DAS ZAGELAUERLOCH BEI GOSAU

ALLGEMEINES

Gosau gehört zu den schönsten Gegenden des oberösterreichischen Salzkammergutes. Die landschaftliche Schönheit mit der Spiegelung von Dachsteingebirge und Gletscher im Vorderen Gosausee ist einmalig.

Zwischen dem Gosautal und dem markanten Gosaukamm erstreckt sich ein bewaldeter Höhenzug mit zahlreichen Almen, Moorgebieten und Karsterscheinungen. Umweit bzw. südlich der ausgedehnten Plankensteinalm befindet sich ein sehr tiefer Schacht mit den Namen „Zagelauerloch“.

Die abenteuerliche Erforschung dieses sagenumwobenen Abgrundes und weitere Höhlen wird nachfolgend beschrieben.

 

DIE PLANKENSTEINALM

Es handelt sich hier um die größte zusammenhängende Alm im gesamten Dachsteingebirge. Die Lage ist einmalig und verschiedene Aussichtspunkte in der Umgebung ziehen zahlreiche Menschen an. Hier treffen Wanderer, Radfahrer und Taxitouristen zusammen und erfreuen sich an einer guten Jause in der 1530 m hoch gelegenen urigen Leutgebhütte. Bis dorthin fährt im Sommer auch der sogenannte Gosauer Bummelzug. Es ist ein Traktor mit Anhänger (Wagon), welcher in gemütlicher Fahrt bis zu 45 Personen gleichzeitig befördern kann. Außer dieser außergewöhnlichen Alm gibt es in der Umgebung weitere interessante Ziele wie die Schleifsteinbrüche, die Seekarkirche, die Rossalm oder das Naturschutzgebiet Löckenmoos.

 

 

Bild 1:  Die Plankensteinalm bei Gosau ist die größte zusammenhängende Alm vom Dachsteingebirge.

Bild 2:  Rund 1.7 km Luftlinie südwestlich von der Plankensteinalm entfernt befindet sich das Zagelauerloch.

Bild 3: Die Plankensteinalm ist auch ganz leicht mit dem "Gosauer Bummelzug" (Traktor mit Wagon) erreichbar.


DAS ZAGELAUERLOCH (ZAGLAUERLOCH)

Dieser scheinbar unergründliche Abgrund beschäftigte wahrscheinlich seit Jahrhunderten die Fantasie der Einheimischen. Wie es zu diesen Namen kam, ist bis heute nicht geklärt. Um 1674 gab es nachweislich eine Alm mit den Namen „Underzagl“. Es könnte damit die heutige Rossalm gemeint sein oder auf einen Familienbesitz hinweisen. Es gibt auch noch andere Deutungen.

Das Zagelauerloch ist eine knappe Stunde von der Plankensteinalm entfernt. Man verfolgt dabei ab der südlichsten Hütte (Berlinghütte) einen anfangs deutlichen Steig in südwestlicher Richtung. Auf- und abwärtssteigend muss man dann nach etwa 15 Minuten Gehzeit bei einem scharfen Felsblock (Dauben) nach rechts in freies Karstgelände queren. Rund 15 weitere Minuten später erreicht man den Schachteinstieg. Wichtig bei der Wegsuche ist, dass man sich streng nach den Steindauben hält. Kurz vor dem Abgrund ist an einen Baum eine Hinweistafel montiert. Der Schachteinstieg ist 1,7 km Luftlinie von der Leutgebhütte entfernt.

 

Bild  1:  Verkarstetes und baumbestandenes Gelände in der unmittelbaren Umgebung vom Zagelauerloch.

Bild 2:  Es gibt keinen direkten Weg zum Zagelauerloch. Nur Steindauben erleichtern die Orientierung.

Bild 3: Man kann es kaum glauben, dass dieser Schlund senkrecht bis in eine Tiefe von 91 m führt.

 

Die Erforschung (erste Phase)

Gerade zu abenteuerlich mutet sich die Erforschungsgeschichte an, welche im Jahre 1911 begann. Es war die Zeit, als kurz zuvor die Dachstein-Mammuthöhle und Dachstein-Rieseneishöhle bei Obertraun entdeckt wurde. Von Einheimischen wusste der bekannte Mitentdecker der heutigen Dachstein-Schauhöhlen Georg Lahner, dass sich im Bereich des Niederen Schwarzkogel bei Gosau ein unermesslich scheinender Abgrund befindet, wo man hinabgeworfene Steine 13 Sekunden lang poltern hörte.

Außerdem existierte eine grausame Sage, wobei angeblich eine Sennerin ihr uneheliches Kind in einen Milchrührkübel steckte und in den Schlund war. Dieses Milchgefäß soll dann bald darauf unversehrt am Hallstättersee geschwommen sein. 

Am 16. Juli 1911 machte sich also eine Expedition daran, das  Zagelauerloch zu erforschen.  Die Teilnehmer waren außer Georg Lahner noch weitere Höhlenforscher aus Linz, Aussee, Wien und sogar aus Budapest. Die Trägermannschaft für die vielen Seile und Drahtseilleitern stellten Einheimische unter Forstverwalter Peter.

Der Abstieg erfolgte auf den freischwebenden Strickleiter und es gelang den Forschern,  bis in eine Tiefe von 80 m abzusteigen. Die rund 10m tiefere, schon   sichtbare Sohle konnte nicht erreicht werden. Der Rückzug wurde zum zeitraubenden Kraftakt. Dazu kam noch die Explosion einer Karbidlampe und nicht zuletzt ein hereinbrechendes Gewitter.

 

Am 20. Juli 2011 erschien darüber in der Linzer Tagespost ein ausführlicher Bericht von Georg Lahner.

 

 

Endgültige Erforschung (zweite Phase)

 

Ein halbes Jahrhundert später fiel mir der oben angeführte Bericht in die Hände. Natürlich beflügelte diese Beschreibung meine Fantasie und ließ mir keine Ruhe mehr. Doch vorerst musste der Schacht lokalisiert werden. Dieses gelang Gerhard Mayr, welcher auch eine Tiefenlotung durchführte.

Am 6. Oktober 1972 stiegen Ferdinand Winterauer, Gerhard Mayr, Karl Gaisberger, Yvonne und Harald Pohl, Ruppert Unterberger, Hans Urstöger und Norbert Leutner schwerbepackt zum Zagelauerloch auf. Wir wählten den Zugang über den Katzhof und die Grubalm. Von einer Jagdhütte, in welcher wir auch über Nacht blieben, sind es noch rund 350 m in südöstlicher Richtung zum Riesenschacht. Am Schachtmund wurde von Berg- und Höhlenführer Ferdinand Winterauer eine Stahlseilwinde von der Bergrettungsstelle Hallstatt montiert und mit einer Umlenkrolle versehen. Dann wurde als erster Gerhard Mayr problemlos in die senkrechte Tiefe gelassen. Die Sprechverbindung wurde mittels Funkgeräte und einem Schachttelefon aufrecht erhalten. Dann wurden auch Gaisberger und Leutner abgeseilt und dabei die Vermessung durchgeführt.

Das Zagelauerloch ist 91 m tief und damit der größte Oberflächenschacht im Dachsteingebirge!

Trotz des Erfolges waren wir fast ein wenig enttäuscht, da wir mit einer größeren Tiefe rechneten und entsprechend Material mitgeschleppt hatten. Beim Aufstieg gab es einige Schwierigkeiten, es war eine sternenklare Nacht, als Leutner als letzter Teilnehmer wieder den Schachteinstieg erreichte.

Am folgenden Tag wurde noch Yvonne Pohl zwecks fotografischer Aufnahmen zum Schachtgrund abgeseilt.

 

Foto: Das Zagelauerloch in 87 m Tiefe.

 

 

BESCHREIBUNG

 

Seine Entstehung verdankt dieser eindrucksvolle Schacht den erodierenden Gewässern, die sich hier entlang einer Verwerfung in die Tiefe gearbeitet haben. Die Bruchzone erstreckt sich gleichbleibend in SO-NW und ist in der Anlage charakteristisch für die vielen Schächte im Dachsteingebirge. Das Zagelauerloch liegt größtenteils im Dachsteinkalk (Obere Trias).

Der ellipsenförmige Schachtmund ist 3.50 m lang und 2 m breit. Der fast durchwegs senkrechte und schraubenförmige Schacht wird gegen die Tiefe zu immer größer. Bei etwa 60 m unterbricht ein deutliches Band die an dieser Stelle scharfkantige Schachtwand. Dann erweitert sich der tonnenförmige Abgrund nochmals und erreicht die letzten 30 m bis zum Boden einen Durchmesser von rund 10 m .

Die ellipsenförmige und waagrechte Sohle ist 9.50 m lang und 5 m breit. Auf diesen etwa 40 Quadratmetern großen Schachtboden liegen viele heruntergeworfene Gesteinsbrocken und vermoderte Bäume. Die herumliegenden Knochen stammen von Hund, Schaf, Reh und Gemse.

Die am Grund gemessene Lufttemperatur betrug 4. Grad, die Luftfeuchtigkeit 90 %.

 

Foto: Erstmals am Schachtgrund am 6. Oktober 1972

 

 

ZUSAMMENFASSUNG

Seit der letzten bekannten Befahrung ist mittlerweile ein halbes Jahrhundert vergangen. Man sollte wieder einmal eine Exkursion durchführen und verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen anstellen. Die Schachtsohle sollte noch näher untersucht werden.   Vielleicht gibt es noch einige Überraschungen. Es ist auch möglich, dass es sich bei der heutigen Sohle nur um einen Zwischenboden handelt.

Auf jeden Fall sollte vorher ein Kontakt mit der Jagdbehörde aufgenommen werden.

 

BASISDATEN: Kat. Nr. 1542/11, MH 1575 m , Tiefe: 91 m, Planskizze: Norbert Leutner.


WEITERE HÖHLEN IM BEREICH DES SCHWARZKOGEL

 

DIE HÖHLENGROTTE

Nur 12 m Länge fehlen, sonst würde dieses Karstobjekt unter den Großhöhlen des Dachsteingebirges eingereiht! Diese fast 500 m lange Höhle mit dem seltsamen Namen „Höhlengrotte“ befindet sich in einen Dornröschenschlaf und ist weitgehend unbekannt.

Die Höhle befindet sich etwa 1 Stunde Gehzeit von der Plankensteinalm entfernt in Richtung zum Kleinen Schwarzkogel. Das Portal öffnet sich rund 30 m oberhalb eines Jagdsteiges und ist derzeit durch vorgelagerte Bäume nicht mehr sichtbar.

Die erste Forschung geht auf das Jahr 1885 zurück. Die Entdecker waren durchwegs Bergarbeiter aus Gosau. Im Jahre 1972 und 1974 war diese abgelegene Höhle das Ziel von Linzer Höhlenforscher.

Die Höhlengrotte erstreckt sich vom 2 m breiten und 3 m hohen Eingangsportal meist abfallend in südlicher Richtung. Charakteristisch für diese Höhle sind kleinere Räume, kurze Abstiege, klammartige Gänge und etliche Tümpel und Kolke.

Besonders auffällig ist eine weiße, mit Bergmilch überzogene Wand, in welcher sich etliche Forscher mit Namen und Datum verewigt haben.

 

BASISDATEN: Kat. Nr. 1542/12, Länge 487 m, Meereshöhe 1655  m, Niveaudifferenz 68.5 m (+3.5 m, - 65 m), max. Horizontalerstreckung 184 m. Pläne: Erhard Fritsch.


DIE SEEKARKIRCHE (Seekarhöhle)

Diese versteckte Höhle befindet sich rund 10 Gehminuten oberhalb der höchsten Hütte auf der Seekaralm in 1590 m Höhe und hat die Katasternummer 1542/19.

Es handelt sich um eine fast geradlinig verlaufende Höhle mit kleinem, unscheinbarem Eingang und einer Gesamtlänge von 33 m.

Besondere Bedeutung hatte dieses Karstobjekt als ehemaliger Zufluchtsort der evangelischen Christen während der Gegenreformation. Zum Gedenken findet bei der Seekarkirche jährlich am 15. August eine würdevolle Feier statt.

Bild  1:  Das versteckte Eingangsportal der Höhlengrotte in   1655 m Meereshöhe.

Bild  2: Die insgesamt 487 m lange Höhlengrotte wird nur sehr selten aufgesucht.

Bild  3: Typische Karstformen in der Umgebung der Höhlengrotte.

 

LITERATURHINWEISE

"Das Zaglauerloch" Höhlenkundliche Verreinsinformation (Hallstatt, 2(2), 1975

„Die Höhlen im westlichen Dachsteingebirge“ (Norbert Leutner, 2010)

„Höhlen, Natur und Kultur im inneren Salzkammergut“ (Norbert Leutner, 2012)

 

Genaue Beschreibungen bzw. Pläne gibt es bei den jeweiligen Höhlenvereinen in Wien, Linz und Hallstatt.


BILDERGALERIE

                                        Plankensteinalm                              *******                 Rossalm           *******          Seekaralm

                           Die Seekarkirche im Zeichen der Gegenreformation                                     *******             Seekarsee

 

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