Goisern wurden viele Hipposandalen gefunden.

Bild 3: In der Ortschaft St. Agatha befand sich vermutlich eine zentraler Umschlagplatz für das Salz.


LITERATUR

Grabherr, Gerald: Michlhallberg. Die Ausgrabung in der römischen Siedlung 1997-1999. Buch, 291 Seiten.

 

Weiters verschiedene Fachbeiträge von anderen Archäologen. Siehe auch im Internet "ARIKOGEL AM HALLSTÄTTERSEE" (Video)

 

Hinweis: Bilder können durch Anklicken vergrößert werden.


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