DIE HÖHLEN AM HIRLATZPLATEAU (DACHSTEINGEBIRGE)

 

Das Hirlatzmassiv ist der nördlichste Teil des Dachsteingebirges und fällt mit Steilwänden gegen Hallstatt und dem Hallstättersee ab. Die vier Haupterhebungen sind der "Vorderer Hirlatz" (1934 m), "Mittlerer Hirlatz" (1985 m),  der "Hinterer Hirlatz" (1972 m) und weiter östlich der "Feuerkogel" (1964 m).  Östtlich davon, getrennt durch einen Steilgraben,  schließt der Zwölferkogel mit 1962 m Höhe an. Von allen Gipfeln hat man eine herrliche Aussicht zum Hohen Dachstein, Hallstätter Gletscher und Umgebung. Die längst verlassene Hirlatzalm in etwas über  1800 m Höhe erinnert an vergangene Zeiten.

Das unübersichtliche und verkarstete Hirlatzplateau mit den vielen Wandstufen , Latschenzonen und einzelnen Kiefern besteht vorwiegend aus gebankten Dachsteinkalk (Trias). Im Bereich des  Feuerkogel existieren Spaltenfüllungen mit Fossilien (Ammoniten, Seelilien), welche in der Jurazeit entstanden sind.

In diesem ausgedehnten und unübersichtlichen Areal existieren neben kleinen und großen Dolinen zahlreiche Höhlen bis zu 1.1  km Länge und Schächte, welche übe 200 m weit in die Tiefe führen. 

In  einigen Karstobjekten findet man Tropfsteine, Sinter und Aragonite, ein Indiz für eine frühere klimatische Warmperiode. Die Höhleneingänge und Schachtöffnungen sind in dieser Meereshöhe generell einer starken Erosions- und Korrosionstätigkeit ausgesetzt. Einige der verstürzten und damit unzugänglichen Schächte könnten mit der 113 km langen Hirlatzhöhle (Forschungsstand 2021) in Verbindung stehen.

Wegen der Abgeschiedenheit bzw. langer Anmarschwege wurden diese Höhlen am Plateau erst ab dem Jahre 1980 näher untersucht bzw. erforscht. Als Stützpunkt für weitere Forschungen empfiehlt sich das Wiesberghaus.

Die wichtigsten Höhlen und Schächte werden nachfolgend kurz beschrieben.

 

Bild  1: Die Ostseite vom  1934 m hohen "Vorderer Hirlatz".  Rechts dahinter  ist der Hohe Plassen sichtbar.

Bild 2: Am Weg zum Zwölferkogel (1962 m) sieht man rückblickend im Hintergrund das Hirzkar und die Gjaidalm.

Bild 3: Die nicht mehr bewirtschaftete Wiesalm zwischen den Hirlatzgipfeln und der Wiesberghöhe.


Am bekanntesten ist die Hirlatz-Tropfsteinhöhle (Kat. Nr. 1546/21 a,b) in 1860 bzw. 1878 m MH. Diese Höhle in der Nähe der Hirlatzalm hat ein nach Norden geöffnetes, halbrundes Portal von 2.5 m Breite und 1.5 m Höhe. Vom Eingang führt ein 10 m langer Gang in die 8 x 8 m breite und 7 m hohe „Unterberger Halle.“ Ich habe diesen Hohlraum nach Walter Unterberger benannt, welcher im Juli 1985 beim Aufstieg zum naheliegenden Zwölferkogel tödlich verunglückte. Es führen anschließend  zwei annähernd parallel verlaufende Gänge in den Berg, womit sich eine Gesamtlänge von 118 m und eine Höhendifferenz von 22 m ergibt.

Das Attribut „Tropfsteinhöhle“ ist etwas übertrieben, weil nur mehre wenige Tropfsteinfragmente erhalten sind. Trotzdem ist die Höhle durch die Wandformen interessant und fotogen. Bemerkenswert sind auch die Funde von Überresten verschiedener Säugetiere in den mittleren Höhlenteilen.

 

Bild  1: In der 90 m langen Hirlatzalmhöhle findet man Bonerze sowie kleine Qarze (Augensteine).

Bild 2: Vom Eingang der Hirlatz-Tropfsteinhöhle sieht man den Ostgrat vom Vorderer Hirlatz.

Bild 3: Eine absolute Rarität: Ein fossiler Tropfstein in der Feuerkogel-Durchgangshöhle.


Rund 75 m in südöstlicher Richtung von dieser Höhle entfernt befindet sich die Kleine Bruder Höhle (Kat. 1546/27) in 1855 m MH. Es handelt sich dabei um eine sehenswerte Höhle mit schönen Sinterschmuck von 25 m Länge. Auf eine eventuelle Weiterforschung wurde verzichtet, weil dies nur mir der Zerstörung der Tropfsteinformen möglich gewesen wäre.

Etwa in der Mitte zwischen dem Gipfel vom Mittleren Hirlatz und der Hirlatzalm in 1922 m MH existiert die Hirlatzalmhöhle (Kat. Nr. 1546/19). Das Kernstück dieser Höhle bildet der 60 m lange und optisch eindrucksvolle „Schöne Gang“. Interessant in dieser insgesamt 86 m langen Horizontalhöhle ist das Vorkommen von Bonerz, Augensteine (Quarz) und Gips. Aufgesammelt wurden auch Knochen von verschiedenen Fledermäusen und Vögel.

Erwähnenswert ist auch der Rauhreifeiskeller (Kat. Nr. 1546/57) östlich der Hirlatzalm. Am Grund einer riesigen Doline öffnet sich in 1875 m MH ein rund 10 m hohes Portal. Ein mit Rauhreif überzogener Gang führt zu einen Schacht, welcher dann in 25 m Tiefe in einen kleinen Raum mündet. In der insgesamt 108 m langen und 43 m tiefen Höhle sind rötliche Kalke aus der Jura eingelagert.

 

Bild  1: Die Hirlatzalm im Jahre 1886. Abgebildet im Friedrich Simonys Standardwerk "Das Dachsteingebiet".

Bild 2: Lageskizze über die Höhlen, Dolinen und Hüttenreste im Bereich der Hirlatzalm.

Bild 3: Die Hirlatzalm im Jahre 1986. Nur mehr Steinfundamente erinnern an die Vergangenheit.


Eine weitere Horizontalhöhle  befindet sich auf der Westseite vom Hinteren Hirlatz in 1900 m MH. Diese Durchgangshöhle am Hinteren Hirlatz (Kat. Nr. 1546/49a, b) hat eine Länge von 55 m. Besonders bemerkenswert ist das Vorkommen von Aragonit an der Höhlendecke und im Höhlenlehm. Diese kalzitähnlichen und schützenswerte Kristalle entstanden in einer wärmeren Klimaphase.

Bei einer Felswand unterhalb vom Hinteren Hirlatz in Richtung des Schoßgraben öffnet sich der eindrucksvolle Eva-Schacht (Kat .Nr. 1546/25) in 1860 m MH. Dieser tiefe Schacht wurde in mehreren Phasen erforscht. Der Abgrund fällt in mehreren Stufen bis auf eine Tiefe von 222 m ab und ist damit der offiziell der tiefste Schacht am Hirlatzplateau.

Nicht so tief, aber sehr fotogen ist der im Latschenterrain versteckte Schauberger-Schacht (Kat. Nr. 1546/24) in 1855 m MH. Der senkrechte Schacht mit den 5 x 1.5 breiten  Einstieg nördlich vom Hinteren Hirlatz hat es durch seine Schönheit zum Titelbild eines Höhlenkalenders gebracht. Ich habe dieses Karstobjekt zu Ehren des verdienstvollen Geologen und Höhlenforscher  Dr. Othmar Schauberger benannt.

Zu den größten Karstobjekten im Gebiet gehört auch die Hirlatz-Eishöhle (Kat. Nr. 1546/85) in 1680 m MH. Die 353 m lange Höhle befindet sich noch an der Baumgrenze zwischen Niederen und Hohen Eisgrube westlich der Hirlatzalm. Das 2 x 2.5 m Eingangsportal fällt in diesem abgelegen Gebiet kaum auf. Auch hier führen wie so oft im Dachsteingebirge nach einem Horizontalteil mehrere Schachtstufen bis in eine Tiefe von 236 m.

Am Ostnordosthang vom Feuerkogel existiert eine ausgeprägte Doline von 9 x 6 m Durchmesser. Am Grunde der Doline öffnet sich der Hauptzugang zur Feuerkogel-Durchgangshöhle (Kat. Nr. 1546/20 a, b) in 1938 m MH. Der südliche verlaufende Gang führt  in 1929 m MH zu einen weiteren Eingang. Besonders interessant ist das Vorkommen eines „fossilen Tropfsteines“ im rötlichen Juragestein in der Nähe vom Eingang B. Viele Megalondonten (Kuhtrittmuscheln) und Sinterverzierungen gehören ebenfalls zur Besonderheit dieser Höhle. Insgesamt ist die Höhle 86 m lang und hat eine Höhendifferenz von 16 m.

Ebenfalls zwei Eingänge hat die Feuerkogelhöhle (Kat. Nr. 1546/32 a,b) in 1905 bzw. 1906 m MH , welche sich ostsüdöstlich vom Feuerkogel befindet. Das auffällige Portal führt zu einer Naturbrücke und in der Folge nach zu einen senkrechten 23 m Abstieg in die „Feuerkogelhalle.“ Von diesem Raum erreicht man über senkrechte Felsstufen den Eingang B. Insgesamt ist die Höhle 191 m lang und 38 m tief.

Bedeutungsvoll ist noch die Feuerkogelwestwandhöhle (Kat. Nr. 1546/80) in 1790 m MH. Zu dieser Höhle muss man sich an die 100 m weit in der Feuerkogel-Westwand abseilen und entsprechend schwierig war die Erforschung. Die Höhle ist vom geologischen Aufbau her schichtgebunden und enthält zusätzlich mehrere Schachtstufen. Häufiger Bruchschutt in der Höhle deuten auf hohe Verwitterungstätigkeit hin. Auffällig sind aber auch die vielen Tropfsteine in der Höhle sowie das Vorkommen von Fledermäusen. Mit einer Länge von 1027 m und einer Tiefe von 145 m ist diese Höhle das längste Karstobjekten am ganzen Hirlatz- und Feuerkogelplateau.

 

Bild  1: Blick auf die Wiesalm. Oberhalb sieht man das Wiesberghaus. Rechts davon der Niedere Ochsenkogel.

Bild 2: Die  Westwand vom Feuerkogel. Im oberen Wandteil befindet sich u.a. die Feuerkogelwestwandhöhle.

Bild 3: Der Haupteingang der 191 m langen und 38 m tiefen Feuerkogelhöhle in 1905 m Seehöhe.


In unmittelbarer Nachbarschaft zur Feuerkogelwestwandhöhle gehört die Kleine Feuerkogelwestwandhöhle (Kat. Nr. 1546/81) in 1794 m MH. Auch diese Höhle kann nur mit Abseilen erreicht werden. Auffällig ist der schöne Tropfstein- und Sinterschmuck.

Erwähnenswert ist noch der 50 m tiefe Hirlatz-Eisschacht (Kat. Nr. 1546/22) in 1870 m MH. Besonders beeindruckend sind hier die mit Blankeis überzogene Wände.

Es gibt noch mehrere katastermäßig erfasste Höhlen in diesem unwegsamen Areal zwischen Feuerkogel und dem Zwölferkogel. Sicherlich verbergen sich zwischen den schwer durchdringbaren Latschenbeständen auch noch unentdeckte Höhlen.

Hinweis: Alle Bilder stammen vom Verfasser und können ohne Einschränkungen verwendet werden.

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