DIE RÖMERTRASSE IM LEISLING

ALLGEMEINES

Im Inneren Salzkammergut existiert eine römerzeitliche Weganlage, welche heute und damals durch ein ausgedehntes Waldgebiet führt und sich durch die Gemeinden Bad Goisern (Bundesland Oberösterreich) und Altaussee (Bundesland Steiermark) erstreckt. Der zentrale Mittelpunkt dieser Weganlage bildete dabei eine Siedlung am Fuße vom 1.716 m hohen Sandling (Michlhallbach). Die zahlreichen Funde entlang der Trasse und am Siedlungsplatz in 1000 m Seehöhe lassen auf einen fast dreihundert Jahre dauernden Aufenthalt der Römer ab der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts schließen.

Es handelt sich bei dieser Erdtrasse bzw. der Station um die einzige römische alpine Saline oder Salzbergwerk im gesamten römischen Weltreich! Weiters stellt der Fund von fast 200 Hipposandalen entlang der Trasse ein absolutes Novum dar.


Die römerzeitliche Trasse führte durch den gesamten Leislingwald.  Etwa in der Mitte des Weges  und zugleich am Scheitelpunkt  nahe der Landesgrenze von Oberöstereich zur Steiermark  existierte  eine kleine Siedlung. Dort befand sich höchstwahrscheinlich ein röm. Salzbergwerk oder eine Saline.


Bild 1: Die Westseite des 1716 m hohen Sandling, in dessen Untergrund sich ein mächtiges Salzlager befindet.

Bild 2: Der nachgewiesene und vermutete Verlauf der Römerstraßen zwischen Hallstättersee und Traunsee.


ALTE GESCHICHTEN UND ÜBERLIEFERUNGEN

Eine mündliche Überlieferung erzählt, dass um das Jahr 800 vom Michlhallberg eine Holzrohrleitung nach St. Agatha führte. Die Sole wurde in Schöpfbrunnen gewonnen und in der Seeau am Hallstättersee versiedet. Besitzer war zumindest ab dem 11. Jahrhundert das Nonnenkloster in Traunkirchen.

Einer Sage nach gab es im Sandlinggebiet vor langer Zeit einen Bergsturz und eine Vermurung, wobei angeblich 36 oder 39 Bergleute den Tod fanden. Daher soll auch der Name von der „Unsinnigen Kirche“ (Irrsinnig kira = irrsinnig schreien) abstammen. Wenn diese Überlieferung auf Tatsachen beruht, so muss dieses vor dem Jahre 1550 geschehen sein, möglicherweise schon im 13. Jahrhundert.

Die Bezeichnung „Unsinnige Kira“ kann auch einigen Namensforschern nach von „Unsonnigen Ort“ abstammen. Auch das Wort „Michl“ hatte ursprünglich die Bedeutung für „groß.“

Tatsache ist auf jeden Fall, dass sich auf der Südseite vom Sandling in der Nähe des Michlhallbach zwei Salzstollen mit Nebengängen befanden. Dieses Salzbergwerk aus dem 16. Jahrhundert wurde durch einen Bergsturz im Jahre 1546 zerstört.

Rund 450 m westlich von der römischen Station am Michlhallberg befindet sich der sogenannte „Spielstein.“  Von diesem Felsblock existieren ebenfalls einige Sagen, welche mit einem Mordfall zu tun haben. Meiner Meinung nach ist es nicht sicher, welcher von zwei in Frage kommenden Orte tatsächlich der richtige „Spielstein“ ist. Bei beiden Bergsturzfelsen oberhalb der Fortstraße kamen römische und neuzeitliche Funde zum Vorschein.

 


DIE VORDERE SANDLINGALM MIT UNGEBUNG

Bild 1: Die Sennerin Frieda auf ihrer Hütte mit dem 1.716 m hohen Sandling im Hintergrund.

Bild 2: Die sagenumwobene "Unsinnige Kira". Die markanten hohen Felsen stehen auf labilen Salzgebirge.

Bild 3: Von den zwei mittelalterlichen Stollen am Sandlingfuß  sind nur mehr die Halden erhalten.


HIPPOSANDALEN UND HUFEISEN

Einen bedeutenden Faktor für den wirtschaftlichen Betrieb war der Salztransport vom Fuß des Sandling in verschiedene Richtungen. Ebenso musste die Bevölkerung bei der Station versorgt werden. Für den Transport kamen  hauptsächlich  Ochsen, Esel und Maultiere zum Einsatz. Pferde  zum Lastentransport  wurden zu mindestens im Leislinggebiet eher selten eingesetzt. Diese römerzeitlichen Pferde waren wesentlich kleiner als ihre heutigen Nachkommen. Um sich in dem teilweise schwierigen Gelände zu bewegen, wurden den Tieren an den Hufen sogenannte Hipposandalen angelegt.

Eine Hipposandale war der eiserne Hufschutz für Tragtiere während der Römerzeit und wurde als Steighilfe in schwierigem Gelände verwendet. Dieser Hufschutz bestand aus einer flachen Bodenplatte mit vier eingeschmiedeten Stollen, einem Vorderhaken (Zehenaufzug) und einen hinteren Bremshaken (Ballenaufzug). Mit zwei Seitenaufzügen (Flügel) wurde jede Hipposandale an das jeweilige Tier angepasst. Mit Lederriemen bzw. Schnüren erfolgte die Befestigung am Fuß.

Es wurden hauptsächlich entlang der Trasse an die zweihundert ganze oder fast vollständige Exemplare ausgegraben. Dazu kommen noch viele Hipposandalen-Fragmente, hauptsächlich abgebrochene Seitenteile. Wahrscheinlich durch Einbrechen und Steckenbleiben der Tragtiere im zähen Lehm wurden die römischen, etwa 1 kg schweren Steighilfen verloren. Hipposandalen hatten sicherlich einen gewissen Wert und man kann sich bei Verlust die Unmutsäußerungen der Tragtiertreiber vorstellen! Jeweils am Beginn der Trasse (Flohwiese bzw. Fischerwiese) wurden besonders viele Hipposandalen gefunden, ein Indiz dafür, dass an diesen Orten die Eisen montiert bzw. demontiert wurden.

Interessant dabei ist auch die Tatsache, dass auf dieser Trasse neben den Hipposandalen immer wieder Hufeisen lagen. Besonders die schmalen, getriebenen Hufeisen deuten auf eine intensive Begehung auch im Mittelalter hin. Häufig wurden auch neuere Hufeisenformen und Ochseneisen gefunden.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dass es einen Gelehrtenstreit gibt, ob die Römer bereits Hufeisen kannten. Als Indiz wird dabei angeführt, dass Hufeisen tiefer liegen als die Hipposandalen und damit älter sein müssten. Im Leislinggebiet  lagen die Hufeisen ebenfalls teilweise tiefer in der Erde. Es liegt aber meiner persönlichen Meinung nach daran, dass Tiere mit Hufeisen einfach tiefer einsinken als solche mit der großen Oberfläche einer Hipposandale.

 

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IM LEISLING

Um 800

Alten Aufzeichnungen zufolge sollen bereits die Slawen im 9./10. nach Salz gesucht haben. Flurnamen deuten darauf hin, aber gesicherte Erkenntnisse fehlen.

1546

Eine gewaltige Mure hat den spätmittelalterlichen bzw. frühneuzeitigen Salzbergbau teilweise zerstört. Betroffen waren zwei Stollen, nämlich der „Michel-Hallberg“ (Länge 520 m) und der tiefer gelegene und jüngere „Unterberg“ (Länge 480 m). Das Unterkunftshaus für die Knappen wurde ebenfalls zerstört.

Diese Sole wurde  aus Schöpfbrunnen gewonnen und das salzhaltige Wasser trat auch nach der Katastrophe aus der unteren verschütteten Schachtricht aus.

1556

Der Bergbau wurde aus wirtschaftlichen Gründen endgültig eingestellt.

1611

Beim Versuch, den Bergbau neu zu beleben, kam es zum Streit zwischen verschiedenen Behörden.

1662

Ein Ischler Bergmeister empfahl den Aufschlag eines neuen Bergwerkes, man konnte sich wiederum nicht einigen.

1747

Der Goiserer Hans Riedler erhielt die Bewilligung, die alten Stollen auf eigene Kosten nachzuschlagen. Das Vorhaben musste er aufgeben und damit begann der endgültige Verfall der Bergbauanlage.

1760

Beim sogenannten „Spielstein“ wurden von Holzknechten rund 400 römische Münzen gefunden. Der Münzschatz bestand aus vielen Silbermünzen (Denare) und wurde angeblich eingeschmolzen.

 

DIE NATURKATASTROPHE IM JAHRE 1920

Im Frühherbst dieses Jahres ereignete sich auf der Westseite des Sandling ein gewaltiger Bergsturz mit einer nachfolgenden Mure. Ausgelöst hatte dieses gewaltige Naturereignis ein tagelanger und intensiver Regenfall. Augenzeugen berichteten mir persönlich, dass selbst aus dem Eingangsportal der Hirlatzhöhle bei Hallstatt ein Bach herausfloss. Eine Situation, welche bis heute nicht mehr passierte.

Auf den komplett durchweichten und lehmigen, dadurch labilen Untergrund im Gebiet der Vorderen Sandlingalm kamen gewaltige Felsmassen ins Rutschen und so stürzte in der Nacht des 12. auf den 13. September das sogenannte Pulverhörndl - ein riesiger freistehender Felsen - mit gewaltigen Getöse ein. Nachdem schon kurz vorher einige Almhütten in Bewegung gerieten und später verschüttet wurden, konnten sich die Bewohner mit ihren Tieren in Sicherheit bringen. Die Almleute wählten gottseidank den längeren Weg in das Tal über den Raschberg und waren dadurch der nachfolgenden riesigen Mure entkommen.

In der Folge wälzte sich dieser Schuttstrom entlang des Leislingbaches bergab. Viele Felsen und der gesamte Wald wurde mitgerissen und es dauerte gut drei Wochen, bis die Mure weit unten nach 4 km Länge beim Leislingbach zum Stillstand kam.

Insgesamt kamen fast 7 Millionen Kubikmeter von Gestein in Bewegung und verheerten eine Fläche von 15 ha.

 

DIE ENTDECKUNG DER RÖMERTRASSE

 

 Die Römertrasse durch den Leisling wurde am

17. Oktober 1992 gemeinsam entdeckt von

 

Karl Gaisberger (gest. 2019)

Walter Greger

Norbert Leutner

 

Die ersten Artefakte wurden auf der Oberen Leislingalm gefunden. 

 

Diese Aufnahme entstand am Tage der Entdeckung.

 

Auf die ersten Funde - ein römisches Messer, 1 römische Fibel

und 1 neueres Hufeisen - wird angestoßen.

 

Foto: Renate Greger.

 

 

Uns war die Bedeutung dieser Anlage von Anfang an voll bewusst und wir begannen zugleich mit der Vermessung, Einzeichnung der Fundobjekte und Planerstellung. Das Bundesdenkmalamt und das OÖ. Landesmuseum wurden eingeschaltet. Im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeiten wurde dann die Trasse von Mitarbeitern des Institutes für „Klassische Archäologie  der Universität Innsbruck“ in den Jahren 1997 bis 1999 neu vermessen.

 

DIE RÖMISCHE SIEDLUNG AM MICHLHALLBERG

Im Jahr 1993 entdeckten Karl Gaisberger und Norbert Leutner die römische Siedlung in unmittelbarer Nähe vom Michlhallbach. In diesem von Bergstürzen und Muren veränderten Waldgebiet sind nur spärliche Siedlungsreste aus dem 16./17. Jahrhundert vorhanden.

Am südlichen und klimabegünstigten Abhang des Sandling standen einst mehrere Gebäude. Der ganze, terrassenförmige ehemalige Siedlungsplatz in 1.000 m Höhe ist vom ansteigenden Mischwald und Felsen bedeckt. Ein Stück oberhalb in Richtung der Sandlingalm befinden sich die markanten Felstürme der sagenumwobenen „Unsinnigen Kira“ sowie die verschütteten Eingänge von mindestens zwei mittelalterlichen Salzstollen samt den Halden.

Zwischen 1997 und 1999 wurden in diesem Siedlungsareal vom Bundesdenkmalamt mehrere Suchgräben angelegt. Trotz der teilweise widrigen Wetterbedingungen konnten bei diesen wissenschaftlichen Grabungen zahlreiche römische Gegenstände wie Münzen, Fibeln, Keramik- und Glasgefäße etc. gefunden werden. Außerdem wurden Siedlungsreste vom spätmittelalterlichen Bergbau (Kachelofen etc.) ausgegraben.

Man nimmt derzeit an, es sich um eine Salzbergbausiedlung handelt, in welcher unter einfachen Bedingungen gelebt und gearbeitet wurde. Die römische Siedlung dürfte vom Ende des 2. Jhd. bis in das späte 4. Jhd. bestanden haben.

Nachdem die römische Siedlung von Hallstatt und Leisling zur selben Zeit existierten, ist ein wirtschaftlicher Zusammenhang wahrscheinlich.

Der zentrale Umschlagplatz für beide Örtlichkeiten war vermutlich in St. Agatha bzw. Reitern (Gemeinde Bad Goisern). An diesem Ort in der Nähe des Arikogel standen ursprünglich zwei Häuser mit Fußbodenheizung und Glasfenster. Eines dieser Gebäude wurde als ein römisches Bad verwendet.

Zu den Arbeiten am Michlhallbach wurden wahrscheinlich vorwiegend einheimische keltische Arbeiter oder Sklaven unter der Aufsicht vom römischen Militär eingesetzt.


DER VERLAUF DER RÖMERTRASSE

Bild 1:   Der Anfangsverlauf der Römertrasse ab der Flohwiese mit dokumentierten Funden von Hipposandalen.

Bild 2:  Besonders fundreich an Hipposandalen erwies sich die Fischerwiese bei Altaussee.

Auf der steiermärkischen Seite war die sogenannten Fischerwiese in der Gemeinde Altaussee, Ortschaft Oberluppitsch von großer Bedeutung  Auf diesem Platz wurden den Tragtieren, meist Ochsen und Maultieren, die Hipposandalen am Fuß montiert bzw. abgenommen. Von diesem Hufschutz wurden nebeneinander 17 Exemplare ausgegraben.


Bild 1:  Gerade wird von W. Greger und N. Leutner die 75. Hipposandale auf der Römertrasse ausgegraben.

Bild 2:  Nach 1750 Jahren wieder ans das Tageslicht kommt diese vollständig erhaltene Hipposandale.


Es ist immer ein Glücksfall, wenn man ein vollständiges Exemplar findet. Das Gewicht einer Hipposandale beträgt meist um 1 kg. Man unterscheidet drei Arten von diesem Hufschutz. Die Hufeisen wurden erst später erfunden.

Eine Hipposandale besteht aus einer Bodenplatte mit vier kreuzförmig aufgeschmiedeten Stollen. Vorne befindet sich der Vorderhaken (Zehenaufzug) und hinten der Bremshaken (Ballenaufzug). Die Seitenteile stabilisieren den Huf. Zur Befestigung verwendete man Leder- oder Stoffriemen.

 

BESCHREIBUNG DER RÖMERZEITLICHEN FUNDE

 Im Bereich der Siedlung wurden bisher 658 Münzen ausgegraben. Zählt man den historischen Schatzfund vom „Spielstein“ mit, so wurden im Gebiet vom Leisling und Pötschen bisher an die 1.400 Münzen gefunden. Die älteste Münze stammt vom Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.) und das jüngste Zahlungsmittel von Kaiser Theodosius I. (379-395 n. Chr.). Die meisten Münzen stammen aus dem 3./4. Jahrhundert.  Denare und Sesterzen kommen nur in der Anfangszeit vor und verschwinden ab dem ersten Drittel des 3. Jahrhunderts. Die meisten Münzen sind Antoniniane und gegen Ende der Römerzeit sind Follis vorherrschend. Es war das Kleingeld der Römer. Viele der Münzen sind wegen des schlechten Erhaltungszustandes nicht genau bestimmbar.

Zu den bedeutenden Funden am Michlhallberg gehören die fast immer bronzenen Fibeln. Diese wurden von den Römern als Gewandnadeln und zugleich auch als Schmuck benutzt. Insgesamt wurden bisher 73 Fibeln ausgegraben, wobei die sogenannten Zwiebelknopffibeln am häufigsten vorkommen. Diese dürften vor allem auf militärische Präsenz hinweisen. Es wurden auch schöne Kniefibeln, Vogelfibeln, Scheibenfibeln, Hakenkreuzfibeln und eine Pferdefibel ausgegraben.

Neben Münzen und Fibeln wurden weiter viele bronzene Gegenstände wie Armreifen, Gürtelschnallen und Schmuckteile sowie eiserne Werkzeuge wie Äxte, Beile, Bohrer, leichte und schwere Hammer, Meisel, Spitzhacken, Geschoßspitzen, Nägel, Hausschlüssel und Messer gefunden. 

Aus der Erde geholt wurden auch zahlreiche Scherben, welcher der normalen Gebrauchskeramik zugerechnet werden.  Die Fragmente bestehen von Schüssel, Reibschüsseln, Teller, Töpfer und Becher. Es wurden auch Teile von Luxusgeschirr (terra sigillata) mit Verzierungen gefunden sowie Bleigegenstände und Glasfragmente.

Tiernahrung spielte eine große Rolle bei den Ernährungsgewohnheiten am Michlhallbach. Es gab zwei Arten von Rindern und alte Ochsen wurden geschlachtet. Zu den mit am häufigsten verzehrten Tieren gehörten Schafe, Ziegen und Schweine. Interessanterweise spielten Wildtiere keine Rolle. Insgesamt war die Nahrung eher minderwertig.

Im Zuge der wissenschaftlichen Arbeiten konnten auch etliche Holzreste gefunden und datiert werden. Viele der Holzreste wie Spaltbrettchen (Dachschindeln?) bestehen aus Tannenholz und datieren aus der Frühzeit der Besiedlung.

Die Konservierung und Behandlung aller Artefakte erfolgte in den meisten Fällen durch das Naturhistorische Museum in Wien.

FUNDVERWAHRUNG

Hier gab es anfangs einige Unstimmigkeiten. Nach meiner Reklamation hin auf die „Fundverschleppung“ von Oberösterreich in die Steiermark wurde folgendes vereinbart:

Auszug aus dem Schreiben vom Bundesdenkmalamt an das Amt der OÖ. Landesregierung. Direktion Kultur. Datum: 31. März 2009:

„ … Auf ausdrücklichen Wunsch des ÖBf wurde für diese Funde seitens des ÖBf und des Bundesdenkmalamtes ein Leihvertrag mit der Stadtgemeinde Bad Aussee abgeschlossen, die den gesamten Fundkomplex als Einheit im Kammerhofmuseum Bad Aussee fachgerecht verwahrt. Die Funde wurden in den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes in Wien restauriert und anschließend dem Ausseer Kammerhofmuseum zur Verfügung übergeben.

…  Die Entlehnung von Fundmaterial für Ausstellungen ist nach rechtzeitiger Absprache mit den Eigentümern und dem Kammerhofmuseum Bad Aussee sicher jederzeit möglich.“

gez. HR Dr. Christa Farka (Leiterin der Abt. für Bodendenkmale)

Der allergrößte Teil des Fundkomplexes ist derzeit im Kammermuseum von Bad Aussee deponiert und wird zum Teil in den Vitrinen sehr gut präsentiert.

 

DIE AKTUELLE SITUAON IM JAHRE 2025

Die überregionale Bedeutung dieser römischen und mittelalterlichen Bergbau- bzw. Salinenanlage wurde in der örtlichen Fremdenverkehrswerbung kaum zur Kenntnis genommen. Nur einige fast verwitterte Tafeln mit der Aufschrift „Römerweg“ und „Bodendenkmal“ weisen unterwegs auf dieses Kulturerbe hin. Es liegt meiner Meinung nach auch daran, weil eben die „Römerzeit“ mit den nur wenige Kilometer entfernten berühmten Hallstätter Salzberg („Hallstattzeit“) nicht konkurrieren kann. Die umliegenden Museen scheinen ebenfalls kein besonderes Interesse an römischen Funden zu haben.

Bei der römischen Station bzw. Siedlung beim Michlhallberg ist erst ein kleiner Teil ausgegraben. Es sind noch sehr viele Funde zu erwarten. Nach wie vor ist es aber nicht sicher nachgewiesen, ob an diesem Ort eine Saline und / oder ein Bergwerk vorhanden war. 

Das fast fundleere, etwa 300 m lange Teilstück der Römertrasse auf der OÖ-Seite habe ich ebenfalls genauer untersucht. Auffällig dabei ist die Tatsache, dass sich in diesem felsdurchsetzten, fichtenbestandenen und welligen Gelände knapp unter der Humusschicht eine graue Lehmablagerung befindet. Ein weiterer Hinweis darauf, dass die ehemalige Römertrasse und zugleich der mittelalterliche Weg unter Bergsturztrümmern und einer gewaltigen Mure verschüttet ist. In diesem Gebiet kamen nur neuere Hufeisen und Ochseneisen zum Vorschein. 

Die Fortsetzung der Römertrasse nach Westen konnte mittlerweile ein Stück weiter eruiert werden. Der Weg führte ziemlich genau in der Mitte zwischen dem Haus Pichlern 5 und dem unterhalb befindlichem Parkplatz hindurch und dann abwärts in Richtung Bad Goisern über Rehkogel und Lasern. Der auf alten Karten vermerkte "Saumpfad" könnte identisch mit dem Römerweg sein.

Besonders bedeutungsvoll ist auch die Grabung 2025 in Hallstatt beim sogenannten Riezingergrund nahe am See. Auf engsten Raum wurden tausende Artefakte freigelegt, welche einen fast ununterbrochenen Nachweis einer 7.500 Jahre alten Besiedlung erbringen. Die ausgeprägten Kulturschichten aus der Römerzeit sind sicherlich im Kontext mit dem Leisling zu sehen. Es hat sich mittlerweile eine Interessengemeinschaft gebildet, welche sich mit dem „Weg des Salzes“ beschäftigt. Das Leislinggebiet und Hallstatt sind rund 10 km voneinander entfernt.

Die Hallstätter Funde von der Steinzeit bis zum Mittelalter werden derzeit restauriert und sollen 2026 der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Interessant sind auch die römischen Wegfunde, welche 2024 auf der oberösterreichischen Seite vom Pötschenpass  gefunden wurden.

Es sei darauf hingewiesen, dass die gesamte Trasse und Siedlung vom Bundesdenkmalamt zum Bodendenkmal erklärt wurde. Damit ist aus gesetzlichen Gründen ein unerlaubtes Graben verboten, ebenso die Verwendung eines Metallsuchgerätes. Illegale Sondengeher müssen daher mit einer Anzeige rechnen.

 

DIE UMGEBUNG UND WANDERVORSCHLÄGE

Zahlreiche Berggipfel, häufig besuchte und auch einsame Almen sowie bewirtschaftete Hütten in der Umgebung laden zum Verweilen ein. In Verbindung mit dem Begehen der Römertrasse im Leisling lassen sich schöne Halbtageswanderungen (Rundweg) machen. Beispielweise ab dem Parkplatz bei der Flohwiese entlang der Römertrasse, dann entlang vom Michlhallbach hinauf zu den Sandlingalmen, oder über die Lambachhütte und Raschberghütte zurück zum Ausgangspunkt. Eine weitere Weg- oder Radfahrervariante wäre die Benützung der Forststraße, welche beim ehemaligen Gasthaus "Halleralm" beginnt bzw. endet.

Der AV-Weg entlang der Römertrasse ab der Flohwiese in Richtung Steiermark ist derzeit in einen reparaturbedürftigen Zustand. Einige der kleinen Holzbrücken sind zusammengefallen und müssen umgangen werden. Radfahrer benützen in erster Linie die Forststraße, welche vom ehemaligen Gasthaus "Halleralm" etwa 3.1 km weit bis knapp vor die Landesgrenze beim Michlhallbach führt.

Ein weiterer Wandervorschlag ist ein Besuch der historisch bedeutsamen Höhle "Schwarzenbachloch". In dieser natürlichen Unterwelt versammelten sich in den Zeiten der Gegenreformation die evangelischen Christen zur Andacht.

 


Bild 1:  Vermutlich der sagenumwobene "Spielstein" in der Nähe der Römertrasse bzw. der röm.  Station.

Bild 2: Bei der  Flohwiese im Gemeindegebiet von Bad Goisern wurden viele Hipposandalen gefunden.

Bild 3: In der Ortschaft St. Agatha befand sich wahrscheinlich eine zentraler Umschlagplatz für das Salz.

Bild  1: Entlang der Römertrasse wurden auch etliche mittelalterliche Hufeisen ausgegraben.

Bild 2: Die Obere Leislingalm ist mittlerweile komplett verfallen. Hier führte die Römertrasse durch..


LITERATUR

Grabherr, Gerald: Michlhallberg. Die Ausgrabung in der römischen Siedlung 1997-1999. Buch, 291 Seiten.

Lehmann, Otto. Die Verheerungen in der Sandlingruppe (Salzkammergut) durch die im Frühherbst 1920 entfesselten Naturgewalten, 1926.

Stadler, Franz. Das ehemalige Salzbergwerk am Michel-Hallbach.

Weiters verschiedene Fachbeiträge von Wissenschaftlern.

Siehe auch im Internet "ARIKOGEL AM HALLSTÄTTERSEE", „BAD GOISERN IN DER RÖMERZEIT“, „HIPPOSANDALEN UND HUFEISEN“,  und "RUND UM DEN RASCHBERG" (Video). Web www.norbertleutner.at.

 

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