EPITAPH IN DER WALLFAHRTSKIRCHE VON LAUFFEN OÖ

 

Allgemeines: Das 120 x 80 cm große Epitaph aus dunklen Marmor (Hubkogelkalk?) ist auf der rechten (südlichen) Seitenwand zwischen inneren Kirchentür und Weihwasserbecken montiert. Die Grabinschrift erinnert an Jakob Reimair und seiner Ehefrau Maria Magdalena, geborene Recherzhammer, welche im Jahre 1694 kurz hintereinander starben. Der Grabstein wurde im Auftrag ihrer Kinder im Jahre 1699 angefertigt.

 

               Wallfahrtskirche "Maria im Schatten"                                                     Das Epitaph aus dem Jahre 1699


Der Grabstein stammt aus einer Zeit, als Lauffen für die Schifffahrt auf der Traun noch von großer Bedeutung war. Ebenso die naheliegende Burg Wildenstein als Verwaltungszentrum für das innere Salzkammergut.  Der Friedhof von Lauffen befand sich damals noch bei der Kirche.

Die Wallfahrtskirche wird erstmals 1344 offiziell erwähnt, dürfte aber schon einen Vorgängerbau aus dem Jahre 1117 haben. Die heutige Hauptkirche wurde in der Mitte des 15. Jhd. erbaut, der Turm mit Zwiebelhelm um 1705. Der Hochaltar stammt aus dem Jahre 1686, die Seitenaltäre ursprünglich von 1637.

Die 1.26 m große Marienstatue mit Jesuskind aus Steinguss gehört zu den sogenannten schönen Madonnen. Ihre Entstehung dürfte auf 1400 zurückgehen. Die Mutter Gottes ist links von Hl. Josef und rechts von Hr. Antonius flankiert. Die Marienstatue gilt als wundertätig und hatte  während der Pestzeiten eine große Bedeutung.

 

Nachfolgender Textauszug stammt hauptsächlich aus der Dissertation von Christoph Brandhuber mit dem Titel: Lateinische Barockinschriften in Oberösterreich. Salzburg, Dezember 2013. Einige Textpassagen wurden vom Autor zusätzlich eingebaut bzw. erweitert.

 

 

QVID?

 

QVOS NON IN MORTE IN VITA SEIVNCTOS CREDAS

 

ABSIT

 

TV SINE MORTVOS QVIESCERE.

 

INTER AMBOS CHARITAS OMNINO BEATA

 

REVERITA EST ISTVM MEVM ANIMVM

 

INDIVIDVE RETENTVM

 

MEA A REBVS IMPVRIS ALIENISSIMA

 

MODESTISSIMA AMANTISSIMA GLORIÆQVE

 

DEI ADDICTISSIMA LAODAMIA EGENO

 

RVM NOTISSIMVM AVXILIVM.

 

FVERVNT NOBIS ANNI BREVES.

 

VIX VTERQVE NATI IN HAC GELIDA

 

TRISTIQVE IAM VRNA SITI.

 

_________________________________________

 

VALE WILDENSTAIN PRÆFECTVS HERI HODIE

 

NIHIL. SALVETE MARIA CLARA FRANCIS

 

CA ANASTASIA IGNATI ET TEMPVS

 

PLVRA LOQVI NON SINIT VALETE

 

NOSTRI IN PRECIBVS MEMORES.

 

EX NVNC LAPIS ISTE POSITVS SIT IN TESTEM

 

VERÆ PERPETVÆQVE PROGENIEI DEVOTIONIS

 

DIE 14 APRILIS.

 

 

Übersetzung Latein – Deutsch:

 

„Was?  Diejenigen, von denen du glaubst, dass sie nicht im Tode, aber im Leben getrennt wurden – es sei ferne! – lass als Tote ruhen! Zwischen (uns) beiden herrschte eine völlig glückliche Liebe. Hochgeachtet hat diesen meinen unzertrennlich festgehaltenen Geist meine von allen unreinen Dingen ganz Abstand nehmende, bescheidenste, geliebteste und der Ehre Gottes ganz hingegebene Laodamia, der Armen überaus bekannte Hilfe. Es waren uns kurze Jahre gegeben. Beide sind (wir), kaum geboren, schon in dieser kalten und traurigen Urne beigesetzt. Lebe wohl, Wildenstein! Pfleger gestern, heute nichts. Seid gegrüßt, Maria Clara, Franziska, Anastasia und Ignaz! Und die Zeit lässt nicht zu, mehr zu sprechen. Lebt wohl, unser in Gebeten gedenkend! Von jetzt an soll dieser Stein errichtet sein zum Zeugnis aufrichtiger und immerwährender Verehrung der Nachkommenschaft.  Am 14. Tage des Aprils.“

In der Zeile 6 und 7 der Inschrift kann man mit den hervorgehobenen roten Buchstaben die Namen REINMAIR und in der Zeile 9 bis 11 MARIA MAGDALENA herauslesen.   

* * * * * * *    Wallfahrtskirche "Maria im Schatten"   * * * * * * *

 

              Messe in der Kirche                                Lauffen mit Kirche und Traun                    Festmesse am Dreikönigstag  


Die Inschrift, in welcher der Tote selber spricht, hinterfragt mit dem einleitenden Quid? einen fiktiven Gedanken des Gegenübers, der vehement zurückgewiesen wird: Nicht erst der Tod habe die hier bestatteten Ehegatten Jakob Reimair und Maria Magdalena vereint, schon im Leben herrschte zwischen beiden eine völlig glückliche Liebe. Für diesen ersten Abschnitt ist der von credas abhängige AcI im Relativsatz (sog. relative Verschränkung) mit einer Ellipse von esse zu bemerken, absit ist als Parenthese aufzufassen (Z. 2-4).  Der Text dürfte unmittelbar nach dem Eindruck eines Abschnittes der „Legenda aurea“ aus dem Leben der hl. Maria Magdalena entstanden sein, der Namenspatronin der in Lauffen bestatteten Frau: „Was ist, Herr? Glaubst du, ohne mich reisen zu können? Das darf nicht sein. Wenn du gehst, werde auch ich gehen; wenn du kommst, werde auch ich kommen; wenn du ruhst, werde auch ich ruhen.“ – Quid est, domine? Putasne sine me proficisci? Absit. Te enim recedente recedam; te veniente veniam; te quiescente quiescam.664 Hintergrund für die Textpassage aus der Heiligenvita ist die Reise eines Mannes, die er ohne seine Frau antreten will. Auch wenn der Verfasser der Inschrift eine direkte Übernahme durch absichtliche Variation – besonders deutlich die Abwandlung von putas in credas – vermeidet, erinnert er geschickt an diese Stelle, die hervorragend zum Kontext passt: Denn aus der Inschrift geht hervor, dass der Ehemann kurz vor seiner Gemahlin starb, somit die Reise in das Jenseits antrat, auf der ihn seine Frau durch ihren bald darauf erfolgten Tod begleitete. Für diese „Treue bis in das Grab“ wird nun im zweiten Abschnitt, in dem die Anfangsbuchstaben der Wörter die Namen der Verstorbenen ergeben, ein großartiger Vergleich aus der Mythologie angestrebt .

Der letzte Gruß des Ehepaars gilt den gemeinsamen vier Kindern, die sich als Stiftergemeinschaft des Gedenksteins ausgeben. Das abschließende Chronogramm der beiden letzten Zeilen ergibt das Jahr der Errichtung (1699).

Maria Magdalena war die zweite Frau von Jakob Reimair, nachdem seine erste Ehefrau Katharina Hausruck 1677 verstorben war. Die Hochzeit fand am 5. Oktober 1677 statt.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war Jakob Reinmair auch Marktrichter von Lauffen. Dann wurde er noch Pfleger auf der Burg Wildenstein, nachdem sein Vorgänger Eustach Wimmer wegen verschiedener Vergehen abgesetzt wurde. Dieses wichtige Verwaltungszentrum und einzige Burg im oö. Salzkammergut ist 1715 abgebrannt und wurde nicht mehr aufgebaut. „Neuwildenstein“ wurde nach (Bad) Goisern verlegt. Reinmair besaß eine Salzfertigung und war außerdem noch Braumeister des Marktes Lauffen. 

 

* * * * * * *   Die ehemalige Burg Wildenstein   * * * * * * *

 

       Burg Wildenstein um 1715                           Ruine Wildenstein im Jahre 1835               Ruine Wildenstein im Jahre 2007


 

Möglichweise war in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit auch die Ruhrepidemie ein Grund dafür, warum das Ehepaar im 1694 starb. Im Sterbebuch ist die Todesursache nicht festgehalten.

Jakob Reinmair starb am 10. Januar im 47. Lebensjahr und kurz darauf seine Frau am 30. Januar. Maria Magdalena wurde nur 38 Jahre alt. In dieser Zeit war Kaiser Leopold I. an der Macht.

Das Ehepaar hatte drei Töchter und einen Sohn. Die zweitälteste Tochter Maria Franziska heiratete am 30. Juni 1695 in Lauffen den Leopold Gatterer und nach dessen frühen Tod am 27. Oktober 1696 in Ischl Johann Adam Seeauer. Vielleicht wurde das Epitaph im Volksmund deshalb früher als „Seeauerstein“ bezeichnet.

 

Hinweis: Das ausführliche Original von Christoph Brandhuber mit den genauen Quellenangaben kann im Internet nachgelesen werden.

 

* * * * * * *   Das historische Lauffen   * * * * * * *

 

                  Lauffen um 1649                                                Lauffen um 1825                                             Lauffen um 1850

 

Videos im Internet: „Lauffen im Salzkammergut“, „Maria im Schatten“.

Norbert Leutner

geprüfter Heimatforscher